Key Skills für die Generation Y: „Beim Arbeiten leben und beim Leben arbeiten“

Key Skills für die Generation Y: „Beim Arbeiten leben und beim Leben arbeiten“

, aktualisiert 25. September 2016, 14:43 Uhr
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„Erfolgreiche, selbstkompetente Menschen sind in der Regel starke Performer“, schreibt Würzburger. „Sie sind stark motiviert in dem, was sie tun.“

von Carina KontioQuelle:Handelsblatt Online

Starre Arbeitszeiten: für junge Arbeitnehmer ein rotes Tuch. Sie sind bereit, Leistung zu bringen, wollen aber selbst entscheiden, wo und wann sie es tun. Thomas Würzburger hat für sie einen klugen Wegweiser geschrieben.

KölnWeltoffen, kreativ, sehr gut ausgebildet: Viele Chefs sind begeistert vom Potential der „Generation Y“, die von Kritikern jedoch noch immer sehr oft als kompromisslos, fordernd und zu freizeitorientiert beschrieben wird. Um nur ein Beispiel zu nennen: Thomas Sattelberger, Ex-Vorstand der Deutschen Telekom und einer der Vordenker der Personaler-Szene, bezeichnete die vermeintlichen High Potentials der jungen Generation in einem Interview mal als „geföhnte Kens und Barbies im Business Outfit“, die „ihre Einzigartigkeit für Geld und Karriere opfern“ und nur mehr auf ökonomische Effizienz anstatt Innovation getrimmt seien.

Über Sattelberger lässt sich streiten. Fakt ist: Die jungen Arbeitnehmer des 21. Jahrhunderts streben nach Selbstverwirklichung, und zwar jetzt und nicht erst im Ruhestand. Die Frage nach dem „Warum?“ ist für sie keine rhetorische. Sie sind bereit, viel zu geben, wenn sie dafür auch mal ein Jahr nach Mexiko gehen können. Sie sind immer online und teilen Wohnungen, Autos und Lebenserfahrungen. Sie polarisieren und fordern die älteren Generationen heraus. Und sie sind diejenigen, für die der Autor Thomas Würzburger ein wegweisendes Buch geschrieben hat, das bei Springer Gabler erschienen ist: „Key Skills für die Generation Y – Die wichtigsten Tipps für eine erfüllte Karriere.“

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Ein Buch, das sich erfrischenderweise nicht als Gebrauchsanweisung an überforderte Chefs und Personalleiter der Generation Sattelberger richtet und erklärt, wie sie mit diesen jungen Wilden umzugehen haben, die sie ja doch für ihre Firma gewinnen wollen. Mehr noch: müssen. Stichwort demografischer Wandel. Dass künftig die Unternehmen und nicht die Bewerber die Bittsteller am Arbeitsmarkt sein werden, hat sich inzwischen herumgesprochen. Aber auch heute schon haben die Firmen Schwierigkeiten, hoch spezialisierte Stellen nachzubesetzen. IT-Fachkräfte, Maschinenbauer, Elektrotechniker, Mathematiker, Krankenpfleger sind Mangelware.

Der Wirtschaftswissenschaftler und Management-Trainer zäumt das Pferd auf 146 Seiten sozusagen von hinten auf. Denn es ist ihm, so schreibt er im Vorwort, „ein Herzensanliegen, euch leistungswillige junge Menschen zu unterstützen und euch mit meiner Lebenserfahrung, Antworten und Orientierung für euer berufliches Leben zu geben.“

Dass Würzburger seine Leser dabei kumpelhaft duzt, dürfte den jungen Berufsanfängern, die in den 1980er- und 90er-Jahren geboren sind, kaum missfallen. Sind sie es doch, die das „Sie“ als Umgangsform in den Büros genauso auf den Prüfstand stellen wie die lebenslange Anstellung bei einem einzigen Arbeitgeber. Laut Würzburger liegt die durchschnittliche Verweildauer von jungen Arbeitnehmern heute bei nur 18 Monaten. Dafür aber, hier eine gute Nachricht für Arbeitgeber, bieten sie Loyalität auf Zeit – und zwar voll und ganz.


Projektmanagement, Agilität, Design Thinking

Auf vier kurz und leicht verdaulich gehaltene Kapitel verteilt macht Würzburger auf die Herausforderungen dieser extrem dynamischen Arbeitswelt aufmerksam („Fachexpertise ist eine Grundvoraussetzung und kaum noch etwas, das den einen Bewerber vom anderen unterscheidet“), weist auf Risiken hin („Eure Generation wird es nicht leicht haben, die Älteren aus ihren Schaltzentralen zu vertreiben und sich Gehör zu verschaffen“) und zeigt Chancen auf („Beim Arbeiten leben und beim Leben arbeiten“).

Dabei gelingt ihm stets der Spagat, nicht belehrend zu wirken, wenn er immer wieder schreibt, „dass auch ihr nicht darum herumkommen werdet, euch an bestimmte Entwicklungen der Arbeitswelt oder Strukturen in Unternehmen anzupassen“ oder „Um das erreichen zu können, werdet auch ihr nicht umhinkommen, an euch selbst und eurer Selbstkompetenz zu arbeiten.“ Als Leser nimmt man es dem Familienvater ab, dass er es hier wirklich gut meint mit den Ypsilonern und ihre Bedürfnisse durchaus ernst nimmt.

Bewusst verzichtet Würzburger, der seine Argumente mit etlichen seriösen Studienergebnissen bekräftigt, in seinem Buch Fertigrezepte. „Vielmehr ist es mein Ziel, Zugänge zu vermitteln und Verständnis zu fördern, wie ihr euren individuellen Weg des Erfolges bestreiten könnt und auf welche Kompetenzen es ankommen wird“, so der Autor. Dabei zeigt er vor allem, welche Key Skills der Generation Y, für die Zukunftsplanung die Planung des nächsten Sommerurlaubs bedeutet, helfen können, im Job zielgerichtet voranzukommen.

Den Bogen spannt er dazu von persönlichen Fähigkeiten wie Resilienz, Selbst-, Entscheidungskompetenz und Durchhaltevermögen über die sozialen Skills wie Kommunikations-, Konfliktfähigkeit und Führungskompetenz bis hin zu den Management Skills wie Projektmanagement, Agiliät und Design Thinking.

Über das ganze Buch verteilt bietet er zahlreiche Handlungsempfehlungen, nützliche Tipps und kluge Antworten auf die Frage, wie sich heute Menschen – selbst in jungen Jahren -–zu selbstkompetenten und authentischen Persönlichkeiten entfalten können und er erklärt, warum es nicht ausreichen wird, gut ausgebildet zu sein und zeigt, was es brauchen wird, um auch in Zukunft selbstverantwortlich und gut bezahlt arbeiten zu können.

Kurz ein Wort zur Optik des schmalen Buches: So sehr mich der Inhalt überzeugt und begeistert hat, so fade sind Cover und Layout. Auf mich wirkte es mehr wie ein Uni-Lehrbuch und weniger wie etwas, das sich junge Leute vorm Bücherregal im Handel schnappen wollen. Hier hat der Verlag meiner Meinung nach leider eine große Chance vertan, denn das Auge liest ja schließlich mit. Und so bleibt für Würzburger zu hoffen, dass dieser kluge kleine Wegweiser dennoch seine Zielgruppe findet. Er ist nämlich eine gelungene Bereicherung.

Quelle:  Handelsblatt Online
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