Italienische Banken: Die Branche ächzt nach frischem Geld

Italienische Banken: Die Branche ächzt nach frischem Geld

, aktualisiert 09. Dezember 2016, 15:19 Uhr
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Die älteste Bank der Welt ist zuletzt regelmäßig durch die europaweiten Banken-Stresstests gefallen. Die Bank leidet unter einem Milliardenberg fauler Kredite und braucht unbedingt frische Kapital.

Quelle:Handelsblatt Online

Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi rennt die Zeit davon. Das Geldhaus braucht unbedingt frisches Kapital. Derweil bereitet die UniCredit eine Mega-Finanzspritze vor. Bis zu 13 Milliarden Euro sind im Gespräch.

MailandBekommen italienische Banken trotz ihrer massiven Probleme und der jüngsten Regierungskrise in Rom von Investoren noch Geld? Bei der größten Krisenbank des Landes, Monte dei Paschi di Siena, gestaltet sich dies nach dem Rücktritt von Ministerpräsident Matteo Renzi schwierig. Die EZB-Bankenaufsicht lehnte nach Informationen einer mit den Vorgang vertrauten Person vom Freitag die Anfrage des Instituts ab, ihr mehr Zeit zu geben, bei Investoren Geld für eine nötige Kapitalspritze einzusammeln. Monte dei Paschi hat wegen der Regierungskrise in Italien um eine Fristverlängerung bis zum 20. Januar gebeten.

Mit der Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) nimmt nun der Druck auf die Regierung in Rom zu, einzugreifen und die drittgrößte Bank des Landes zu retten. Denn es besteht die Gefahr, dass das Geldhaus aus der Toskana sonst abgewickelt werden müsste. Die Aktien gaben bis zum frühen Nachmittag 6,5 Prozent nach, der Handel wurde ausgesetzt.

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Solch ein Eingreifen des Staates könne sehr schnell erfolgen - dies sei innerhalb von Tagen denkbar, sagten Insider aus der Finanzbranche und Regierungskreise. Am Freitag traf sich Regierungskreisen zufolge Monte-Paschi-Chef Marco Morelli mit Wirtschaftsminister Pier Carlo Padoan sowie Vertretern der Banken JPMorgan und Mediobanca.

Das Geldhaus aus der Toskana ächzt unter einem Milliardenberg fauler Kredite und braucht dringend frisches Kapital. Der Rettungsplan war ursprünglich bis Ende Dezember angelegt und setzte auf eine privatwirtschaftliche Lösung: Die älteste Bank der Welt wollte am Markt fünf Milliarden Euro einsammeln – über eine Kapitalerhöhung und einen Anleihetausch. Doch die Suche nach neuen Ankerinvestoren gestaltete sich zuletzt wegen der Regierungskrise schwieriger als erwartet.

Insidern zufolge könnte die Regierung in dieser brenzligen Situation dem Geldhaus mit einer Teilverstaatlichung unter die Arme greifen. Spielraum für eine solche Lösung gibt es: Die Verordnungen der Europäischen Union (EU) lassen prinzipiell eine „vorsorgliche Rekapitalisierung“ einer Bank durch den Staat zu, um eine drohende Schieflage abzuwenden.

Insidern zufolge könnte das Finanzministerium etwa Nachrang-Anleihen von etwa 40.000 Kleinanlegern aufkaufen und diese Bonds dann in Aktien umwandeln. Damit würde der Staatsanteil an der Bank von derzeit vier auf bis zu 40 Prozent steigen. Bis zum Wochenende sei eine solche Transaktion - insgesamt zwei Milliarden Euro schwer - durchaus möglich, hatte es zuletzt geheißen.


UniCredit bereitet Mega-Finanzspritze vor

In diesem Umfeld wagt sich nun wohl auch Italiens Branchenprimus UniCredit aus der Deckung. Nächste Woche könnte die Mutter der Münchner HypoVereinsbank die lange erwartete Kapitalerhöhung bekanntgeben. Ein Volumen von bis zu 13 Milliarden Euro ist Insidern zufolge im Gespräch. Das könnte ein Befreiungsschlag werden.

Eine mit der Situation vertraute Person sagte der Nachrichtenagentur Reuters, UniCredit-Chef Jean-Pierre Mustier habe sich noch nicht endgültig festgelegt. Zwei andere Insider sagten, der neue Mann an der Spitze wolle die Bedenken zur Kapitalausstattung des Instituts ein für alle Mal ausräumen. Laut einem weiteren Insider könnte bei zehn Milliarden Euro Schluss sein. Es wäre aber immer noch ein großer Schluck aus der Pulle - kommt die in 17 Ländern aktive Bank derzeit doch nur auf einen Börsenwert von 15 Milliarden Euro. 2016 hat sich die Marktkapitalisierung mehr als halbiert. Aktienhändler verweisen auf die vielen faulen Kredite und den im Vergleich mit europäischen Rivalen sehr niedrigen Gewinn der Mailänder.

Mustier - ein Investmentbanker aus Frankreich - soll es jetzt richten. Er ist seit dem Sommer im Amt. Am kommenden Dienstag soll die neue Strategie verkündet werden. Dann dürfte es auch Details zur Kapitalerhöhung geben. Insidern zufolge soll sie vermutlich Anfang 2017 über die Bühne gehen. Die Regierungskrise in Rom wird daran voraussichtlich nichts ändern: "Wir planen langfristig", sagte Mustier zuletzt in einem Interview. Die Marktbedingungen sind allerdings widrig. Völlig offen ist derzeit, wie die nächste Regierung aussehen wird. Neuwahlen und ein Sieg der Anti-Euro-Bewegung "Fünf Sterne" gelten als möglich. Laut Rating-Agentur Moody's werden dringend notwendige Reformen jetzt wohl erst einmal ausbleiben.

Viele große Investoren bleiben deshalb vorerst lieber in Deckung - erst recht, wenn es darum geht, neues Geld in die ohnehin wackelige italienische Finanzbranche zu pumpen. Es gebe einen "monströsen Rückstau", sagt der Chef-Investmentstratege Andrea Cuturi vom Vermögensverwalter Anthilia Capital Partners. Die jahrelange Wirtschaftskrise hat viele Kredite platzen lassen. UniCredit hat zum Beispiel das größte Portfolio mit problembehafteten Darlehen in ganz Europa. Insidern zufolge kann es nächste Woche auch um Pläne gehen, bis zu 20 Milliarden Euro davon aus der Bilanz zu bekommen. Auch dafür dürfte das frische Kapital eingesetzt werden. Denn in der Regel übernehmen Investoren Teile solcher Portfolien nur, wenn sie einen deutlichen Abschlag gewährt bekommen. So entstehen Verluste in den Bilanzen der Banken.

Etwas Luft erhält UniCredit derzeit immerhin durch zahlreiche Verkäufe, mit denen Mustier den Konzern verschlanken will. So wird beispielsweise exklusiv mit der französischen Amundi verhandelt, die die UniCredit-Fondsgesellschaft Pioneer übernehmen will. Das könnte 3,5 Milliarden Euro einbringen. Rund 2,5 Milliarden Euro wurden zudem gerade durch einen Verkauf in Polen eingespielt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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