Insiderverdacht: Aufschub für Carsten Kengeter

Insiderverdacht: Aufschub für Carsten Kengeter

, aktualisiert 07. August 2017, 17:11 Uhr
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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse steht unter Druck. Das Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandel dauert länger als erwartet.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Der Vorstandschef der Deutschen Börse steht unter Insiderverdacht. Jetzt bekommt der Konzern mehr Zeit, um auf die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft zu reagieren. Die Börsenaufsicht verfolgt die Ermittlungen aufmerksam.

FrankfurtSeit Monaten ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Vorstandschef der Deutschen Börse, Carsten Kengeter, wegen dem Verdacht des Insiderhandels. Jetzt bekommt der Konzern mehr Zeit, um auf die Vorwürfe zu reagieren. Laut Handelsblatt-Informationen bleibt den Anwälten nun Zeit bis Mitte September, um auf das Anhörungsschreiben der Staatsanwaltschaft einzugehen. Bislang war von Mitte August die Rede.

Die Deutsche Börse wollte den Vorgang nicht kommentieren. Der Aufschub hat auch Folgen für die hessische Börsenaufsicht. Sie kündigte am Montag an, dass sie die Ergebnisse der Ermittlungsergebnisse abwarten möchte, bevor sie über die Zuverlässigkeit des Börsenchefs entscheidet. Damit geht die Hängepartie um die Zukunft des Konzernchefs weiter.

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Kengeter hatte sich im Dezember 2015 im Rahmen eines Vorstandsvergütungsprogramms mit Aktien der Börse eingedeckt – rund zwei Monate bevor die Pläne für eine Fusion mit der London Stock Exchange (LSE) bekannt wurden. Kengeter erwarb damals Aktien für 4,5 Millionen Euro – und erhielt vom Konzern sogenannte Performance-Aktien obendrauf.

Die Ermittler prüfen, ob Kengeter bei seinem Aktienkauf von den Plänen für eine Fusion mit London wusste. Kengeter und die Börse hatten angekündigt, dass sie in vollem Umfang mit der Staatsanwaltschaft kooperieren wollen, um die Vorwürfe auszuräumen. Auch Aufsichtsratschef Joachim Faber hatte Kengeter in Schutz genommen und die Vorwürfe als „haltlos“ bezeichnet. Doch die Staatsanwaltschaft ließ sich davon bislang nicht stoppen.

Mitte Juli hatten die Ermittler der Börse ein Anhörungsschreiben zu den Vorwürfen zukommen lassen. Demnach droht dem Konzern wegen dem Verdacht des Insiderhandels und einer mutmaßlich verspäteten Ad-Hoc-Mitteilung zur Fusion zwei Geldbußen über insgesamt 10,5 Millionen Euro.

Angesichts des laufenden Ermittlungsverfahrens prüft die hessische Börsenaufsicht, die im Wirtschaftsministerium angesiedelt ist, die Zuverlässigkeit des Börsenchefs. Wie ein Sprecher der Behörde am Montag mitteilte, wollen die Aufseher die Ermittlungsergebnisse aus Frankfurt zunächst abwarten. „Die Börsenaufsicht wird dann auf der Grundlage der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsergebnisse und eigener Sachverhaltsfeststellungen die Deutsche Börse und die betroffenen Personen anhören und anschließend eine Entscheidung treffen.”

Quelle:  Handelsblatt Online
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