Kirch-Prozess: Staatsanwaltschaft will Deutsche Bank durchsuchen

Kirch-Prozess: Staatsanwaltschaft will Deutsche Bank durchsuchen

, aktualisiert 12. April 2016, 12:04 Uhr
Bild vergrößern

Die Staatsanwalt will die Zentral der Deutschen Bank nochmals durchsuchen lassen.

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Im Strafprozess gegen fünf ehemalige Top-Banker der Deutschen Bank sorgt die Staatsanwaltschaft für eine überraschende Wende: Sie will das Kreditinstitut durchsuchen lassen. Es geht um einen Vergleich.

Der Strafprozess gegen fünf Manager der Deutschen Bank in München scheint schon auf der Zielgeraden, die Schlussplädoyers stehen kurz bevor, da fährt die Staatsanwaltschaft noch einmal scharfe Geschütze auf: Sie will bei der Deutschen Bank eine Razzia durchführen, wie Staatsanwaltschaft Stephan Necknig am Dienstag verkündete. Ziel sei es, von der Bank in Auftrag gegebene Gutachten über den Vergleich zwischen dem ehemaligen Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer und dem Institut zu erhalten. Mehrfach habe die Behörde bei der Deutschen Bank versucht, diese Unterlagen zu erhalten oder zumindest eine Zusicherung vom Aufsichtsrat, dass in ihnen keine neuen Tatsachen über den Fall drin stehen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Die externen Gutachten waren im Auftrag des Aufsichtsrats der Bank angefertigt worden um zu klären, ob die Bank von Breuer Geld zurückfordern kann. Der damalige Vorstandssprecher der Bank hatte 2002 in einem Interview die Kreditwürdigkeit des Kirch-Konzerns angezweifelt. Kurz darauf ging Kirch tatsächlich pleite und klagte. Ein jahrelanger Prozessmarathon folgte. Die Bank lenkte nach zwölf Jahren ein und zahlte in einem Vergleich 928 Millionen Euro. Einen Teil der Kosten wollte sich die Bank zurückholen und einigte sich mit Breuer darauf, dass dieser 3,2 Millionen Euro zahlt.

Anzeige

Aus den für diese Verhandlungen angefertigten Gutachten für diesen Schritt erhofft sich die Staatsanwaltschaft neue Erkenntnisse für das nun laufende Strafverfahren, in dem den Angeklagten vorgeworfen wird, dass sie in einem Prozess gelogen hätten, um die Schadenersatzansprüche abzuwehren. Nachdem die Deutsche Bank und der Aufsichtsrat diese Unterlagen nicht rausrücken will, habe man einen Antrag auf Durchsuchung der Bank gestellt, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Ein Ansinnen, das die Verteidigung sichtlich verärgerte. Ein solcher Antrag sei am 33. Verhandlungstag „ein echt starkes Stück“, kritisierte Breuers Anwalt Norbert Scharf, zumal der Vergleich nicht den Prozess betreffe. Die Staatsanwaltschaft greife „in die unterste Schublade“. Eine Zumutung sei das, stimmten andere Verteidiger zu, die Staatsanwaltschaft wolle lediglich den Prozess verschleppen und sammle Material für eine Revision, weil sie davon ausgehe, dass die Angeklagten nicht verurteilt würden. Oberstaatsanwältin Christiane Serini setzte sich zur Wehr: Sie mache nur ihre Arbeit, erwiderte sie, und wenn die andere Seite das Spiel auf diese Art und Weise spielen wolle, werde sie da nicht zurückstehen. Richter Peter Noll hörte sich das Gezanke kopfschüttelnd an und unterbrach die Verhandlung bis nach der Mittagspause. Dann will er eine Entscheidung über den Razzia-Antrag verkünden. Ob dann endlich mit den Plädoyers begonnen werden kann, ist noch unklar.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%