IWF-Stabilitätsbericht: Gefährlich flache Zinskurve

IWF-Stabilitätsbericht: Gefährlich flache Zinskurve

, aktualisiert 19. April 2017, 16:09 Uhr
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Der IWF empfiehlt eine scharfe Aufsicht, um zu verhindern, dass die Geldhäuser zu hohe Risiken eingehen, um ihre Gewinnmargen aufrechte zu erhalten.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Der IWF analysiert in seinem Stabilitätsbericht die Folgen einer Japanisierung der Welt mit dauerhaft niedrigen Zinsen. Dabei sieht er besonders große Gefahren für kleine, traditionelle Banken und Lebensversicherer.

WashingtonDeutschlands Sparkassen werden durch den neuen Stabilitätsbericht des Internationalen Währungsfonds (IWF) wenig Neues erfahren, und die Lebensversicherer genauso wenig. Sie erleben gerade genau das, was die Experten in Washington mit theoretischen Modellen und dem Blick auf die langjährige Entwicklung analysiert haben: Eine Welt mit dauerhaft niedrigen Zinsen und dazu einer sogenannten flachen Zinskurve, also einem sehr kleinen Abstand zwischen den Prozentsätzen für kurze und lange Laufzeiten.

Die Folgerungen der Analysten: Banken mit einem hohen Anteil an Finanzierung durch Kundeneinlagen sind davon besonders betroffen, weil sie negative Zinsen schlecht an ihre Kunden weitergeben können. Gleichzeitig rechnen sie damit, dass mehr Kunden ihr Geld in Bankkonten stecken. Das Modell der klassischen Lebensversicherung sehen sie ebenfalls als bedroht an. Und im Bereich der Altersvorsorge ist insgesamt die Abkehr von garantierten Leistungen abzusehen.

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Die Empfehlungen des IWF liegen auf der Hand: Eine stärkere Konsolidierung der Branche soll zumindest bei den Kosten Entlastung schaffen. Gleichzeitig empfehlen sie eine scharfe Aufsicht, um zu verhindern, dass die Geldhäuser zu hohe Risiken eingehen, um ihre Gewinnmargen aufrechte zu erhalten. Das widerspricht dem Trend in den USA unter der neuen Regierung, Auflagen eher wieder zu lockern. Der IWF warnt davor, „den Forderungen nach Abbau der Regulierung, um kurzfristig Linderung zu verschaffen, zum Opfer zu fallen“.

Auch in der Vermögensverwaltung sehen die Experten steigende Risiken. Niedrige Zinsen fördern den Trend, in kostengünstige Indexfonds zu investieren. Der IWF zitiert Studien, nach denen es dadurch zur Instabilität der Märkte kommen kann. Allerdings ist unter Experten die Frage umstritten, wie groß die Risiken durch Indexfonds tatsächlich sind.

Auf den ersten Blick mutet es seltsam an, dass der IWF mit dem Szenario „low for long“, also niedrige Zinsen für lange Zeit, gerade jetzt kommt, wo die US-Notenbank (Fed) ihre Zinsen wieder erhöht und in Europa von einer Normalisierung der Welt wenigstens schon wieder geredet wird. Auf der anderen Seite zeigt sich, dass in den USA die Zinskurve möglicherweise trotzdem noch flacher wird, weil die langfristigen Zinsen den kurzfristigen nicht folgen, wie in den letzten Wochen deutlich wurde.

Außerdem rechnet zum Beispiel Ex-Notenbank-Chef Ben Bernanke damit, dass es in Zukunft häufiger Situationen geben wird, in denen der Notenbank-Zins an der Null-Linie klebt oder zumindest in der Nähe davon verharrt, und zusätzlich eine alternde Bevölkerung und niedrige reale Zinsen verbunden mit schwachem Wachstum Akteuren in der Finanzbranche das Leben schwer machen. Insofern bleibt die Analyse der „flachen“ Welt hoch relevant, wobei der IWF betont, dass dieses Szenario nicht zwangsläufig Realität bleiben muss.

Quelle:  Handelsblatt Online
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