IT-Sicherheit: Bund plant freiwillige Cyberwehr

IT-Sicherheit: Bund plant freiwillige Cyberwehr

, aktualisiert 10. Oktober 2016, 07:07 Uhr
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Das BSI will IT-Unternehmen zur gemeinnützigen Hackerabwehr bewegen.

von Dana HeideQuelle:Handelsblatt Online

Der Bund plant eine freiwillige Einsatztruppe gegen Hacker und Cyberterroristen. Unternehmen sollen ihre Mitarbeiter für Einsätze kostenlos zur Verfügung stellen. Die Pläne stoßen auf wenig Gegenliebe in der Wirtschaft.

BerlinDas Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) plant eine freiwillige Cyberabwehr. Das geht aus in einem bereits in weiten Teilen ausformulierten Entwurf der Behörde für einen Kooperationsvertrag hervor, der dem Handelsblatt vorliegt. Zuerst hatte „Zeit Online“ über den Vertrag berichtet.

Das BSI bestätigte, dass im Hause derzeit Überlegungen angestellt werden, wie man Fachleute aus der Wirtschaft zur Unterstützung der im BSI geplanten „Mobile Incident Response Teams“ (MIRT) einbinden könne. Zu Details wollte das BSI keine Stellung nehmen. Es handele sich um einen Prozess, der im Haus noch nicht abgeschlossen sei, so ein Sprecher.

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Aus dem Vertragsentwurf geht hervor, dass Kooperationsunternehmen gefunden werden sollen, die sich bereit erklären, ihre Mitarbeiter kostenlos zur Verfügung zu stellen, wenn Hacker die IT eines privaten oder staatlichen Betreibers sogenannter kritischer Infrastrukturen angreifen. Dazu gehören etwa Energieversorger, Krankenhäuser und Lebensmittelproduzenten. In jüngster Zeit war es immer wieder zu heftigen Attacken etwa auf Krankenhäuser gekommen, die teilweise den Betrieb dort lahmlegten.

Ursprünglich sollte das MIRT nur aus Mitarbeitern des BSI bestehen und bei Bedarf bei den kritischen Infrastrukturen eingreifen. Die Opposition übte angesichts der Überlegungen der Erweiterung scharfe Kritik am BSI und dem Bundesinnenministerium, dem die Behörde unterstellt ist.

Konstantin von Notz, Sprecher für Netzpolitik der Grünen-Fraktion im Bundestag, sagte, die Überlegung, private Dritte in teils hochsicherheitsrelevanten Unternehmensbereichen einzusetzen, werfe zahlreiche Fragen auf, etwa wie diese sensiblen Informationen geschützt werden sollen. Lars Klingbeil, netzpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, sieht die Idee hingegen grundsätzlich positiv. Natürlich gehe es aber häufig um sensible Informationen. „Das BSI muss hier noch eine Reihe von offenen Fragen aus dem Weg räumen“, sagte er.

Von Notz wirft der Regierung vor, die Bedeutung hoher IT-Sicherheitsstandards über Jahre nicht erkannt zu haben. „Offenbar sind die jetzigen Überlegungen das Ergebnis der Erkenntnis des Innenministeriums, wie schwierig es doch ist, gutes, eigenes Personal zu finden“, sagte von Notz dem Handelsblatt. Ein Sprecher des BSI wehrte sich gegen diese Vermutung, dass die Behörde für ihre Eingreiftruppe nicht genügend IT-Experten gewinnen kann.

Vor allem mittelständische Unternehmen sind von zunehmenden Cyberattacken betroffen. „Immerhin hat das Bundesamt erkannt, dass es Nachholbedarf hat“, sagte Lutz Goebel, Präsident des Verbands der Familienunternehmer dem Handelsblatt. „Der jetzige Lösungsansatz ist allerdings der falsche. Viele Betriebe wollen ihre sensible IT-Infrastruktur keinen anderen Firmen offenlegen – vielleicht sogar Mitbewerbern“. Das geplante Projekt mache deutlich, dass staatliche Stellen – sei es das BSI oder aber die Polizei – schlichtweg überfordert sind, kritisierte er.

Quelle:  Handelsblatt Online
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