Interhyp-Chef zur Immobilienfinanzierung: „Das Marktumfeld ist fantastisch”

Interhyp-Chef zur Immobilienfinanzierung: „Das Marktumfeld ist fantastisch”

, aktualisiert 25. Februar 2016, 13:46 Uhr
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Michiel Goris führt die Interhyp AG seit dem 1. Januar 2011.

von Oliver StockQuelle:Handelsblatt Online

Der Immobilienfinanzierer Interhyp profitiert von niedrigen Zinsen und steigenden Häuserpreisen. Interhyp-Chef, Michiel Goris, erklärt im Interview, wo man günstig kaufen kann. Und warum eine Blase nicht in Sicht ist.

Die Preise am Immobilienmarkt ziehen von einem Hoch zum nächsten, vor allem in Ballungsgebieten. Während sich Häuslebauer über die Kosten ärgern, können Immobilienfinanzierer nicht zuletzt wegen der anhaltend niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt profitieren. Wir haben mit dem Chef des größten Kreditvermittlers für Immobilienfinanzierung gesprochen.

Herr Goris, München kann sich kaum jemand noch leisten, die Immobilienpreise dort steigen und steigen – wie lange geht das noch so?

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Wir denken schon, dass sich diese letzten Preisanstiege etwas verlangsamen werden. Aber Nachfrage und Zinsen befeuern den Markt weiterhin. Und ja, es stimmt: Es gibt Lagen in Deutschland, da muss man eigentlich geerbt haben, um etwas kaufen zu können. Für viele Stadtteile Münchens ist das der Fall. Aber es finden sich in Deutschland auch Lagen, in denen der Erwerb deutlich preiswerter ist – und zwar nicht nur auf dem Land, sondern auch in den Großstädten.

Jetzt sagen Sie aber nicht Berlin. Dort wird doch über Immobilienpreise derzeit laut gejammert . . .

Dabei ist Berlin im deutschlandweiten Vergleich relativ preiswert. Dort gibt es einfach ein größeres Angebot an Immobilien als in anderen Ballungsräumen – und gleichzeitig eine andere Einkommensstruktur. Deswegen liegt das Niveau der Preise in der Hauptstadt deutlich unter dem von etwa München oder Hamburg.

Verschärft der Zuzug von Flüchtlingen die Situation?

Auf dem Mietmarkt vielleicht, aber nicht auf dem Käufermarkt.

Die Zinsen kommen in Europa nicht vom Fleck. Inzwischen gibt es Banken, die Unternehmenskunden Geld abknöpfen, wenn die ein Guthaben dort parken. Könnten die Negativzinsen auch irgendwann auf dem Immobilienmarkt Einzug halten?

Gänzlich ausschließen kann ich das nicht, aber ich halte es für extrem unwahrscheinlich. Ich bezweifle, dass eine Bank so weit geht, dass sie Kunden noch etwas draufzahlt, wenn die sich Geld leihen wollen. Wenn kurzfristige Zinssätze unter minus ein Prozent fielen, könnten die Zinskosten für Baufinanzierungen gegen Null gehen. Aber dafür müsste wirtschaftlich so viel kaputt gehen, dass ich uns allen das nicht wünschen würde.

Wie verhält sich ein Immobilienfinanzierer wie die Interhyp in diesem Marktumfeld?

Fantastisch. Wir haben im Jahr 2015 unser vermitteltes Volumen um fünf Milliarden Euro auf 16,1 Milliarden gesteigert, den Gewinn auf knapp 60 Millionen Euro mehr als verdoppelt und halten jetzt mehr als sechs Prozent Marktanteil am Neugeschäft aller Baufinanzierungen in Deutschland.


Keine Immobilienblase in Sicht

Haben Sie keine Angst vor einer Immobilienblase?

Trotz mancher lokaler Übertreibungen: nein. Denn trotz der gestiegenen Preise bleiben die Finanzierungsstrukturen weiterhin sehr konservativ. So ist das Verhältnis von Schulden zu Kaufpreis – die so genannte Beleihung – trotz der höheren Preise in den letzten fünf Jahren nur geringfügig gestiegen, während die Tilgungshöhe deutlich zunahm. Hinzu kommt: Ein Großteil des Neugeschäfts mit Baufinanzierungen geht auf die gestiegene Nachfrage nach Anschlussfinanzierungen zurück. Viele Kreditnehmer schulden jetzt um, um vom günstigen Zinsniveau zu profitieren.

In Deutschland müssen Bankkunden eine Vorfälligkeitsentschädigung zahlen, wenn sie einen Kredit früher ablösen. In anderen Ländern nicht. Was halten Sie von diesem Instrument?

Die Kunden in anderen Ländern, die es nicht haben, sind neidisch auf uns hier mit unseren lang festgeschriebenen Finanzierungen und den attraktivsten Zinsen in Euroland. Denn die Entschädigung macht es den Banken leichter, einen langfristigen Zinssatz zu kalkulieren. Zudem würde der Wegfall dieses Instruments das Zinsniveau verteuern.

Wenn das Geschäft bei Ihnen brummt – werden Sie expandieren und auch andere Bereiche als nur die Immobilienfinanzierung anbieten?

Sie meinen Allfinanz? Daran denken wir nicht. Wo sinnvoll, können wir die Baufinanzierung mit Bausparlösungen oder Konsumentenkrediten ergänzen. Aber das war es dann auch. Nein, unser Ziel ist es, noch deutlich Marktanteile in der Immobilienfinanzierung zu gewinnen. Otto Normalverbraucher ist noch immer sehr treu gegenüber seiner Hausbank. Da steckt für uns noch Potenzial drin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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