Klage gegen die Abwicklungsbank: Heta fürchtet die Insolvenz

Klage gegen die Abwicklungsbank: Heta fürchtet die Insolvenz

, aktualisiert 17. März 2016, 19:45 Uhr
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Bekommt die Hypo Real Estate recht, könnte das zur Insolvenz des Hypo-Alpe-Adria-Nachfolgers Heta führen.

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Heta-CEO Prinz von Schoenaich-Carolath stellt klar: Die Abwicklungsbank der Hypo Alpe Adria will nicht Opfer der Hypo Real Estate werden. Das Landgericht entscheidet am Freitag über die Klage der Frankfurter Bad Bank.

WienMit Bangen erwartet die österreichische Heta Asset Resolution AG, Abwicklungsbank der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria, den Urteilsspruch des Frankfurter Landgerichts am Freitagmittag. Dort klagt die FMS Wertmanagement, die Bad Bank der Hypo Real Estate, als Gläubigerin. Die Heta ist wegen des wahrscheinlichen Richterspruchs in höchster Alarmbereitschaft.

„Wir befürchten einen durch das Urteil in Gang gesetzten Prozess, der unbeabsichtigt zur Insolvenz der Heta führen kann“, sagte Heta-CEO Sebastian Prinz von Schoenaich-Carolath dem Handelsblatt in Wien. „Die vorläufige Vollstreckbarkeit der Entscheidung des Landgerichts Frankfurt birgt die Gefahr, die Heta in die Insolvenz zu schicken. Das wäre für die Gläubiger der Heta fatal.“ Bei einer Insolvenz würden alle Gläubiger schlechter dastehen als bei einer geordneten Abwicklung.

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Sollte das Urteil sofort vollstreckt werden, können Gläubiger selbst bei einer Berufung der Heta auf Vermögenswerte der Bad Bank der Hypo Alpe Adria zugreifen. Dafür müssten sie eine entsprechende Sicherheit hinterlegen. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) könnte dann gezwungen sein, eine Insolvenz der Heta anzuordnen, da es sonst zu einer Ungleichbehandlung der Gläubiger käme kommen würde. Schließlich würden nur diejenigen Gläubiger Geld erhalten, die auch erfolgreich vor dem Gericht in Frankfurt geklagt haben. Insgesamt sind in Frankfurt Klagen von elf Gläubiger-Gruppen gegen die Heta anhängig. Der Gesamtstreitwert beläuft sich laut Heta auf rund 2,2 Milliarden Euro.

Prinz von Schoenaich-Carolath warnt die Gläubiger vor einem aus seiner Sicht großen Risiko. „Sollte es zu einer Insolvenz kommen, droht ein Wertverlust von mehreren hundert Millionen bis zu einer Milliarde Euro, da wir nicht wie geplant die Assets geordnet verwerten können“, sagte der Heta-CEO dem Handelsblatt in Wien. „Wir wollen eine geregelte Abwicklung vorantreiben. Alles andere ist ein Spiel mit dem Feuer.“ Denn ein Insolvenzverwalter würde die Darlehen, aber auch werthaltigen Immobilien wie Einkaufszentren und Bürohäuser möglichst schnell und damit unter dem Marktwert losschlagen.

Auch für die FMS könnte der Richterspruch unangenehme Folgen haben. „Wenn ein Gläubiger indirekt eine Insolvenz der Heta auslösen würde, muss er auch für die Folgen einstehen. Das hätte eine Prozesslawine zur Folge. Dabei verdienen nur die Anwälte, die Gläubiger verlieren hingegen Geld“, warnt Prinz von Schoenaich-Carolath. „Gläubiger würden mit einer Vollstreckung das hohe Risiko eingehen, selbst in Haftung genommen zu werden, weil sie verschuldensunabhängig andere Gläubiger schädigen. Das wäre insbesondere für das Land Kärnten, aber auch für einen Insolvenzverwalter und für andere Gläubiger ein aufgelegter Elfmeter.“


„Wir arbeiten nicht für Kärnten oder Österreich“

In Wiener Finanzkreisen wird spekuliert, dass die FMS durchaus bewusst die Heta in die Insolvenz treiben könnte, um den politischen Druck auf die österreichische Regierung zu erhöhen. Erst vor wenigen Tagen hatten die Gläubiger ein Rückkaufangebot von Kärnten für ihre Anleihen ausgeschlagen. Sie verlangen die vollständige Rückzahlung der Bonds und nicht nur 75 Prozent wie von den Österreichern angeboten. Das strukturschwache Kärnten kann die schlagend werdenden Bürgschaften von elf Milliarden finanziell nicht stemmen. Schließlich hat das südösterreichische Bundesland nur einen Haushalt von rund zwei Milliarden. Bislang lehnte es aber die österreichische Regierung in Wien ab, für Kärnten zu haften.

FMS, Nachfolgerin der Hypo Real Estate, reichte im März 2015 in Frankfurt Klage gegen die Heta ein, nachdem diese eine fällige Anleihe nicht zurückgezahlt hatte. Die Bad Bank der Hypo Alpe Adria ist nicht allein. In Deutschland gibt es zahlreiche Gläubiger der einst vom Rechtspopulisten Jörg Haider geförderten Hypo Alpe Adria. Darunter sind die Commerzbank, die Hypo-Vereinsbank und Töchter der Allianz und der Munich Re. Im Frühjahr hatte die österreichische FMA ein Moratorium verfügt und alle Zahlungen an die Gläubiger eingestellt. In dem Streit es um elf Milliarden Euro.

Geht nach der Heta sollten sich die Gläubiger in Geduld üben. „Bei der Abwicklung liegen wir bei den Erlösen über Plan und bei den Kosten darunter“, sagte Prinz von Schoenaich-Carolath am Donnerstag in Wien. „Wir arbeiten nicht für Kärnten oder Österreich, sondern für alle - für die Republik, für Kärnten, für die Gläubiger. Unsere alleinige Aufgabe ist die bestmögliche Verwertung der Assets.“ Die Kritik an den angeblich zu niedrigen Preisen weist der Heta-Chef und sagte an die Adresse seiner Kritiker: „Die Preise, die wir erzielen, sind gut.“

In knapp drei Jahren sollen 80 Prozent der Assets verkauft worden sein. Bis Ende 2020 will der aus Deutschland stammende CEO das Kapitel weitgehend geschlossen haben. Ziel der Bad Bank ist es, aus den Resten 6,3 Milliarden Euro zu erlösen. Bis Ende des Jahres soll die Heta noch 830 Mitarbeiter haben. Das ist rund die Hälfte der Belegschaft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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