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DAX-Analyse: Sie lebt noch

WGZ Cognitrend Report - das Marktgeschehen aus dem Blickwinkel der verhaltensorientierten Forschung

Sie lebt noch

Das Wohlergehen der Kanzlerin ist mittlerweile in aller Munde: Keine Eurobonds "solange ich lebe", soll sie kürzlich gesagt haben. Eine Aussage, mit der sie die Märkte ordentlich verschreckte, da einige Kommentatoren dies doch glatt mit "nur über meine Leiche" ins Englische übersetzten. Angela Merkel, putzmunter übrigens, machte sich am Mittwoch bei ihrer Regierungserklärung nicht die Mühe, ihre Aussage noch einmal zu erklären. Finanzminister Wolfgang Schäuble stiftete weitere Verwirrung um die Eurobonds: Als er in einem Interview sagte, dass sich Berlin Eurobonds durchaus vorstellen könne, kam es zu einem kurzen Auf und Ab an den Märkten. Seine Sprecher stellten jedoch klar: Der Widerstand Schäubles gegen die Gemeinschaftsanleihen sei keineswegs aufgeweicht. Es gelte weiterhin, dass erst die politischen Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten. Und bis dahin wird wohl noch einige Zeit vergehen. So kann wohl auch Merkels Aussage verstanden werden, im Sinne von "Das werde ich nicht mehr erleben..."

Dafür durften die Börsianer erleben, wie sich die EU-Staats- und Regierungschefs zum ersten Mal seit langem nicht nur langfristigen Problemen widmeten, sondern der Krise mit kurzfristigen Maßnahmen begegneten. Zum Beispiel einigten sie sich beim EU-Gipfel darauf, dass der Rettungsschirm im Gegenzug für die künftigen Hilfskredite für Spanien bzw. dessen Banken keinen Vorrang gegenüber anderen Gläubigern erhalten wird. Nach dieser Nachricht vollführte der DAX am Freitag einen Erleichterungssprung, denn die Marktteilnehmer hatten im Vorfeld mit sehr viel weniger gerechnet. Dennoch trauen die institutionellen Börsianer dem DAX keine allzu großen Sprünge zu: Auf Sicht von sechs Monaten erwarten sie im Mittel Kurse von rund 6.600 Zählern, wie eine aktuelle Umfrage der Börsen-Zeitung ergab. Bei den Privatanlegern ist die Stimmung noch viel schlechter: Nur noch jeder Fünfte glaubt daran, dass die Aktienkurse im zweiten Halbjahr steigen werden, hat TNS Infratest herausgefunden. Zum Vergleich: Im August hatten sich noch 40 Prozent der Befragten optimistisch geäußert.

Zur Wochenmitte war der DAX kurz unter unsere 6.110er Unterstützung gerutscht, konnte sich aber schnell wieder erholen. Wir sind milde positiv gestimmt, denn zumindest im Inland sind viele Anleger längst auf weiteres Ungemach eingerichtet. Oberhalb von 6.440 wären diese Akteure wohl zur Aufgabe ihrer skeptischen Haltung gezwungen - dies würden wir als bullishes Signal werten. Die wichtigsten Unterstützungen liegen bei 6.240 und 6.075.

Alle in diesem Dokument genannten Preisniveaus verlieren bei einem Durchstoß von zehn Punkten ihre Gültigkeit.



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