IT-Sicherheit: Roboter außer Kontrolle

IT-Sicherheit: Roboter außer Kontrolle

, aktualisiert 21. März 2017, 20:17 Uhr
Bild vergrößern

Die Digitalisierung bietet auch Angreifern neue Möglichkeiten.

von Ina Karabasz und Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Digitalisierung ist für Unternehmen das Gebot der Stunde. Doch mit der Vernetzung bieten sie aber auch immer mehr Angriffsfläche. IT-Sicherheit wird dadurch ein lukratives Geschäft – mit hohem Wachstumspotenzial

HannoverMit einem Zucken setzt sich der Arm in Bewegung. Erst fährt er nach oben, dann schwenkt er nach rechts – und stößt mit seiner ganzen maschinellen Wucht einen Stapel Kartons um. Wenn jemand daneben gestanden hätte, wäre ihm das schlecht bekommen.

Ein Industrieroboter außer Kontrolle: Es ist ein warnendes Beispiel, das der IT-Sicherheitsspezialist Rafael Fedler von der Firma N-Side Attack Logic vorführt. Er zeigt in einer Vorführung auf der Technologiemesse Cebit, dass er von Hannover ein Gerät in Augsburg fernsteuern kann. Große Schwierigkeiten bereitet ihm das nicht: In der Industrie komme „unglaublich viel alte Software“ zum Einsatz – und die habe häufig Sicherheitslücken.

Anzeige

Es ist ein Szenario, das vielen Unternehmen Sorgen bereiten dürfte. Die Digitalisierung bietet ihnen neue Möglichkeiten. Die Vernetzung von Vertrieb und Marketing, von Logistiklagern und Produktionsanlagen verspricht eine höhere Produktivität und lukrative neue Geschäftsmodelle. Doch damit bieten sie auch immer mehr Angriffsfläche. Daher spielt IT-Sicherheit auf der Messe eine zentrale Rolle.

Der Trend zur Digitalisierung ist unaufhaltbar. Eine Zahl belegt das exemplarisch: Der Technologieverband Bitkom schätzt, dass die Vernetzung von Produktionsanlagen in sechs Branchen, darunter Autohersteller oder chemische Industrie, in Deutschland bis zum Jahr 2025 zu Produktivitätssteigerungen in Höhe von bis zu 78,5 Milliarden Euro führen. Was vernetzt werden kann, das wird auch vernetzt.

Damit wachsen aber auch die Sicherheitsrisiken. Das gilt nicht nur für Büronetzwerke und vernetzte Produktionssysteme. Auch Überwachungskameras, Babyfone oder Rauchmelder werden immer häufiger mit dem Internet verbunden. Wie schlecht diese Geräte häufig abgesichert sind, zeigt der IT-Sicherheitsspezialist Sophos an seinem Stand: Mit dem Modell eines vernetzten Hauses demonstriert er, wie viele Zugriffsversuche von außen es gibt. Die meisten Vorfälle geschehen unbemerkt von den Nutzern.

Auf die wachsende Bedrohung reagieren die Anbieter von IT-Sicherheitslösungen. Sie zeigen auf der Messe Software zur Überwachung von Netzwerken, Systeme zur sicheren Verwaltung von Geräten, Firewalls zum Schutz kritischer Infrastrukturen. Und sie positionieren sich als Berater, die Konzepte für den Schutz entwickeln und Notfallpläne aufstellen.


Lukratives Geschäft mit hohem Wachstumspotenzial

Zum Beispiel die Deutsche Telekom: Der Konzern vermarktet eine Lösung, um Schwachstellen und Störungen in vernetzten Industrieanlagen zu erkennen oder bereits im Vorfeld abzuwehren. „Gerade Industrieanlagen laufen oft Jahrzehnte mehr oder weniger unbehelligt von Software- oder Technologieupdates, weil niemand gut abgestimmte Produktionsprozesse stören will“, sagte Dirk Backofen, Leiter der IT-Sicherheitssparte. „Dies macht die Anlagen im vernetzten Zeitalter verwundbar.“ Der Schutz der Steuerung sei daher besonders wichtig.

IT-Sicherheit verspricht ein lukratives Geschäft mit hohem Wachstumspotenzial. Der Marktforscher Gartner prognostiziert, dass in diesem Jahr rund 90 Milliarden Dollar weltweit für IT-Sicherheit ausgegeben werden, 7,6 Prozent mehr als 2016. Bis 2020 soll diese Summe auf 113 Milliarden Dollar steigen. Dabei rücken die Früherkennung und schnelle Reaktion auf Angriffe immer stärker in den Mittelpunkt – diese Technologien sorgen dem Marktforscher zufolge für den Großteil des Wachstums.

Die Digitalisierung ist für die IT-Sicherheitsbranche eine Chance, aber auch eine Herausforderung. „Durch die zunehmende Vernetzung ändern sich die Anforderungen an die IT-Sicherheit schnell, darauf müssen die Anbieter reagieren“, sagte Eva Chen, Chefin des japanischen IT-Sicherheitsunternehmens Trend Micro. Klassische Anti-Virus-Software allein bietet beispielsweise keinen ausreichenden Schutz mehr.

Dass viele vernetzte Geräte schlecht abgesichert sind, führt die Managerin aber auch auf strukturelle Gründe zurück. Den Herstellern sei die Bedeutung der IT-Sicherheit mittlerweile zwar klar geworden. Bei der Vermarktung werde dieser Aspekt aber oft noch nicht ausreichend betont, auch weil die Kunden oft nicht danach fragten. „Wahrscheinlich wird die Aufmerksamkeit allerdings erst dann steigen, wenn Menschen zu Schaden kommen“, meinte Chen. Vielleicht bewirken aber auch Vorführungen wie der Roboterhack einen Bewusstseinswandel.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%