Klimawandel gefährdet Baumbestand: Kein Klima für die Alaska-Zeder

Klimawandel gefährdet Baumbestand: Kein Klima für die Alaska-Zeder

, aktualisiert 11. Januar 2017, 12:42 Uhr
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In den USA wird bereits erwogen, den Baum mit seinem auffallend gelblichen Holz auf die Liste der bedrohten Spezies zu setzen.

Quelle:Handelsblatt Online

Alaska-Zedern, bekannt für ihr gelbliches Holz, sind geschätzt für ihren kommerziellen und kulturellen Nutzen. Jetzt schlagen Wissenschaftler Alarm: Die Erderwärmung lässt immer mehr dieser Bäume sterben.

AnchorageEine Baumart, die in feuchtem Boden von Alaska bis Nordkalifornien gedeiht und wegen ihres kommerziellen und kulturellen Nutzens hoch geschätzt ist, könnte im Laufe der nächsten 50 Jahre dem Klimawandel zum Opfer fallen. Es ist die Nootka-Scheinzypresse, auch als Alaska-Zeder bekannt. In den USA wird bereits erwogen, den Baum mit seinem auffallend gelblichen Holz auf die Liste der bedrohten oder gefährdeten Spezies zu setzen.

Eine im Journal „Gobal Change Biology“ veröffentlichte Studie hat ein verbreitetes Sterben der Baumart beobachtet – und zwar in etwa sieben Prozent der Gebiete, in denen die Alaska-Zeder heimisch ist. Darunter sind auch solche, in denen der Baum besonders häufig vorkommt. Der Grund: Die Wurzeln erfrieren, weil schützende Schneedecken schmelzen und der Boden dadurch kälter wird. Und mit zunehmender Klimaerwärmung, so die Forscher, wird sich das Sterben wahrscheinlich fortsetzen.

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„Der Mangel an Schnee wird immer weiter zunehmen“, sagt Brian Buma von der University of Alaska Southeast, ein Experte für Wald-Ökosysteme und leitender Autor der Studie. Demnach wird erwartet, dass die Wintertemperaturen bis 2070 in rund 50 Prozent der Gebiete, die derzeit für die Nootka-Scheinzypresse geeignet sind, ansteigen und Schnee zunehmend in Regen übergeht. Der Bestand dieser Baumart geht nach Angaben der US-Forstbehörde etwa seit 1880 zurück, und ihre Verwundbarkeit gilt als eine der am besten dokumentierten Beispiele für die Auswirkungen des Klimawandels auf eine Waldbaumart.

Die Alaska-Zedern zählen – trotz ihres „zweiten“ Namens – nicht zu den Zedern, die der Kiefern-Familie angehören, sondern sind eine Zypressenart. Sie können gut 60 Meter hoch und mehr als 1200 Jahre alt werden.

Die einheimischen Völker der Tlingit, Haida und Tsimshian verwendeten das Holz für Kanu-Paddel, Werkzeuggriffe und Totempfähle. Längliche Streifen Borke eignen sich zum Flechten von Körben und Matten. Sie lassen sich von lebenden Bäumen ablösen, ohne ihren Tod zu verursachen oder ihr Wachstum zu beeinträchtigen.

Die langsam wachsenden Bäume fanden historisch in der Nähe von Sümpfen einen Lebensraum, weil der Boden dort für andere Baumarten ungeeignet war. „An anderen Orten wird sie (die Alaska-Zeder) generell von schnell wachsenden Fichten oder von Hemlocktannen ausgebootet, die auch in weniger Licht wachsen können“, sagt Buma.


„Das ist aberwitzig“

Die Studie von Wissenschaftlern aus den US-Staaten Alaska, Washington und Kalifornien sowie aus der kanadischen Provinz British Columbia zeigt das Ausmaß und die Orte des Baumsterbens in Kanada und den Vereinigten Staaten auf. Auf einer Fläche von mehr als 4000 Quadratkilometern mit Alaska-Zedern – zumeist nördlich von Vancouver Island in British Columbia – wurde eine Sterblichkeit von über 70 Prozent beobachtet. Damit verbleiben zwar noch 52.000 Quadratkilometer, aber viele der Bäume werden verwundbar sein, wenn die vorausgesagte Erwärmung eintritt.

Die Wissenschaftler entdeckten wenig Baumsterben in höher gelegenen Gebieten der US-Staaten Washington und Oregon, wo die Schneedecken nicht dünner geworden sind und die Wurzeln somit nicht Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ausgesetzt waren. Es gibt auch einige Gebiete, so in Teilen von Vancouver Island, wo kein Schnee liegt und Alaska-Zedern wachsen. Dort aber sinkt die Quecksilbersäule niemals so tief, dass die Wurzeln gefrieren, wie Buma erläutert.

Die Auswirkungen des Klimawandels auf diese Baumart haben Wissenschaftler veranlasst, auch andere möglicherweise verwundbare Bäume mit Flachwurzeln genauer unter die Lupe zu nehmen – so etwa Zuckerahorn und Gelb-Birken. Die US-Forstbehörde arbeitet an einem Baumatlas, der 132 Arten umfasst und deren derzeitige und künftige Verteilung unter Berücksichtigung der Klimawandel-Prognosen dokumentiert. Eine Entscheidung darüber, ob die Alaska-Zeder als bedroht oder gefährdet eingestuft wird, soll im September 2019 fallen.

Owen Graham, Vorsitzender des Alaska Waldverbands, einer Handelsvereinigung der Holzindustrie, ist gegen einen solchen Schritt. Das Sterben von Alaska-Zedern im vergangenen Jahrhundert sei in Phasen erfolgt und natürlich gewesen, sagt er. Gestorbene Bäume seien durch neue ersetzt worden. „Die ganz Sache ist nichts anderes als ein dummer Versuch, die Versorgung mit Holz noch komplizierter zu machen“, sagt er. „Das ist aberwitzig.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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