Iran und der Atomdeal: Ölpreis lässt Finanzmärkte im Nahen Osten krachen

Iran und der Atomdeal: Ölpreis lässt Finanzmärkte im Nahen Osten krachen

, aktualisiert 17. Januar 2016, 10:55 Uhr
Bild vergrößern

Die Öl-Lagerbestände nehmen weiter zu.

von Martin DowideitQuelle:Handelsblatt Online

Die Börsen in den arabischen Ländern liegen am Sonntag tief im Minus. Vor allem der anhaltende Verfall an den Rohstoffmärkten drückt auf die Kurse. Doch ein Land legt gegen den Trend zu.

KölnDer saudische Aktienmarkt ist am Sonntag zum Handelsbeginn kräftig gestürzt. In den ersten Handelsminuten sackte der wichtigste Index Tadawul um sieben Prozent ab. Anders als in westlichen Ländern, ist in Saudi-Arabien wie in vielen Ländern des Nahen Ostens der Sonntag ein gewöhnlicher Handelstag.

Die Börse ist in dem muslimischen Land aber freitags geschlossen. Daher hatte die Börse den weltweiten Kursrückgang von Freitag noch nicht mitgemacht, als etwa der amerikanische Dow-Jones-Index 2,4 Prozent auf unter 16000 Punkte nachgegeben hatte. Zum Ende der Woche war der Ölpreis zeitweise auf unter 29 Dollar gefallen, so tief wie nie in den vergangenen zwölf Jahren.

Anzeige

Da der saudi-arabische Staatshaushalt sehr vom Ölmarkt abhängig ist, steht die Börse des Landes seit Monaten unter Druck. Der Tadawul notiert am Sonntag zeitweise bei 5433 Punkten und damit mehr als ein Drittel niedriger als zum selben Zeitpunkt des Vorjahrs. Erst im vergangenen Jahr war der Aktienhandel für ausländische Großinvestoren geöffnet worden, Kleinanleger aus anderen Staaten haben meist keinen Zugang zum Markt.

Doch auch der Zufluss von zusätzlichem Anlagekapital hält den Preisrutsch nicht auf. Deutlich mehr als fünf Prozent geht es am Sonntag auch an den Börsen in Abu Dhabi, Katar und Dubai abwärts. Der Bloomberg GCC 200 Index, der die wichtigsten Großunternehmen der Region umfasst, liegt fast sechs Prozent im Minus. Seit Jahresbeginn hat das Barometer damit um ein Sechstel an Wert verloren.

Der iranische Aktienmarkt kann sich am Sonntag diesem Trend entziehen. Der dortige Leitindex Tedpix liegt vormittags knapp ein Prozent im Plus bei fast 66.000 Punkten. Die internationale Atomenergiebehörde hatte am Wochenende dem Land attestiert, allen Verpflichtungen beim Abbau des Atomprogramms des Landes nachgekommen zu sein. US-Sanktionen gegen Iran wurden unmittelbar danach aufgehoben.


Iran kann auf 50 Milliarden Dollar zugreifen

Iran erhält dadurch unter anderem den Zugriff auf etwa 50 Milliarden Dollar an eingefrorenen Guthaben auf ausländischen Konten. Mit dem Geld will das Land unter anderem die eigene Ölindustrie in Schwung bringen. Der Zugang Irans zu den Weltölmärkten wird als ein Grund genannt, weshalb der Ölpreis derzeit unter Druck steht.

Außerdem gibt es Sorgen um eine schrumpfende Nachfrage auf dem Weltmarkt und den Vorwurf, dass Saudi-Arabien die Produktion hochhält, um mit niedrigen Preisen amerikanische Ölförderer unter Druck zu setzen. Dort setzen viele Firmen auf die teure Fracking-Technologie. Doch auch Saudi-Arabien setzt der Preisverfall mächtig unter Druck.

So hat das Land etwa in Aussicht gestellt, zumindest Teile des eigenen Ölkonzerns Aramco an die Börse zu bringen. Der petrochemische Konzern Sabic ist bereits seit langem als Aktiengesellschaft in Riad notiert und das Schwergewicht der dortigen Börse. Der Titel liegt am Sonntag sechs Prozent im Minus und damit mehr als vierzig Prozent unter dem Höchststand der vergangenen 52 Wochen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%