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DAX Sentiment-Index: DAX läuft Bären davon

DAX SENTIMENT INDEX

DAX läuft Bären davon

Rally statt Korrektur: Die breite Mehrheit der mittelfristig orientierten Börsianer hatte sich letzte Woche auf weiteres Ungemach eingestellt. Der Bull/Bear-Index war auf den zweitniedrigsten Stand dieses Jahres abgerutscht. Doch der DAX setzte bereits am Donnerstag zu einem beachtlichen Erholungsspurt an, der sich bis heute, gemessen vom Tief bis zur Kursspitze, auf stolze 8 Prozent summiert. Initialzünder dieser kräftigen Kurserholung war EZB-Chef Mario Draghi. Er werde "alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten" hatte er versichert und ein Hintertürchen für Interventionen geöffnet: Wenn die hohen Risikoprämien von Staatsanleihen nicht länger die Qualität der Papiere widerspiegelten, falle dieses Problem in das Mandat der EZB, so der Notenbanker. Seine Worte sind nicht nur als verbale Intervention verstanden worden, sondern auch als Hinweis, dass die Notenbank wie der aktiver ins Krisengeschehen eingreifen könnte, indem sie z.B. ihr Staatsanleihekaufprogramm wieder aufnimmt - in aggressiverer Form als je zuvor. Wer auf der Suche nach einem Kaufargument war, für den war Draghis Rede sicherlich eine willkommene Einladung. Doch wer ohnehin pessimistisch gestimmt war, wie das Gros unseres Sentiment-Panels, der ließ sich von den Worten des EZB-Bosses nicht aus der Reserve locken. Wirklich viel Neues hatte er schließlich nicht gesagt und seit Donnerstag kristallisiert sich mehr und mehr heraus, dass Draghis Meinung nicht die Haltung des gesamten EZB-Rates widerspiegelt. Die Bundesbank etwa erklärte sogleich am Freitag, dass sie Bondkäufe weiterhin kritisch sieht. Von politischer Seite kommt auch keine sonderlich große Unterstützung im Kampf gegen die Krise: Die Hoffnung, der ständige Rettungsmechanismus ESM könnte mit einer Banklizenz ausgestattet werden, musste spätestens heute begraben werden, als sich die Bundesregierung erneut offen dagegen aussprach. Damit bleibt die Möglichkeit verwehrt, den ESM mit unbegrenzter Feuerkraft auszustatten, wie Frankreich und Italien es sich wünschen. Kurzum: Die Bären sehen die aktuelle Rally als nicht gerechtfertigt an. Obwohl der DAX in der Zwischenzeit ein neues Erholungshoch erreicht hat, halten die meisten Anleger weiter an ihren bearishen Positionen fest. In der heutigen Sentiment-Erhebung der Börse Frankfurt erhält das Bullenlager lediglich 1 Prozent Zuwachs, während nur 2 Prozent der Befragten dem Pessimistencamp den Rücken kehren. Die verbleibenden Bären, immer noch 44 Prozent der Befragten, warten offenbar darauf, dass die EZB die hohen Erwartungen, die sich in den letzten Tagen aufgebaut haben, schon morgen bei ihrer Zinssitzung enttäuschen wird. Die Bären und auch viele Ökonomen gehen zwar davon aus, dass es Draghi zunächst bei Verbalinterventionen belassen wird. Das wird allerdings nicht lange funktionieren - siehe Japan. Wenn die Notenbank nicht bald liefert, werden die Marktteilnehmer in ihr nicht mehr als einen zahnlosen Tiger sehen und die verbalen Hinweise nicht länger sonderlich ernst nehmen. Früher oder später werden EZB-Chef Draghi und seine Mannen also ein ziemlich großes Kaninchen aus dem Hut zaubern müssen. Vorerst wird eine EZB-Enttäuschung dem DAX aber nicht sonderlich schaden, denn die Skeptiker dürften nur darauf warten, jeden etwa größeren Abtaucher (bis 6.400 Zähler) des heimischen Leitindex zu nutzen, um ihre Positionen ohne großartige Verluste glattzustellen. Selten in den letzten Monaten haben Stimmung und Kursentwicklung so deutlich auseinandergeklafft, so dass dem DAX Unterstützung auf tieferem Niveau gewiss ist und die Gefahr besteht, dass die Bären zum Umdenken gezwungen werden. Die Rally ist vermutlich noch nicht zu Ende.

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