Faktoren Die zehn größten Stressauslöser
20.03.2007 Jetzt kommentieren! 1 (1) Legende- Druckversion
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3: Stressor Ohnmacht
Nicht alle Menschen reagieren unter Druck gleich. Stressstabilität ist zum Teil angeboren. Studien zeigen, dass die Gene bis zu 30 Prozent Einfluss darauf nehmen, wie wir uns bei seelischen Belastungen verhalten. Schon Babys zeigen unterschiedliche Reaktionen, wie eine Langzeitstudie des Psychologieprofessors Nathan Fox von der Universität von Maryland zeigt: Er setzte zwei Tage alte Säuglinge einer mäßigen Belastung aus, indem er ihnen den Schnuller kurz wegnahm. Natürlich schrien alle sofort los, einige aber beruhigten sich auch schnell wieder. Fox beobachtete seine Probanden bis ins Erwachsenenleben – und siehe da: Wer als Säugling belastbarer war, blieb es auch im Alter.
Verantwortlich dafür ist der Hippocampus, eines der ältesten Schaltzentren unseres Gehirns und die Leitstelle des limbischen Systems. Der Hippocampus steuert unter anderem Gefühle, fragt im Bedarfsfall das Gedächtnis ab und formt aus Erlebtem neue Erinnerungen. Gleichzeitig ist das Hirnareal in der Lage, die sich unter Stress aufschaukelnde Kortisolkaskade abzumildern. Der Hirnforscher Jens Pruessner von der McGill-Universität konnte bei verschiedenen Hirnscans einen positiven Zusammenhang zwischen Selbstbewusstsein und der Größe des Hippocampus feststellen: Je größer das Organ, desto größer das Selbstwertgefühl und desto stärker auch die Widerstandskraft gegen Stress.
Neuere Studien zeigen, dass chronischer Stress den Hippocampus regelrecht schrumpfen lässt. Entdeckt wurde das bei Patienten, denen wegen einer Tumorbehandlung Kortisol verabreicht wurde. Hält der Stress also zu lange an, schmilzt ausgerechnet die Widerstandskraft dagegen.
Zu diesem biologischen Stressverstärker kommt ein psychologischer: erlernte Hilflosigkeit. Werden Kinder von ihren Eltern oder in der Schule über längere Zeit überfordert und fehlen Erfolgserlebnisse, reagieren viele später auf Druck nicht mit Leistungswillen, sondern resignieren. Durch wiederholte traumatische Situatio- » nen, in denen sich Kinder ohnmächtig und ungeschützt fühlen, entsteht eine Art „biologische Narbe“, sagt der Hamburger Psychiater Hans-Peter Unger. Im Job meiden solche Menschen später Herausforderungen, neigen zu übertriebener Angst, die sich im weiteren Lebenslauf zu einer ernsten Verhaltensstörung ausweiten kann. „Wie einer mit Stress umgeht, ist zu 70 Prozent gelernt“, ist der Schweizer Psychologe Manfred Schedlowski überzeugt.
Die Gegenstrategie: Durchbrechen Sie eingefahrene Denkmuster à la „Das schaffe ich sowieso nicht“ oder „Ich muss perfekt sein“! „Eigene Gedanken wahrnehmen und beeinflussen zu können trägt maßgeblich dazu bei, Stress zu reduzieren“, sagt Gustav Dobos, Professor für Medizin an der Universität Duisburg-Essen. Dieses kognitive Stressmanagement („coping“) hilft, Herausforderungen als Chancen zu begreifen, Distanz zu gewinnen, Neid abzulegen oder Erwartungen besser zu bewerten.
Gerade Perfektionisten stehen in der Gefahr, in eine Abwärtsspirale aus Streben und Scheitern zu geraten. Sie denken zu sehr in Schwarz-Weiß-Kategorien: Wer nicht perfekt ist, ist automatisch ein Verlierer. Bei dieser Sicht bekommen aber nicht die eigenen Stärken die Aufmerksamkeit, sondern die Schwächen. In der Folge entstehen Versagensängste. Ein wichtiger Schritt aus dieser Falle ist, zu erkennen, dass die eigenen Erwartungen (an sich oder andere) unrealistisch hoch oder unzumutbar sind. Womöglich stehen diese auch nicht im Verhältnis zum Aufwand.
Wer sich so besinnt, erlebt sich selbst nicht mehr als Opfer, sondern gewinnt die Kontrolle über sein Handeln zurück. Er ist in der Lage, seine eigenen Fähigkeiten und Grenzen besser auszuloten und kann daraus konkrete Vorsätze für sich formulieren. Allerdings warnen Psychologen vor Negativvorsätzen, wie „Ich will dies und das nicht mehr tun“. Der Grund: Das Unterbewusstsein, das diesen Gedanken memorieren soll, kann kein „nicht“ verarbeiten. Ein Beispiel: Versuchen Sie jetzt nicht daran zu denken, dass sie diesen Artikel lesen! Aus selbigem Grund scheitern übrigens so oft auch Vorsätze vom Typ „Im nächsten Jahr will ich nicht mehr so viel rauchen“. Formulieren Sie also positiv!
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