Jens Weidmann zu Bargeld: „Das hätte das Potenzial, das Vertrauen zu beschädigen“

Jens Weidmann zu Bargeld: „Das hätte das Potenzial, das Vertrauen zu beschädigen“

, aktualisiert 24. Februar 2016, 19:37 Uhr
Bild vergrößern

Jens Weidmann hält nichts von einer Abschaffung des Bargelds.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Auf seiner Pressekonferenz äußert sich Bundesbank-Chef Jens Weidmann ausführlich zum Thema Bargeld. Dabei nennt er ein Tabu bei einer möglichen Abschaffung des 500-Euro-Scheins.

FrankfurtEigentlich sollte es auf der Pressekonferenz von Jens Weidmann vor allem um den Gewinn der Notenbank im vergangenen Jahr gehen. Doch der etwas höhere Überschuss von knapp 3,2 Milliarden Euro geriet etwas in den Hintergrund. Dafür drängte ein anderes Thema in den Vordergrund: Die Diskussion um die Abschaffung von Bargeld.

Jens Weidmann hat für die aktuelle Diskussion um die Abschaffung des Bargelds eine einfache Erklärung. Das derzeit schwierige wirtschaftliche Umfeld rege bei Wissenschaftlern die Fantasie an, wie sich die Beinfreiheit für die Geldpolitik erhöhen lasse, sagte der Bundesbank-Chef.

Anzeige

Durch Bargeld gibt es eine natürliche Untergrenze für die Zinsen: Sinken diese zu stark in den negativen Bereich, so wird es irgendwann für die Bankkunden attraktiver, das Geld in Cash zu halten. Würde Bargeld hingegen abgeschafft und das Geld ausschließlich bei Banken gehalten, könnten die Zinsen beliebig weit gesenkt werden.

Dies aber sei die falsche Antwort auf das Marktumfeld, machte Weidmann deutlich. In der aktuellen Diskussion geht es vor allem um eine Obergrenze für Barzahlungen und die mögliche Abschaffung des 500-Euro-Scheins. Befürworter argumentieren, dass dadurch kriminelle Aktivitäten erschwert würden. Gegner hingegen sehen dies als ersten Schritt hin zur Abschaffung des Bargelds.


„Es geht um das Vertrauen in die gemeinsame Währung“

Anfang Februar hat der EZB-Rat eine Absichtserklärung für die Abschaffung des 500-Euro-Scheins beschlossen. Nun prüft der Banknotenausschuss (Banco) die technischen Details, wie der 500-Euro-Schein aus dem Verkehr gezogen werden kann. Eine Variante wäre, ein Art Verfallsdatum zu setzen, bis zu dem der höchste Schein noch akzeptiert würde. Die Alternative: Der Druck der 500-Euro-Scheine würde ersatzlos auslaufen.

Derzeit plant die EZB eine Serie neuer Banknoten. Sie hat bereits die 5-, 10- und 20-Euro-Scheine erneuert – und zieht alte Exemplare ein. Schritt für Schritt sollen auch die Banknoten mit höherem Nennwert (50, 100, 200 und 500 Euro) erneuert werden. Die EZB könnte nun aber die Vorbereitungen für einen neuen 500-Euro-Schein stoppen und den Druck der alten Exemplare einstellen. Damit würde der Umlauf zurückgehen, da beschädigte Banknoten nicht mehr ersetzt würden. Allerdings würde sich das Auslaufen dann sehr lange hinziehen.

Die Debatte über das Bargeld ist mittlerweile in andere Länder geschwappt. So hat unlängst die Schweiz angekündigt, weiter an ihrem 1000-Franken-Schein festzuhalten. Der Ex-US-Finanzminister hingegen erwägt, sogar den 100-Dollar-Schein abzuschaffen.

Nun machte auch Jens Weidmann erneut sehr deutlich, wie seine Position lautet. „Es geht darum, das Vertrauen in die gemeinsame Währung nicht zu beschädigen“, sagte er. Ein Verfallsdatum dagegen „hätte das Potenzial, dieses Vertrauen zu beschädigen.“

In zwei bis drei Monaten könnte die Prüfung des Banknotenausschuss abgeschlossen sein. Dann wird sich herausstellen, ob der 500-Euro-Schein noch eine Zukunft hat – oder wie der Abschied sein wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%