Gesundheit Doping im Büro: Was Leistungsdruck anrichtet
20.10.2008 17 Kommentare 3,5 (69) Legende- Druckversion
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Ein Meister „allerhöchster Diskretion“ zu sein – das hat auch Karsten Strauß gelernt. Nur mit Akupunkturnadeln und einem Block in der Tasche macht der Sucht‧therapeut Hausbesuche in ganz Deutschland – in den Hotelzimmern von Managern, den Wohnzimmern von Schauspielern oder den Hinterzimmern von Unternehmern. Bei Menschen, die jeden Tag irgendwo im Mittelpunkt stehen und deswegen heimlich „das Übliche“ nehmen: Kokain, um high zu werden, in Verbindung mit Alkohol oder Beruhigungsmitteln wie Valium, um wieder runterzukommen.
„Die fühlen oft eine starke Ambivalenz“, sagt Strauß, „einerseits haben sie den Wunsch, weiterzumachen. Andererseits wollen Sie aufhören, weil zum Beispiel ein wichtiges Geschäft zu platzen droht.“
So wie bei dem Top-Manager eines multinationalen Unternehmens. Der bereitete gerade die Übernahme eines Konkurrenten vor, es ging um ein Volumen von 50 Millionen Euro und damit um den persönlichen Höhepunkt seiner Karriere. Gleichzeitig rutschte der Mann tiefer in die Kokainsucht, das Geschäft drohte zu platzen. Strauß half ihm, die Abhängigkeit in den Griff zu kriegen und den Deal zu retten.
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Seinen Patienten will Strauß die Klinik ersparen. Er besucht sie über ein Jahr lang immer wieder, hört sich Lügen an und Wahrheiten heraus, akupunktiert sie und stellt mit ihnen gemeinsam Ziele auf, dosiert die Substanzen herunter und versucht so, ihnen den Stoff langsam abzugewöhnen. Dazu gehört, sich von dem Milieu zu distanzieren, in dem die Drogen eine Rolle spielen – vielleicht sogar vom bisherigen Job.
Nicht jeder schafft es, sich so zu entscheiden. Diese Erfahrung musste Jule Weber* machen. Ein guter Freund hatte sich eine große Karriere im Management in den Kopf gesetzt. Als aus ihm ein aggressiver, rätselhafter Mensch wurde, schöpfte Jule Weber Verdacht. Erst entdeckte sie die Tabletten, dann die Quelle: Eine uralte Großtante, der sie gegen Demenz und Depressionen verschrieben worden waren. „Der wollte perfekt sein“, sagt Jule Weber. „Als er gesehen hat, dass er es alleine nicht schafft, hat er es mit Tabletten versucht.“ Sie stellte ihn zur Rede und nahm ihm die Pillen weg.
Ohne Erfolg.
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