JPMorgan im Umbau: Banker sollen nur noch werktags arbeiten

JPMorgan im Umbau: Banker sollen nur noch werktags arbeiten

, aktualisiert 21. Januar 2016, 20:10 Uhr
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Probleme bei der Suche nach neuen Mitarbeitern hat JPMorgan nach eigenen Angaben nicht. Das Programm solle vor allem dabei helfen, Angestellte zu halten, so die Bank.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Keine Arbeit am Wochenende, schnellere Beförderungen und effizientere Technik: JPMorgan will die Arbeitsbedingungen der eigenen Angestellten verbessern. Die Großbank verspricht sich davon größere Loyalität.

New YorkJamie Dimon, der Chef von JPMorgan, hatte bereits im Interview mit dem Handelsblatt angedeutet, dass er nichts davon hält, seine Leute am Wochenende bis zum Umfallen arbeiten zu lassen. Jetzt macht die Bank Nägel mit Köpfen. In einem internen Telefon-Rundruf hat Carlos Hernandez, der Chef des „Global Banking“, ein Vierpunkte-Programm angekündigt, das vor allem jungen Leuten das Leben erleichtern soll.

Zum ersten werden die Mitarbeiter aufgefordert, sich so zu organisieren, dass sie am Wochenende zu Hause bleiben können. Ausnahme ist, wenn sie an laufenden Deals arbeiten. Dabei ist mit „laufend“ gemeint, dass der Endtermin wirklich sehr nah ist, etwa der Montagmorgen.

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Der zweite Punkt ist, dass die Beförderungen in einzelnen Fällen beschleunigt werden können. Bisher dauert es in der Regel zwölf Jahre, bis sich jemand vom Analysten zum Managing Director hoch arbeitet. Künftig kann er oder sie den Weg im besten Fall schon in 8,5 Jahren zurücklegen. Dieses Programm ist allerdings für „Super-Stars“ vorgesehen. Die Bank legt kein Limit für diesen Personenkreis fest, aber offensichtlich soll er sehr überschaubar bleiben. Dieser Punkt war bisher schon in den USA in Kraft, soll aber künftig weltweit gelten.

Der dritte Punkt ist ein Programm, mit dem systematisch junge und erfahrene Kollegen in Kontakt gebracht werden und mehr Zeit miteinander verbringen. Offenbar hatten Berufsanfänger geklagt, nicht genug von den Erfahrungen der Älteren profitieren zu können.

Der vierte Punkt betrifft die Technik. Neue Apps sollen dafür sorgen, dass die Mitarbeiter ungebundener werden. Sie müssen dann nicht mehr im Büro warten, bis sie bestimmte Daten abrufen oder ausdrucken können. Sondern sie bekommen ihre Aufträge elektronisch geliefert und können sich zu Hause dran setzen. Damit ist natürlich noch weniger kontrollierbar, ob sie am Wochenende arbeiten oder nicht. Auf der anderen Seite erledigt sich damit aber jede Herumsitzerei im Büro, um Arbeitseifer unter Beweis zu stellen. Außerdem lässt sich die Abgrenzung von privater und beruflicher Zeit flexibler gestalten.

Die Bank hat nach eigenem Bekunden keine Probleme, gute Mitarbeiter zu bekommen. Sie stellt jedes Jahr nur rund drei Prozent der Bewerber ein. Das neue Programm soll vor allem dazu dienen, junge Leute zu halten und zu motivieren. In den letzten Jahren haben verstärkt Unternehmen wie Hedgefonds und Beteiligungsgesellschaften junge Leute nach den ersten Berufsjahren mit höheren Gehältern und der Aussicht auf weniger bürokratisches Arbeiten von Banken abgeworben. Die Banken wiederum haben das Problem, das in vielen Bereichen durch den Druck der Finanzaufsicht der bürokratische Aufwand noch wächst. Zusätzlich wollen viele besonders talentierte Absolventen lieber Unternehmen gründen oder in Start-ups arbeiten als zu einer Bank zu gehen.

Andere Geldhäuser versuchen daher auch, das Leben für ihre Mitarbeiter leichter zu machen. Goldman Sachs zum Beispiel möchte ebenfalls die Wochenendarbeit eindämmen. Seit einiger Zeit veröffentlicht diese Bank auf ihrer Website auch Beiträge von Mitarbeitern, die über ihr Privatleben erzählen.

Das Programm von JP Morgan passt auch zu den Umfragen einer neuen Umfrage des Conference Board bei mehr als 600 Unternehmenschefs weltweit. Danach sind deren größte Sorgen, gute Mitarbeiter zu finden, zu halten und als künftige Top-Manager auszubilden.

Quellle:  Handelsblatt Online
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