Italienische Finanzkrise: Bankenrettung wird zur Renzi-Rettung

Italienische Finanzkrise: Bankenrettung wird zur Renzi-Rettung

, aktualisiert 21. Juli 2016, 18:52 Uhr
Bild vergrößern

Die Bundesregierung wird den italienischen Ministerpräsidenten bei seinen Plänen zur Bankenrettung unterstützen – und hofft, dass Renzi sich so im Amt halten kann.

Quelle:Handelsblatt Online

In den Verhandlungen über die Rekapitalisierung italienischer Banken geht es auch um die Zukunft von Ministerpräsident Matteo Renzi. Insbesondere in Berlin wird gewünscht, dass der Italiener im Amt bleibt.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi muss in den Verhandlungen mit der EU-Kommission zur Rekapitalisierung italienischer Banken nicht mit einem Störmanöver aus Berlin rechnen. In der Bundesregierung ist man an einer Lösung interessiert, die Renzi davor bewahrt, bei dem anstehenden Referendum Anfang Oktober in Italien abgestraft zu werden, heißt es in Regierungskreisen.

Berlin ist bereit, eine flexible Lesart der EU-Regeln mitzutragen, die es erlauben würde, mögliche Verluste von Kleinanlegern durch öffentliche Gelder zu kompensieren, heißt es weiter. Grundsätzlich müssen die EU-Regeln zur Bankenabwicklung und das EU-Beihilferecht dabei allerdings eingehalten werden.

Anzeige

„Man kann es sich nicht leisten, dass Renzi zu Fall kommt und sich eine populistische Regierung in Italien etabliert“, meint auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Ingdiba in Frankfurt. Um dies zu verhindern, sei auch die Bundesregierung zu Zugeständnissen bereit.

In Italiens Banken schlummern nach Schätzung von Experten rund 360 Mrd. Euro fauler Kredite. Die älteste Bank der Welt, die italienische Großbank Monte dei Paschi, hat in diesem Jahr mehr als 70 Prozent an Marktwert verloren. Am 29. Juli veröffentlicht die Europäische Bankenaufsicht (EBA) die Ergebnisse der Bankenstresstests, die den Kapitalbedarf italienischer Banken klären.

Seit Wochen verhandelt die italienische Regierung mit der EU-Kommission nun um eine Rekapitalisierung der Banken. Brüssel besteht dabei auf die Anwendung der strengen EU-Regeln, die eine Beteiligung der Anteilseigner und nachrangiger Gläubiger vorschreibt, bevor der Staat mit öffentlichen Geldern einspringt. Renzi strebt dabei vor allem eine Lösung an, die die Kleinanleger verschont, die ihn ansonsten bei dem anstehenden Referendum zur Verfassungsreform abstrafen könnten.

Sollte das Referendum im Herbst scheitern hat Renzi seinen Rücktritt angekündigt. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts IPR lehnen 52 Prozent der Befragten Renzis Reformpläne ab.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%