Jamie Oliver und Hello Fresh: Ein Koch-Star soll Samwers Sorgenkind aufpäppeln

Jamie Oliver und Hello Fresh: Ein Koch-Star soll Samwers Sorgenkind aufpäppeln

, aktualisiert 26. Januar 2016, 12:17 Uhr
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Der Gastro-Unternehmer arbeitet mit dem Berliner Start-up zusammen.

von Carsten HerzQuelle:Handelsblatt Online

Starkoch Jamie Oliver und Hello Fresh machen gemeinsame Sache. Künftig liegen den Kochboxen des Start-ups auch Rezepte des Goldjungen bei. Das Unternehmen aus der Rocket-Schmiede kann gute Nachrichten gebrauchen.

LondonDie Küche im ersten Stock des Londoner Westland Place, direkt über seinem Restaurant Fifteen, ist so etwas wie das heimliche Versuchslabor von Jamie Oliver. Hier experimentiert der britische Starkoch an neuen Speisenfolgen und brütet neue Rezepte aus. Doch an diesem Abend geht es dem Hausherrn, der wie immer Jeans und Baumwollhemd trägt, nicht um das Herumtüfteln an einem neuen Menü. Es geht um deutlich mehr: Jamie experimentiert mit einer neuen Partnerschaft.

So steht neben dem 40-Jährigen Fernsehkoch der Deutsche Dominik Richter, Gründer und Co-Chef des Berliner Startups Hello Fresh, der seinen Stolz kaum verbergen kann. Denn der Kochbox-Anbieter aus der Berliner Start-up-Fabrik von Rocket Internet ist etwas gelungen, was viele andere Lebensmitteldienste vergeblich versucht haben: Er hat sich Oliver als neuen Partner geangelt. Ab diesem Jahr findet sich jede Woche eines von Jamies Rezepten in der Hello Fresh Kochbox und kann mithilfe der mitgelieferten Zutaten nachgekocht werden.

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Für Richter, der an diesem Abend eines der Essen aus der Hello-Fresh-Box zusammen mit Oliver nachkocht, ist das ein wichtiger Prestigeerfolg. Denn Jamie Oliver ist nicht irgendein Koch. Der Sohn eines Pub-Betreibers aus der englischen Grafschaft Essex ist der derzeit wohl der erfolgreichste Koch-Popstar der Welt und ein internationales Medienphänomen.

Im Pub seiner Eltern stand er schon mit acht Jahren in der Küche, dann zog es ihn als Teenager nach London zur Ausbildung zum Koch. Mit Anfang 20 wird er bei einer Dokumentation über eine Restaurantküche, in der er arbeitete, entdeckt. Der Beginn einer Weltkarriere: Seine BBC-Show „The Naked Chef“, die ab 1999 lief, feierte schnell internationalen Erfolg und traf einen Nerv. Kochen war bis dato kaum ein Thema, das ein breites Publikum vor die Bildschirme lockte. Der junge Jamie Oliver änderte das und läutete damit einen Trend ein, der bis heute anhält.

Richter kann gute Nachrichten durchaus gebrauchen. Denn das Berliner Start-up war in den vergangenen Wochen unfreiwillig durchaus in Turbulenzen geraten. Eigentlich hatte Rocket-Boss Oliver Samwer gehofft, mit einem Börsengang von Hello Fresh die große Kehrtwende zu starten. Der Kochboxen-Versender ist aktuell die vielversprechendste Mehrheitsbeteiligung.

Doch Samwer wollte zu viel für das Unternehmen – und musste den Börsengang Ende des vergangenen Jahres auf Eis legen. Zu groß war offenbar die Gefahr, dass Investoren ob der üppigen milliardenschweren Bewertung für Hello Fresh abwinken und den Börsengang in ein Desaster verwandeln. Es ist ein unangenehmes Thema, das Richter lieber ausklammen möchte.


Der Markt birgt noch viel Potenzial

Überhaupt geben sich Richter und Oliver über die finanziellen Details ihrer Kooperation eher wortkarg. Er habe noch nie über seine Verträge näher Auskunft gegeben, wischt Oliver die Frage nach den finanziellen Absprachen zwischen ihm und Hello Fresh beiseite. Deutlich auskunftsbereiter sind beide Seiten dagegen, was die Perspektiven der neuen Partnerschaft angeht. „Ich bin extrem wählerisch, was die Auswahl meiner Partner angeht, und denke da sehr langfristig“, betont der Brite. Seine jüngste Kooperation dauere beispielsweise bereits neun Jahre.

Aber der begnadete Selbstvermarkter ist überzeugt, dass auch die Ernährungsindustrie vor einem radikalen Umbruch durch die digitale Wirtschaft steht – und sieht sich mit Hello Fresh dafür nun gut gerüstet. Es sei noch viel mehr möglich, macht Oliver seinem neuen Partner Avancen, während er routiniert mit einem großen Messer zwei Auberginen in kleine Stücke zerteilt. „Oliver hat viele Vorschläge und sehr gute Ideen“, flirtet Richter umgehend zurück.

Der junge Co-Chef Hello Fresh hat allen Grund freundlich zu sein. Allein der Name Jamie Oliver dürfte dem Unternehmen neue Aufmerksamkeit garantieren. Denn Hello Fresh ist beileibe nicht der einzige Anbieter, der Kochboxen an Menschen versendet, die in maximal 40 Minuten ein frisches Essen aus vorgelieferten Zutaten zaubern wollen. Der Wettbewerb auf dem Markt ist groß. Aber die Wachstumsaussichten sind es ebenfalls. Das Beratungsunternehmen Ernst & Young (EY) hat errechnet, dass im Jahr 2020 rund 20 Milliarden Euro für Lebensmittel aus dem Internet ausgegeben werden. „Lebensmittel sind die nächste große Welle“, glaubt Thomas Harms, Autor der EY-Studie.

Mit Jamie Oliver wollen Richter und Hello Fresh nun ganz oben auf dieser Welle schwimmen. Denn der Deutsche, der in der Versuchsküche unter einer braunen Kochschürze eine dunkelblaue Chino-Hose und Rollkragen-Pullover trägt, weiß, dass er sich mit einem Goldjungen zusammengetan hat, der das Geschäft seit Jahrzehnten kennt und beherrscht. So betreibt Oliver einen Partyservice, der unter anderem schon zum G20-Gipfel in London aufgetischt hat, und eine Kochschule.

Sein Markenzeichen ist dabei bis heute die Verbindung von Kochen und sozialem Engagement. So bildet er in seinen Restaurants namens Fifteen jedes Jahr fünfzehn arbeitslose Jugendliche zu Köchen aus. Was Jamie anfasst, scheint zu Gold zu werden: Mehr als 20 Fernsehserien hat er gedreht und mehr als ein Dutzend Kochbücher geschrieben – und alle wurden sie zu Verkaufsschlagern. Jamie, wie ihn in Großbritannien alle nur nennen, ist der König Midas der Kochwelt – und nun soll von seiner Gabe, alles zu Gold zu machen, auch Hello Fresh profitieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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