Jackson Hole: Im Bann der Notenbanken

Jackson Hole: Im Bann der Notenbanken

, aktualisiert 22. August 2017, 12:41 Uhr
von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Die Top-Entscheider der Geldpolitik treffen sich in dieser Woche im amerikanischen Jackson Hole. Schon häufig wurden dort historische Entscheidungen in der Geldpolitik eingeleitet. Auch dieses Mal?

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In Jackson Hole im Bundesstaat Wyoming treffen sich die beiden wichtigsten Notenbanker der Welt. Das Archivbild zeigt die beiden bei dem Symposium im Jahr 2014.

FrankfurtViele Sparer warten sehnlichst darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik ändert. Am kommenden Freitag bietet sich dafür eigentlich eine gute Gelegenheit. Notenbankchef Mario Draghi wird an einem ganz besonderen Ort sprechen: Im amerikanischen Jackson Hole. Hier in den Rockey Mountains leitete er 2014 den historischen Entschluss der Notenbank ein, massiv Anleihen zu kaufen. Anders als damals wächst die Wirtschaft im Euro-Raum inzwischen wieder kräftig und die Gefahr einer Deflation, also sinkender Preise, scheint gebannt.

Eigentlich gute Voraussetzungen für einen Kurswechsel, doch die Ausgangslage für den Notenbankchef ist dennoch schwierig. Das liegt vor allem an der massiven Aufwertung des Euro in den vergangenen Monaten. Dagegen hat die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, längst bewältigt, was Draghi noch bevorsteht. Sie wird auf der Konferenz zum Thema Finanzstabilität sprechen.

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Vielen EZB-Ratsmitgliedern bereitet vor allem die massive Aufwertung des Euro in den vergangenen Monaten Kopfschmerzen. Ein höherer Wechselkurs dämpft die Wirtschafts- und Preisentwicklung – und könnte so das Erreichen des EZB-Ziels einer Inflation von zwei Prozent gefährden. Daher gehen Analysten eher davon aus, dass sich der Notenbankchef eher zurückhält.

„Ich erwarte in Jackson Hole keine großen Ankündigungen von Draghi“, sagt Commerzbank-Ökonom Michael Schubert. Der EZB-Präsident werde sich nicht festlegen und den geldpolitischen Kurs offen halten, glaubt er. Für diese Einschätzung spricht auch das Protokoll der Ratssitzung im Juli. Darin heißt es, der EZB-Rat werde im Herbst über die Zukunft der Anleihekäufe entscheiden. Sollte Draghi schon in Jackson Hole der Diskussion vorgreifen und eine Richtung vorgeben, würde er damit wohl andere Ratsmitglieder verärgern.

Bislang kauft die EZB monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen der Euro-Länder. Damit will sie die Inflation im Euroraum in Richtung des mittelfristigen Ziels von knapp unter zwei Prozent treiben. Angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs in der Eurozone und einer etwas höheren Inflation rechnen viele Ökonomen damit, dass die EZB demnächst ankündigt, ihre Bondskäufe 2018 schrittweise auslaufen zu lassen.


Yellen spricht über Finanzstabilität

Doch vor diesem Schritt scheinen viele in der Notenbank noch zurückzuschrecken. Einige Ratsmitglieder fürchten einen weiteren Anstieg des Euro-Wechselkurses. Es sei „die Sorge über ein mögliches künftiges Überschießen des Wechselkurses geäußert worden“, heißt es in dem Protokoll der Juli-Sitzung. Der Euro hatte seit Jahresanfang bis zu der Zinssitzung mehr als elf Prozent zum Dollar zugelegt. Ein starker Euro macht Waren hiesiger Firmen auf dem Weltmarkt teurer und verschlechtert dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig macht er Importe billiger und drückt so die Inflation.

Gegen eine Kursänderung Draghis in Jackson Hole spricht auch, dass die Inflation im Euroraum nach wie vor deutlich unter zwei Prozent liegt. Trotz der ultra-lockeren Geldpolitik nahmen die Verbraucherpreise im Juli nur um 1,3 Prozent zu. Damit fiel der Preisanstieg genau so schwach aus wie im Juni.

Die Chefin der US-Notenbank Fed, Janet Yellen, wird zum Thema Finanzstabilität sprechen. Sie hat es etwas leichter als Draghi. Die Fed hat ihre Anleihekäufe längst beendet und den Leitzins bereits von 0-0,25 Prozent auf inzwischen 1-1,25 Prozent erhöht. Außerdem hat sie im Juni bereits angekündigt, dass sie in diesem Jahr ihre Bilanz schrumpfen lassen will. Im Zuge der Krisenbekämpfung war diese auf 4,5 Billionen US-Dollar angeschwollen. Die Fed hat also alle Weichen für den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik gestellt, viel Potential für Überraschungen gibt es hier nicht. Unklar ist allenfalls noch, wann genau die Fed mit der Bilanzverkürzung beginnt.

Dass sich Yellen dazu noch detaillierter äußert, ist aber eher unwahrscheinlich. Dadurch dürfte ein anderes Thema in den Vordergrund rücken: Das Phänomen der niedrigen Inflation, das die USA ähnlich betrifft wie die Eurozone. Obwohl sich die Arbeitslosigkeit seit der Krise mehr als halbiert hat, steigen auch auf der anderen Seite des Atlantiks die Preise nur sehr langsam. Im Juni sank die Inflation auf 1,4 Prozent.

Quelle:  Handelsblatt Online
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