IT-Notfälle in Firmen: Die Datenretter

IT-Notfälle in Firmen: Die Datenretter

, aktualisiert 06. Oktober 2016, 09:57 Uhr
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Unterirdisches Rechenzentrum in den Schweizer Alpen

Quelle: PR

von Manuel HeckelQuelle:Handelsblatt Online

Die Absicherung vor Cyber-Angriffen und Viren wird immer wichtiger, denn die Daten werden immer wertvoller – und die Gefahr von Datenverlusten steigt stetig. Wie Unternehmen im Ernstfall arbeitsfähig bleiben können.

KölnDer Anrufer klang panisch: Über Nacht habe ein Virus den gesamten Datenbestand seiner Firma infiziert. Thomas Liechti, CEO des Schweizer Rechenzentrumsbetreibers Mount 10, beruhigte den alarmierten Kunden: Mit wenigen Handgriffen konnten Liechtis Mitarbeiter eine nicht befallene Version aller Daten von ihren Servern auf die Rechner des Kunden überspielen – dank regelmäßiger Sicherung.

Szenarien wie dieses sind keine Seltenheit. Ob physische Angriffe, menschliche Fehler oder Hackerattacken: Die Gefahr von Datenverlusten steigt. Ist dann kein Back-up vorhanden, können die Vorfälle mitunter existenzbedrohende Ausmaße erreichen. „Mit der Digitalisierung steigt in vielen Unternehmen die Produktivität, aber die Abhängigkeit von ständig verfügbaren Daten steigt ebenfalls“, sagt Peter Ruchatz, Marketingchef der Softwarefirma Veeam, auf deren Technik auch Anbieter Mount 10 in seinem Rechenzentrum setzt.

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Lösungen für die Sicherung und Wiederherstellung von Unternehmensdaten gibt es es zuhauf. Experten raten, die Auswahl des Anbieters sorgsam vorzubereiten. „Bevor ich irgendetwas mache, brauche ich für mein Unternehmen eine klar definierte Strategie“, sagt Wolfgang Heinhaus von der IT-Beratung Experton Group.

Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme: Welche Art von digitalen Informationen existieren überhaupt im Unternehmen? Für jeden Datensatz gilt es zwei Fragen zu klären. Zum einen muss definiert werden, wie viel Zeit zwischen einem Ausfall und der Wiederherstellung maximal vergehen darf. Die Anbieter nennen das „recovery time objective“. Zum anderen sollte ein „recovery point objective“ festgelegt werden. Dabei geht es darum, wie häufig eine Sicherung ausgeführt werden soll.

Die Analyse kann etwa ergeben, dass Mitarbeiterdaten besonders häufig gesichert werden, diese aber nach einem Verlust nicht sofort wieder zur Verfügung stehen müssen. Kritischer dürfte häufig der Exchange-Server sein: Fällt dieser länger aus, können Mitarbeiter keine E-Mails mehr abrufen oder senden. „Nach einer genauen Bestandsaufnahme ergibt sich relativ schnell, was in welcher Reihenfolge wiederhergestellt werden soll“, sagt Sandra Adelberger, Director Product Marketing beim Anbieter Acronis.


Ein permanenter Datenstrom entsteht

Als Faustregel für die Datensicherung nennt Adelberger die sogenannte 3-2-1-Regel: Drei Versionen der Daten sollten mithilfe von zwei verschiedenen Technologien gespeichert werden. Mindestens eine Version sollte dabei außerhalb der eigenen Firma abgelegt sein.

Am weitesten verbreitet sind derzeit noch Kopien auf Sicherungsbändern: 30 Prozent der Unternehmen haben solche Tapes im Einsatz, ergab vor wenigen Wochen eine Umfrage des Dienstleisters Datarecovery unter 200 Besuchern der Fachmesse it-sa. Gang und gäbe sind auch Back-ups auf einer oder mehreren externen Festplatten.

Erst 16 Prozent der Befragten nutzen Ressourcen in der Cloud für die Datensicherung. Beobachter erwarten in diesem Bereich aber großes Wachstum: So schätzt die Marktforschung Market and Markets, dass das entsprechende Angebot Disaster-Recovery-as-a-Service jährlich um mehr als 50 Prozent zulegt. Ein großes Plus der Cloud ist die Flexibilität. „Ob ich nur eine E-Mail wiederholen will oder einen ganzen Datensatz – all das geht mit einem Mausklick“, sagt Veeam-Manager Ruchatz.

Zu beachten ist, dass die Sicherung einen permanenten Datenstrom erzeugt. Ein Breitbandanschluss ist deswegen unerlässlich. Je nach Vertrag kann der stete Up- und Download zusätzliche Kosten verursachen. Zum Teil bieten die Cloud-Dienstleister daher an, die erste Datensicherung mit Hilfe eines physischen Laufwerks zu erledigen. Über das Internet werden in der Folge nur noch Veränderungen im System synchronisiert. „In die Cloud kann man stufenweise einsteigen und so langsam Erfahrungen sammeln“, sagt Adelberger.

Nach der Entscheidung für einen Anbieter sollte das Thema im Unternehmen nicht komplett in Vergessenheit geraten: „Ich halte es für sehr wesentlich, dass man die Datenwiederherstellung von Fall zu Fall auch mal simuliert“, sagt Berater Heinhaus – damit im Ernstfall trotz Stress niemand in Panik gerät.

Quelle:  Handelsblatt Online
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