Jobmarkt im Umbruch: Unternehmen suchen dringend Marketing-Profis

Jobmarkt im Umbruch: Unternehmen suchen dringend Marketing-Profis

, aktualisiert 28. Juli 2016, 10:50 Uhr
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Marketing-Profis stehen vor neuen Herausforderungen. Foto: Fotolia

Quelle:Handelsblatt Online

Die Suche nach Marketing-Spezialisten gestaltet sich schwierig, denn die Bewerberzahlen sinken. So können sich gut qualifizierte Bewerber ihre neuen Arbeitgeber beinahe frei wählen. Welche Felder besonders beliebt sind.

KölnDie Anzahl der Bewerber am deutschen Arbeitsmarkt liegt zwar immer noch leicht über der Anzahl der Job-Angebote, doch es wird immer schwerer, passende Fachkräfte mit Expertise zu rekrutieren. Das ergab eine Untersuchung von karriere.de. So stiegen die Bewerberzahlen von Januar bis Juni 2016 im Gesamtmarkt um gerade einmal 3,16 Prozent, gleichzeitig erhöhte sich die Zahl der Stellenausschreibungen um satte 12,31 Prozent.

Im Berufsfeld Marketing ist die Entwicklung noch deutlicher spürbar: Die Nachfrage der Bewerber ging seit Januar 2016 um 6,12 Prozent zurück, das Job-Angebot legte hingegen um 11,98 Prozent zu. Für Unternehmen ist das ein alarmierendes Zeichen: Für sie wird es zunehmend schwerer, dringend benötigte Marketing-Profis zu finden.

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Quantität ist dabei nicht das Problem. Die Herausforderung sieht der Präsident des Deutschen Marketing Verbands (DMV), Ralf E. Strauß, in der Anforderung nach „neuen ergänzenden Kompetenzen: In der heutigen Zeit sind andere Qualifikationen und Profile gefragt“. Die frühere „Eindimensionalität“, die von Marketing-Spezialisten erwartet wurde – nämlich ein BWL-Abschluss mit einer Vertiefung – habe ausgedient: „Heute müssen es Bewerber sein, die auf zwei Füßen stehen, die Digitalebene gehört unbedingt dazu.“ Mehrdimensional ausgebildete Leute benötigten Business Wissen, Leadership Skills plus Fachbereich-Know-how.

Grund für die Neuausrichtung ist der unternehmensinterne Bedeutungszuwachs, den die Marketingabteilungen der Unternehmen erfahren. Wie eine DMV-Umfrage ergab, haben zwei Drittel der Unternehmen die Zeichen der Zeit erkannt und erwarten von der Marketingabteilung nicht mehr nur, sich um die Kommunikation zu kümmern, sondern sich an der Weiterentwicklung der Unternehmensstrategie und der Ausarbeitung neuer Geschäftsmodelle zu beteiligen.

So befindet sich das Marketing in seiner Gesamtheit mitten in der Zukunftsgestaltung mit ihren technologischen, soziokulturellen und ökonomischen Herausforderungen: Unternehmen müssen sich der Digitalisierung, der steigenden Konsumentenmacht durch die Netzwerkgesellschaft(en) und dem wachsenden Erfolgszwang durch neue Märkte und Konkurrenten stellen. Kein Wunder, dass Marketing-Spezialisten jetzt wie selten zuvor von der Stellenangebots-Palette profitieren können: Insgesamt wurden allein im Mai 2016 im Marketingbereich 166.491 Jobs angeboten. In den Bereichen Consumer Research, Markt- oder Zielgruppenanalyse ist die Nachfrage besonders groß, gefolgt von Marketing- und Produktmanagement.


Düstere Zeiten für Recruiter

Wenig beliebt bei den Bewerbern scheint aber gerade die Marktforschung zu sein: Um 44,63 Prozent sank das Interesse an Jobs in den Bereichen Consumer Research, Marktanalyse und Zielgruppenanalyse. Im Produkt- und Marketingmanagement hält sich der Rückgang der Bewerbernachfragen zwar im einstelligen Bereich. Gerade hier suchen aber viele konkurrierende Unternehmen nach neuen Kandidaten, die Zahl der Stellenangebote stieg um jeweils mehr als zwölf Prozent.

Düstere Zeiten erleben also die Recruiter. Denn die Chancen der Unternehmen, gut ausgebildete und berufserfahrene Marketing-Spezialisten zu verpflichten, sind in allen untersuchten Bereichen zum Teil drastisch zurückgegangen. Doch DMV-Präsident Strauß warnt ohnehin vor blindem Aktionismus bei der Suche nach geeignetem Personal. In den Unternehmen solle man sich die Frage stellen: Wen brauchen wir denn wirklich? Wichtig sei es, dass Unternehmen unterschiedliche Kompetenzen zusammen in einem Funktionalbereich bündelten. Strauß, der auch als Professor für Digitales Marketing & E-Business an der Hamburg School of Business Administration (HSBA) tätig ist, weiß, dass es darum gehen muss, Vertiefungen zu schaffen, an der Aus- und Weiterbildung zu arbeiten und wegzukommen von der Idee, monolithisch zu arbeiten. „Wir sind noch nicht genügend vorbereitet auf die Industrie 4.0, aber wir sind auf dem Weg.“ Im Gegensatz zu anderen Unternehmensbereichen hinke man in Marketing und Vertrieb hinterher, schon im Customer Relationship Management habe man sich festgefahren. „Und das setzt sich dann eben fort: Es besteht Nachholbedarf.“

Bewerbern empfiehlt der Marketing-Präsident, sich neue Kompetenzen für die neue Arbeitswelt anzueignen, die Angebotsvielfalt in der Ausbildung und interaktive Formate der Hochschulen oder auch etwa der 65 Marketing-Clubs in Deutschland zu nutzen. Young Professionals sollten „Substanz im jeweiligen Fachgebiet aufbauen.“

Eins steht fest: Die Umbruchszeiten sind auf dem Jobmarkt deutlich spürbar – für Bewerber bieten sie große Chancen, für Unternehmen bleiben sie eine Herausforderung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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