Karriere in der Finanzbranche: „Der MBA ist eine Lizenz zum Geld verdienen“

Karriere in der Finanzbranche: „Der MBA ist eine Lizenz zum Geld verdienen“

, aktualisiert 22. Februar 2016, 12:46 Uhr
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Der Milliardär spendete zuletzt 18 Millionen Dollar für die Sanierung des Lincoln Memorials in Washington.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Der Gründer eines milliardenschweren Private-Equity-Fonds erklärt Studenten, welche Art von Mitarbeiter er sich wünscht. Um die Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen, zahlen US-Finanzfirmen höhere Einstiegsgehälter.

New YorkDavid Rubenstein weiß genau, was er nicht will. „Ich kann keine Genies gebrauchen“, sagt er auf einer Veranstaltung vor MBA-Studenten der Columbia-Universität in New York. „Aber wenn sie ganz schön intelligent sind, dann können Sie sich bei uns bewerben.“

Rubenstein ist einer Gründer von Carlyle, einem Riesen mit 200 Milliarden Dollar Volumen im Bereich von Private Equity, der Vermögensanlage außerhalb der Börsen. Arif Naqvi, Gründer der Abraaj Group warnt ebenfalls vor Überheblichkeit. Und das aus eigener Erfahrung: „Vor der Finanzkrise haben wir geglaubt, wir könnten über Wasser laufen“, erinnert er sich. Alles lief gut – bis es auf einmal nicht mehr gut lief.

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„Ich brauche Mitarbeiter, die bereit sind hart zu arbeiten, und die im Team arbeiteten können“, sagt Rubenstein. Aber er erwartet noch mehr: Sein idealer Mitarbeiter hat großzügig zu sein. „Der MBA ist eine Lizenz zum Geld verdienen“, sagt er. „Geld verdienen als Zeichen des Erfolgs ist gut. Aber Sie sollten auch bereit sein, der Gesellschaft etwas zurückzugeben, und das nicht erst nach dem Tod.“ Er ist überzeugt: „Es hilft nicht, den Reichtum mit ins Grab zu nehmen, wie die Pharaonen.“

Rubenstein, der nach eigenem Bekunden den größten Teil seines Vermögens spendet, fordert die Studenten auf, Großzügigkeit zu „einem Teil ihrer DNA“ zu machen und damit anzufangen, sobald sie genug Geld für sich und ihre Familien verdient haben. „Meiner Überzeugung nach hat Gott für solche Leute einen besonderen Platz im Himmel reserviert“, sagt er. „Ich kann das nicht beweisen, aber lassen Sie sich die Chance nicht entgehen.“

Wayne Berman von Blackstone fordert die jungen Leute zusätzlich auf, sich für Politik zu interessieren. „Dafür reicht es nicht, den Fernseher einzuschalten, man muss schon etwas tiefer graben“, sagt er. Er warnt davor, sich nur in Zahlenkolonnen zu vergraben und die Rahmenbedingungen von Investments auszublenden. „Vielleicht ist eine Entscheidung des britischen Regierungschefs ganz wichtig für eine Firma in Ihrem Portfolio“, nennt er als Beispiel.


Einstiegsgehälter bei US-Investmentbanken steigen

Private Equity war in den vergangenen Jahren sehr attraktiv für Studienabgänger mit einem Master of Business Administration (MBA) von Elite-Unis wie der Columbia. Nach Daten von efinancialcareers haben Investmentbanken 2015 für Berufsanfänger aus diesem Bereich die Gehälter um rund ein Viertel auf etwa 125.000 Dollar pro Jahr erhöht, um attraktiv genug zu bleiben, während Private Equity zum Teil sogar mehr als 200.000 Dollar bietet.

Aber Private Equity hat seit rund sechs Monaten deutlich gelitten, wie Rubenstein einräumt. Die Kurse der börsennotierten Gesellschaften aus der Branche sind eingebrochen, die Investoren sind misstrauisch, ob das Geschäft bei höheren Zinsen und schwächeren Gewinnen noch so gut laufen kann.

Rubenstein ist aber überzeugt, dass die Branche sogar eine Rezession in den USA gut nützen könnte: um günstig Firmen, auch aus dem angeschlagenen Energie-Bereich zu übernehmen. „In den vergangenen vier Jahren haben wir Saldo Geld an die Investoren zurückgezahlt, das dreht sich jetzt wieder um“, sagt er.

Aussagen anderer Private-Equity-Manager lassen darauf schließen, dass die Branche noch abwartet mit Käufen. Anton Levy von General Atlantic sagte, die Preise für Tech-Firmen seien seit vergangenem Sommer um 25 Prozent zurückgegangen. Seiner Meinung kann der Einbruch sich aber noch auf 50 bis 60 Prozent ausweiten. „In den nächsten zwölf Monaten ist noch Geduld angesagt“, sagt er. Aber danach werden einige seiner Zuhörer gerade mit dem Studium fertig sein.

Quelle:  Handelsblatt Online
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