Kasino-Pleite: Wie Trump die Gunst einer Stadt verspielte

Kasino-Pleite: Wie Trump die Gunst einer Stadt verspielte

, aktualisiert 23. September 2016, 19:24 Uhr
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Das Kasino-Schiff liegt noch immer an der Küste des Michigansees verankert.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit einer Spielbank wollte Donald Trump vor gut 20 Jahren die Wirtschaft von Gary beleben und Migranten Jobs verschaffen – profitiert hat nur er selbst. Doch im Wahlkampf gibt er den „Retter“ strukturschwacher Regionen.

GaryEr kam im Privatjet und hatte große Pläne im Gepäck: An der von Fabrikruinen geprägten Küste des Michigansees sollte ein schwimmendes Kasino für Arbeitsplätze und Steuereinnahmen sorgen. 1993 wirkten die Pläne des aus New York eingeflogenen Immobilienmoguls Donald Trump überzeugend. Die Verantwortlichen in der Stadt Gary willigten ein – und wurden enttäuscht.

Dass sich eben dieser Mann heute im Wahlkampf als „Retter“ von strukturschwachen Industrieregionen präsentiert, stimmt sie daher skeptisch. „Wir werden dies zu einer echten Perle machen, zu einem echten Erfolg“, hatte der heutige US-Präsidentschaftskandidat einst zu dem Projekt in Gary gesagt. Für Trump wurde die Investition tatsächlich zu einem Erfolg. Für die Stadt jedoch nicht.

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Denn seine eigentlichen Versprechen gegenüber den Behörden löste der Geschäftsmann nie ein. Und nach gut zehn Jahren machte er sich mit seinen Millionen aus dem Staub und schickte das Kasino-Schiff in die Insolvenz. In der knapp 50 Kilometer südöstlich von Chicago gelegenen Industriestadt lebt bis heute mehr als ein Drittel der Bevölkerung in Armut. Die Arbeitslosigkeit ist weiterhin hoch, die Kriminalität noch immer ein großes Problem. Von Trump fühlen sich hier viele betrogen.

Zumal der Milliardär nach der Pleite auch vor Gericht kein Einsehen zeigte. Das entscheidende Argument, mit dem sich dessen Anwälte gegenüber den Geschädigten durchsetzen konnten: Die Versprechen Trumps seien nicht rechtlich bindend gewesen. „Wir hatten es hier mit einem aalglatten Geschäftsmann zu tun“, sagt der ehemalige demokratische Stadtverordnete Roy Pratt. „Er hat so viel genommen, wie er konnte. Dann ist er ausgestiegen und abgehauen.“

Um die Behörden zu überzeugen, hatte Trump angekündigt, örtliche Unternehmer in das Projekt mit einzubeziehen und hunderte Angehörige von ethnischen Minderheiten einzustellen. „Das ist schlicht und einfach nie passiert“, sagt der Demokrat Richard Hatcher, der einst der erste afroamerikanische Bürgermeister von Gary war.

Ab 1994 bemühte sich der Geschäftsmann bei der Indiana Gaming Commission um eine Lizenz für das gut hundert Meter lange Kasino-Schiff „Trump Princess“. In einer Präsentation betonte er unter anderem seine „ausgezeichneten Kompetenzen im Bereich Marketing und Werbung“. Er bot auch an, eine neue wohltätige Stiftung mit Anteilen im Wert von 11,5 Millionen Dollar (nach heutigem Kurs etwa zehn Millionen Euro) auszustatten.


Trump steht für Trump allein

Im Mai 1996 wurde ihm die Genehmigung schließlich erteilt. In einer von Trumps Unternehmen unterzeichneten Vereinbarung wurde festgehalten, dass sich der Projektentwickler „bemühen“ werde, 70 Prozent der 1200 Vollzeitstellen mit Angehörigen ethnischer Minderheiten zu besetzen. Trump sollte 153 Millionen Dollar (137 Millionen Euro) investieren. Acht Geschäftspartnern aus dem US-Staat Indiana wurden Anteile an dem Kasino-Schiff in Aussicht gestellt.

Doch kaum hatte Trump die Lizenz in der Tasche, fühlte er sich an die Vereinbarungen offenbar nicht mehr gebunden. Als sich abzeichnete, dass nur 20 Prozent der angeworbenen Angestellten aus den Reihen der ethnischen Minderheiten kamen, brachte der frühere Bürgermeister Hatcher eine Klage auf den Weg. Die Anwälte Trumps sorgten aber dafür, dass die Klage abgewiesen wurde.

Die acht regionalen Partner gingen ebenfalls leer aus – und zogen ebenfalls vor Gericht. Sechs von ihnen nahmen ihre Klage zurück, als Trump ihnen eine Zahlung von insgesamt 2,2 Millionen Dollar (zwei Millionen Euro) anbot. Die beiden anderen blieben hartnäckig und bekamen von einer Jury eine Summe von 1,3 Millionen Dollar (1,15 Millionen Euro) zugesprochen. Doch Trump ging in Berufung. Und im Jahr 2001 wurde schließlich auch in diesem Fall entschieden, dass die einstigen Versprechungen nicht als rechtlich bindend zu betrachten seien.

Im Jahr 2004 stellte dann das Unternehmen Trump Hotel & Casino Resorts, der Mutterkonzern des Kasino-Schiffs in Gary, einen Insolvenzantrag. Im folgenden Jahr verkaufte Trump die Anteile seines Unternehmens in Gary für 253 Millionen Dollar (226 Millionen Euro). Das Geld wurde genutzt, um hoch verschuldete Hotel- und Kasinobetriebe Trumps in den Staaten New York und New Jersey zu stützen.

Trump ist sich in der Sache rückblickend keiner Versäumnisse bewusst. „Es ist gut gelaufen und es war gut für Gary“, ließ er auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP über eine Sprecherin ausrichten.

Das Kasino-Schiff liegt noch immer an der Küste des Michigansees verankert. Doch diejenigen, die mit dem Projekt zu tun hatten, sind auf den Republikaner bis heute nicht gut zu sprechen – schon gar nicht, wenn er nun im Wahlkampf ankündigt, sich für die Schwarzen im Land einsetzen zu wollen. „Man sollte wissen, dass Trump für Trump steht, und nicht für schwarze Wähler oder für sonst wen“, sagt David Ross, der einstige Glücksspiel-Beauftragte im Staat Indiana. „Ihm geht es einzig darum, Geld für Trump zu verdienen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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