Japan: Der Whisky-Boom ist ein Segen für die Bauern

Japan: Der Whisky-Boom ist ein Segen für die Bauern

, aktualisiert 02. Mai 2016, 21:37 Uhr
Bild vergrößern

Das Land exportiert immer größere Mengen der edlen Spirituose.

Quelle:Handelsblatt Online

Japanischer Whisky ist auf einmal der Star in den Bars der globalen Metropolen – trotz Preisen von bis zu 800 Euro die Flasche. Für die Reisbauern des Landes bringt der Trend zum Single Malt neue Perspektiven.

TokioJapans Whisky-Branche erlebt einen wahren Boom. Das lässt auch Reisbauern wie Hiroshi Tsubouchi neue Wege beschreiten. Weil der Reiskonsums im Inland sinkt, will der 36-Jährige nun auf den Alkohol-Zug aufspringen – oder zumindest zur Gerste wechseln, die für die Herstellung von Whisky gebraucht wird.

Japanischer Whisky zählt zu den besten und teuersten in der Welt. Die Gewinne aus der regionalen Destilleriebranche fließen jetzt langsam auch den Bauern des Landes zu. Tsubouchi wird im kommenden Monat seine erste Ernte einfahren. Wie viele Dutzend Farmer in der Mitte Japans will auch er testen, ob er mit Gerste seine Einnahmen steigern kann.

Anzeige

Japan ist derzeit der weltweit viertgrößte Importeur von Gerste und der zweitgrößte Käufer von Gerstenmalz. Der Import von Malz für die Whisky-Produktion stieg im vergangenen Jahr um 20 Prozent. Mit Blick auf die vergangenen zehn Jahre handelt es sich sogar fast um eine Vervierfachung. Dahinter steht die steigende Nachfrage nach japanischem Whisky – von San Francisco bis Hongkong.

„Ich hätte nie damit gerechnet, dass unser japanischer Whisky im Ausland so beliebt ist“, sagt Ichiro Akuto, dessen Single-Malts sich für bis zu 100.000 Yen (rund 80 Euro) je Flasche verkaufen. Seine Destillerie Venture Whisky in der Präfektur Saitama arbeitet mit Bauern in der Region zusammen, um eine Zuliefererkette für ein von ihm 2013 gebaute Mälzerei zu etablieren.

Das globale Absatzvolumen von Whisky aus allen produzierenden Ländern war zwischen 2009 und 2014 um durchschnittlich 5 Prozent pro Jahr gestiegen – während das Plus allein mit Blick auf Japan bei 5,6 Prozent lag, belegen Daten des Marktforschers Euromonitor International.


In Hongkong ist der Whisky allgegenwärtig

Zwar wird der größte Teil des japanischen Whiskys im Inland getrunken. Doch im vergangenen Jahr verkaufte das Land Flaschen im Rekordvolumen von 10,4 Milliarden Yen ins Ausland.

„Wer vor zwei Jahren im Internet nach japanischem Whisky in Hongkong suchte, fand nichts“, sagt Aaron Chan, der den Alkohol sammelt und eine Bar in der Metropole betreibt. „Heute findet man Interviews und Artikel zu neuen Whisky-Bars in Englisch der Chinesisch, oder Pressemitteilungen. Japanischer Whisky bekommt definitiv mehr und mehr Aufmerksamkeit.”

Das Angebot ist inzwischen so verknappt, dass Takeshi Niinami, Präsident des Herstellers Suntory in Tokio, seine Mitarbeiter gebeten hat, seinem Vorbild zu folgen und von den Premium-Marken des Unternehmens Abstand zu halten. Die Notwendigkeit, Lagerbestände aufrechtzuerhalten, überwiege sein Begehren, den Whisky selbst zu konsumieren, wie Niinami im Januar gegenüber Journalisten sagte.

Suntory, der größte Destillerie-Betrieb des Landes, will in diesem Jahr fünf Milliarden Yen ausgeben, um die Produktion weiter auszubauen, wie ein Unternehmenssprecher sagte. Bereits seit 2010 waren sieben Milliarden Yen in die Expansion gesteckt worden.

Japanischer Whisky wird „immer mehr zu einem nationalen Stolz angesichts der steigenden internationalen Anerkennung“ und einer TV-Show zum Leben des Whisky-Pioniers Masataka Taketsuru, hieß es in einem Bericht von Euromonitor schon im Oktober.

Wenn alles nach Plan verläuft, werden 1,2 Tonnen Gerste im Mai geerntet, sagt Akuto. Die sollen dann in seiner Mälzerei verarbeitet werden. „Ich bin der glücklichste Mensch auf der Erde, weil mein Whisky den Leuten nicht nur eine Menge Freude bereitet, sondern hier auch eine neue Branche schafft und den Farmern neuen Schwung gibt“, sagt er.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%