Klimawandel auf den Salomonen: Inseln, die im Meer versinken

Klimawandel auf den Salomonen: Inseln, die im Meer versinken

, aktualisiert 30. Oktober 2016, 10:35 Uhr
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An den Salomonen ist der Meeresspiegel dreimal so stark gestiegen wie im weltweiten Durchschnitt.

Quelle:Handelsblatt Online

Wie viele Millimeter steigt der Meeresspiegel durch den Klimawandel? Experten forschen und prognostizieren, aber für die Menschen auf den Salomonen-Inseln im Pazifik geht es längst ums Überleben.

HoniaraRobert Satu hat sein Leben lang in seinem Fischerdorf mit ein paar Dutzend Hütten auf den Salomonen-Inseln in der Südsee gelebt. „Von der Straße bis zum Meer, das waren immer gut 120 Meter“, sagt der Dorfälteste in einem Dokumentarfilm über die Folgen des Klimawandels. „Heute ist es noch die Hälfte. Das Meer drängt uns Richtung Straße, aber viel weiter können wir nicht. Irgendwann müssen wir gehen. Ich habe Angst.“

Die Salomonen, das ist ein Staat mit Hunderten von Inseln und gut einer halben Million Einwohnern, sechseinhalb Flugstunden nordöstlich von Sydney in Australien gelegen. „Entdecken Sie das beste Geheimnis der Welt“, lockt die Tourismusbehörde und macht mit Palmen, Kokosnüssen und langen Sandstränden Reklame.

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„Radio Happy Islands“ heißt der Hauptsender. Doch haben die Salomonen jetzt ein trauriges Kapitel der Klimawandel-Geschichte geschrieben. Wissenschaftler haben hier erstmals hieb- und stichfest den Verlust von fünf Inseln wegen steigender Meeresspiegel dokumentiert, wie sie im Frühjahr im Fachjournal „Environmental Research Letters“ berichteten. Auf sechs weiteren Inseln versinkt immer mehr Küste im Meer.

Die fünf verschwundenen Inseln zwischen einem und fünf Hektar waren nicht bewohnt, aber mit mindestens 300 Jahre alten Wäldern bewachsen, wie die australischen Wissenschaftler berichten. Auf der Insel Nuatambu, auf der 25 Familien leben, seien seit 2011 elf Häuser fortgespült worden.

„Dies ist der erste wissenschaftliche Beweis, der die dramatischen Folgen des Klimawandels bestätigt, von dem viele Menschen im Pazifikraum berichten“, schreiben die Forscher um Simon Albert von der University of Queensland. „An den Salomonen ist der Meeresspiegel dreimal so stark gestiegen wie im weltweiten Durchschnitt: 7 bis 10 Millimeter pro Jahr seit 1994.“

„Früher haben die Fischer die Mangroven an den Küsten abgeschlagen, um besser anlanden zu können, und irgendwo im Wald ein paar Nutzpflanzen angebaut“, sagt der Direktor des Klimawandelprogramms der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in der Pazifik Region, Wulf Killmann. „Das ging, als die Bedingungen noch verlässlich waren und die Bevölkerung überschaubar.“


Hilfsprojekte sollen die Folgen des Klimawandels abmildern

Der Klimawandel hat aber verheerende Folgen: stärkere Regenfälle, die das Erdreich an den Hängen abrutschen lassen; Niederschläge, durch die die dort üblicherweise angebauten Nutzpflanzen absaufen; Küstenerosion durch Stürme, die unberechenbarer geworden sind als früher; Korallensterben unter anderem durch höhere Wassertemperaturen.

Durch das Sterben der Korallen schwinden die Fischbestände dramatisch, wie eine Studie der Wissenschaftsorganisation der Pazifikstaaten (SPC) zeigt. Zugleich müssen bei rasantem Bevölkerungswachstum immer mehr Menschen ernährt werden. Die GIZ hat einige Projekte angestoßen, vor allem auf der Insel Choiseul, die von 1985 bis 1899 deutsche Kolonie war.

In Pflanzschulen werden etwa neue Sorten von Knollengewächse wie Taro, Yams, Maniok und Süßkartoffel gezogen, die bei starkem Regen nicht eingehen, wie Killmann sagt. An den Hängen werden im rechten Winkel zum Hang Gräser gepflanzt. Sie fangen durch starke Regenfälle abrutschende Erde auf und bilden so natürliche Terrassen, die besser bepflanzt werden können.

Vor den Küsten werden senkrechte Seile gespannt, an einem Ende ein schweres Gewicht, das auf den Meeresboden sinkt, am anderen ein Schwimmer für die Wasseroberfläche. An den Seilfasern sammelt sich Plankton. Das zieht Fische an.

Solche Programme helfen den Menschen etwas, die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Aufhalten lässt er sich aber nur durch Reduzierung der klimaschädlichen Emissionen. Doch darauf haben die Menschen auf den Salomonen kaum Einfluss – sie leiden unter den Folgen einer Entwicklung, für die andere Staaten mit ihren Treibhausgas-Emissionen maßgeblich verantwortlich sind.

Quelle:  Handelsblatt Online
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