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DAX SENTIMENT INDEX
Kursanstieg ergibt für Händler wenig Sinn
Fondsmanager, die sich mit einer Short-Position in die Sommerferien verabschiedeten, haben es wohl bereut, zwischendurch auf ihrem Mobiltelefon die App der Börse Frankfurt
aktiviert zu haben, um sich einen groben Überblick von der
Lage an den Finanzmärkten zu verschaffen. Denn der Blick
auf den DAX-Stand offenbarte Kurse nahe der 7.000er Marke. Skeptiker mussten also seit Anfang Juni mitansehen, wie
sich deutsche Standardwerte um gut 18 Prozent verteuerten.
Erinnerungen an 2011
Die jüngsten Aussagen von Mario Draghi haben dabei gar
nicht mal die größte Rolle gespielt. Sie gaben europäischen
Aktien zwar in den letzten Juli-Tagen einen Kick. Nach der
EZB-Sitzung am vergangenen Donnerstag sah aber plötzlich
alles wieder anders aus. Für kurze Zeit schienen die Pessimisten wieder Oberwasser zu erlangen, zumal das Minus, mit
denen deutsche Aktien, die in den ersten beiden Handelstagen des laufenden Monats aus dem Rennen gingen, bei einigen Akteuren Erinnerungen an den desaströsen Start weckte,
den Aktionäre im August des vergangenen Jahres durchleiden mussten. Wer hätte nach dem schwachen Schluss am
letzten Donnerstag auch schon damit gerechnet, dass der
DAX am nächsten Tag alle Verluste umgehend wettmachen
und die Woche sogar am Hoch abschließen würde? Was
unser Panel angeht, waren es wohl nur die wenigsten, denn
an steigende Kurse glaubt nur noch etwas mehr als ein
Drittel der Händler. Hingegen spekulieren derzeit 46
Prozent (ein Plus von 2 Prozent zur Vorwoche) hartnäckig
auf fallende Kurse.
Ausländische Käufe
Die Ausdauer der Bären ist bemerkenswert. Es muss bereits
reichlich Nerven gekostet haben, mit Short-Positionen in die
EZB-Sitzung zu gehen. Logischerweise hat sich nach dem
Rückschlag vom Donnerstag eine gewisse Erleichterung
breitgemacht, gepaart mit der Hoffnung, die US-Arbeitsmarktdaten könnten am nächsten Tag ebenfalls negative Impulse
setzen, was ob der vielen Enttäuschungen die es in den vorangegangenen Monaten gab, nicht einmal abwegig erschien.
Aber ausgerechnet in dieser Situation lag die Beschäftigung
über den Markterwartungen. Die Kurse stiegen und kurz vor
dem Wochenende sah alles danach aus, als ob der Grund für
den Anstieg Short-Eindeckungen waren. Das Ergebnis unse-
rer Stimmungsauswertung lässt diesen Schluss aber nicht zu.
Es dürften eher Käufe aus dem Ausland gewesen sein. Nicht
nur die Konstellation unseres Bull/Bear-Index, auch die Entwicklung des Euro gegenüber vielen anderen Hauptwährungen spricht für diese These. Natürlich hat ein solches Vorgehen
die Masse der heimischen Investoren komplett überrascht.
Aus Sicht der befragten Institutionellen ergibt der Kauf deutscher oder europäischer Aktien in der gegenwärtigen Krisensituation nur wenig Sinn. Insofern ist es nachvollziehbar, dass
sie sich die ganze Zeit nicht nur gegen ein Long-Engagement
sträuben, sondern sogar aggressiv auf die Short-Seite begeben.
Starke Wahrnehmungsverzerrung
Die untergewichteten Händler fragen sich nun: Soll ich jetzt
etwa kaufen? Natürlich will sich keiner der Bären den Schuh
anziehen, bei 7.000 die Schotten dichtgemacht zu haben,
falls der DAX am Ende doch noch absacken sollte. Lieber
wartet man auf ein Pullback und kauft 500 Punkte tiefer.
Angesichts der gegenwärtig starken Bias, ist das Warten
auf tiefere Kurse aber wohl die schlechtere Alternative.
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