Jahrestagung des IWF in Lima: Sparkassen legen sich mit US-Notenbank an

Jahrestagung des IWF in Lima: Sparkassen legen sich mit US-Notenbank an

, aktualisiert 11. Oktober 2015, 10:19 Uhr
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Der Sparkassenchef forderte die Fed auf, "nicht bis zum Jahresende zu warten, um die erste kleine Zinserhöhung zu vermelden".

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon zeichnet ein ziemlich düsteres Bild der globalen Wirtschaft. Das hält ihn aber nicht von einer für diese Diagnose eher ungewöhnlichen Forderung ab.

LimaGeorg Fahrenschon, der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, macht sich große Sorgen um die globale Wirtschaft. Für ihn ist die Abwärtskorrektur der Prognosen für das weltweite Wachstum in diesem Jahr durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) ein Alarmsignal. Dabei handle es sich nicht um ein "New Normal", wie vom IWF propagiert, sondern um eine regelrechte "Malaise", eine Krankheit also. Vor ein paar Tagen hatte der Fonds seine Prognose für 2015 von plus 3,3 Prozent auf plus 3,1 Prozent reduziert. Fahrenschon spricht von "strukturellen Krisensymptomen".

Doch trotz dieser düsteren Einschätzung fordert der Sparkassenpräsident eine strengere Geldpolitik und dabei hat er sich einen mächtigen Gegner ausgesucht, die US-Notenbank Fed. Die amerikanischen Zentralbanker hätten wie von vielen Experten erwartet am 17. September "auf jeden Fall die Zinsen erhöhen müssen", klagte Fahrenschon am Rand der Jahrestagung des IWF in Lima.

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Jetzt habe die Fed mit der Verschiebung der ersten Zinsanhebung seit Ausbruch der Finanzkrise "einem selbst verschuldeten schleichenden Vertrauensverlust und einer Verunsicherung der Investoren zu kämpfen". Der Sparkassenchef forderte die Fed auf, "nicht bis zum Jahresende zu warten, um die erste kleine Zinserhöhung zu vermelden". "Jedem ist klar dass der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik nicht leicht wird. Es wird aber nicht besser wenn man noch länger wartet".

Das sehen viele Experten anders. Der IWF hat die Amerikaner gerade erst gebeten, den Zinsschritt weiter zu verschieben, weil sonst weitere Verwerfungen vor allem in den ohnehin bereits angeschlagenen Schwellenländern drohten. Die Sparkassen hadern schon seit langem mit der ultralockeren Geldpolitik der EZB, jetzt legen sie sich auch noch mit der Fed an.

Fahrenschon begründet das mit den "Risken und Nebenwirkungen" der "unnatürlichen Niedrigzinsphase". Er glaubt, dass die Notenbanken ihr Pulver verschossen haben und mit ihren Mitteln nichts mehr zur Belebung der Wirtschaft beitragen können. Im Gegenteil die Liquiditätsschwemme drohe zum Treiber für die nächste Krise zu werden.

Für den Unmut der Sparkassen gibt es allerdings noch einen anderen Grund: Die chronischen Minizinsen gefährden ihr Geschäftsmodell und fressen die Margen auf. Erst vor kurzem warnten die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin nach einem Stresstest bei 1.500 deutschen Banken, dass die niedrigen Zinsen den kleinen und mittelgroßen Geldhäusern in den kommenden Jahren erheblich zu schaffen machen werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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