Investmentfonds: Union Investment wird vorsichtiger

Investmentfonds: Union Investment wird vorsichtiger

, aktualisiert 24. Februar 2016, 15:53 Uhr
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Der Union-Investment-Chef hat ein Rekordjahr 2015 hinter sich gebracht.

von Ingo NaratQuelle:Handelsblatt Online

Das große deutsche Fondshaus bilanziert ein Rekordjahr 2015 – auch dank der guten Börse. Aber das wird sich nur schwer wiederholen lassen. Zudem könnte es Untersuchungen der Wertpapieraufsicht geben.

FrankfurtSo viel Geld eingesammelt wie im vergangenen Jahr hat Union Investment noch nie. Es waren genau 26,2 Milliarden Euro. Die halfen, das verwaltete Vermögen beim Fondshaus des genossenschaftlichen Bankensektors auf 261 Milliarden Euro zu steigern. Damit ist es der drittgrößte deutsche Anbieter.

Union-Vorstandschef Andreas Reinke warnte aber vor Euphorie. „2016 wird ein zufriedenstellendes Jahr, aber mehr wage ich nicht zu sagen“, sagte er bei der Vorstellung seiner Jahresbilanz in Frankfurt. Für ihn ist klar: „Der 2015er Boom war Draghis Droge zu verdanken.“ Demnach hat die sehr lockere Geldpolitik der EZB die Börsen beflügelt und auch den Vermögen der Fondshäuser geholfen.

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Viel Geld eingesammelt hat Union Investment sowohl bei privaten als auch bei institutionellen Investoren. „Sicherheit hat nach wie vor Vorrang“, sagte Reinke beim Blick auf die Anlagemotive seiner Kunden. Bei den Privaten seien insbesondere Mischfonds, offene Immobilienfonds und Sparpläne gefragt.

Die Union will künftig weiter dem typischen Sparer Wege zu höher rentierlichen Anlageformen öffnen. Es geht um die Anleger, die laut Bundesbankstatistik typischerweise rund drei Viertel ihres Geldvermögens ertraglos liegen lassen, auf Bankkonten und in zinslosen Anlagen.

„Das achte Weltwunder, der Zinseszins, wirkt nicht mehr“, sagte der Union-Chef. Als Alternative sei beispielsweise die Aktie mit langfristig höheren Erträgen ein wichtiger Baustein. „Für Anleger ist es gerade jetzt wichtig, weder in Panik noch in Schockstarre zu verfallen“, sagte Reinke mit Blick auf die kräftigen Börsenverluste der vergangenen Monate.


Aufsicht Bafin sammelt Daten aus der Fondsbranche ein

Die Union stellt sich erneut als aktiver Manager heraus. „Wir haben das klare Mandat unserer Kunden Mehrrendite zu erwirtschaften“, sagte Benjardin Gärtner, Aktienleiter bei Union, am Rande der Veranstaltung. Er meint damit: Die Fonds sollen attraktive Erträge erwirtschaften, dafür in ihrer Zusammensetzung ausdrücklich von Vergleichsindizes abweichen.

Es ist ein heikles Thema. Die europäische Wertpapieraufsicht Esma hatte festgestellt, dass möglicherweise fast ein Sechstel der aktive gemanagten Aktienfonds in Europa möglicherweise verkappte Indexfonds sind. Das wäre deswegen heikel, weil passive Indexfonds nur einen Bruchteil der jährlichen Gebühren verlangen, wie sie bei ihren aktiven Pendants üblich sind.

Die deutsche Aufsicht Bafin hat jetzt ebenfalls Kontakt mit den deutschen Fondshäusern aufgenommen und Fondsdaten abgefragt. „Bei uns wurde nach Daten für einige Dutzend Fonds gefragt“, bestätigt Union-Vorstand Andreas Zubrod für sein eigenes Haus. Es geht der Aufsicht um Aktienfonds, die seit mindestens einem Jahrzehnt angeboten werden, ein Kapital von über 50 Millionen Euro haben und über 0,65 Prozent an jährlicher Verwaltungsgebühr verlangen.

Die Datenprüfung der Aufsicht dürfte Zeit kosten. Zubrod wies auf die verschiedenen Probleme hin, die bei der Untersuchung auftauchen würden. Abweichungen von Indizes messe man zu verschiedenen Zeitpunkte. Das gebe aber keine Auskunft über Käufe und Verkäufe in den Fonds in der Zeit dazwischen. Außerdem sei die Bewertung von Derivaten in den Fonds schwierig.

Union-Vorstandschef will allerdings dem Eindruck begegnen, sein Haus sei gegen Indexfonds. Vor allem in der börsengehandelten Variante, den sogenannten ETFs, sammeln diese Produkte sehr viel Geld ein. „Wir sind kein ETF-Feind, sagte Reinke, „aber wir werden auch nie ein Anbieter von ETFs sein.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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