Investmentbanking: Brexit-Angst sorgt bei Bankern für Langeweile

Investmentbanking: Brexit-Angst sorgt bei Bankern für Langeweile

, aktualisiert 20. April 2016, 11:20 Uhr
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Ein möglicher Austritt Großbritanniens aus Europa macht Firmen nervös. Investmentbanker können sich dagegen entspannen.

Quelle:Handelsblatt Online

Firmen fürchten sich vor einem möglichen Austritt Großbritanniens aus der EU und trauen sich deshalb nicht an Übernahmen heran. Investmentbanker können sich deshalb bis zum Sommer ausruhen.

LondonDas Leben als Investmentbanker verläuft selten in ruhigen Bahnen: Meist macht die Branche durch Skandale, Krisen und besonders harte Arbeitszeiten von sich reden. Doch nun können ihre gestressten Vertreter endlich durchatmen. Der Grund: Brexit. Weil sie sich nicht sicher sind, ob Großbritannien im Sommer sich für einen EU-Austritt entscheidet, halten sich britische Unternehmen derzeit bei Übernahmen zurück. Für auf Fusionen und Übernahmen spezialisierte Investmentbanker ist deshalb – vorerst – Langeweile angesagt.

Verzeichnete Großbritannien im vergangenen Jahr noch das beste Jahr seit acht Jahren bei Fusionen und Übernahmen, markiert das abgelaufene Quartal laut Daten des Finanznachrichten-Dienstes Bloomberg den Tiefpunkt seit 2010. Die Ausgaben für Fusionen und Übernahmen mit Beteiligung britischer Unternehmen liegt 39 Prozent niedriger als vor einem Jahr.

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Doch warum haben die Unternehmen Angst vor einem Brexit? Kritiker warnen, dass der Verlust von Handels- und Einwanderungsabkommen zu wirtschaftlicher Instabilität führen und einige Unternehmen zum Verlassen des Landes animieren könnte. Die Schwäche bei Fusionen und Übernahmen dürfte anhalten, bis die Briten Ende Juni in einer Volksabstimmung über den weiteren Verbleib in der EU entscheiden.

„Der Brexit wirkt sich negativ auf Transaktionen aus, vor allem auf grenzüberschreitende Deals”, sagt Stefan Brunnschweiler, Partner bei der Kanzlei CMS in Zürich. „Eine Reihe von Unternehmen und Investoren haben ihre Investitionsentscheidungen verschoben bis nach der Abstimmung.”

Neben den möglichen wirtschaftlichen Auswirkungen könnte ein EU-Ausscheiden der Briten auch Veränderungen bei den gesetzlichen Regelungen für eine Reihe von Branchen mit sich bringen, sagt Ben Higson von der Kanzlei Hogan Lovells in London. „Da ein großer Teil unserer Vorschriften auf Brüssel zurückzuführen ist, ist nicht klar, was neu verhandelt wird, wenn Großbritannien aus der EU ausscheiden würde, aber wir rechnen mit einem langen Zeitraum, in dem eine Reihe von Verträgen überarbeitet wird.”

Auch das Pfund leidet unter dem Risiko, dass die Briten der EU den Rücken kehren. Gegenüber dem Euro hat das Pfund das schlechteste Quartal seit 2008 hinter sich.


Chinesische Investoren machen einen Bogen um Großbritannien

Während Fusionen und Übernahmen weltweit einen langsameren Gang einlegen - im vergangenen Quartal sank das M&A-Volumen um zehn Prozent gegenüber der Vorjahresperiode - lief es in Kontinentaleuropa rund. Ohne Berücksichtigung Großbritanniens stieg das M&A-Volumen auf Jahressicht um 48 Prozent. Führend bei den Übernahmeaktivitäten sind chinesische Unternehmen, die in Europa mehr Geld in Unternehmenskäufe stecken als in jeder anderen Region außerhalb ihres Heimatlandes. Die weltweit größte in diesem Jahr angekündigte Transaktion war die Einigung, dass China National Chemical Corporation den Schweizer Agrochemiekonzern Syngenta für 43 Milliarden Dollar übernimmt.

Um Großbritannien machen die Chinesen jedoch einen Bogen. Während sich die M&A-Ausgaben in Westeuropa in diesem Jahr mehr als verfünffacht haben, ist das Volumen in Großbritannien den Daten zufolge um 93 Prozent eingebrochen.

„Zahlreiche chinesische Investoren sind am Energie-, Dienstleistungs- und Finanzsektor interessiert, und Investitionen in diesen Bereichen werfen mehr Gewinn ab in einem größeren freien Markt”, sagt Ying Zhang, Dozentin an der Rotterdam School of Management. Das Risiko eine Ausscheidens der Briten aus der EU habe deutlich negative Auswirkungen auf chinesische Investitionen gehabt, führt sie aus.

Die britische Regierung arbeitet daran, den Befürchtungen entgegenzuwirken und das Land zu einem attraktiven Ort für Investitionen zu machen. Finanzminister George Osborne kündigte im März Pläne an, die Unternehmenssteuer bis 2020 von 20 Prozent auf 17 Prozent zu senken. Der Satz wäre der zweitniedrigste unter den Industrieländern nach Irland.

Derweil hoffen die Investmentbanker, dass der Sommer ihre Untätigkeit auch in Großbritannien beendet: UBS-Analyst Gareth McCartney ist zuversichtlich: „Es wird wahrscheinlich einen geschäftigeren Sommer als normalerweise geben, sowohl was die Aktienkapitalmärkte betrifft als auch die M&A-Aktivitäten, weil die Unternehmen versuchen werden, Transaktionen in einem hoffentlich stabileren politischen Umfeld durchzuziehen, bevor in den USA gegen Ende des Jahres gewählt wird.”

Quelle:  Handelsblatt Online
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