Klinikmarkt: Patienten wollen digitale Helfer am Krankenbett

Klinikmarkt: Patienten wollen digitale Helfer am Krankenbett

, aktualisiert 14. April 2016, 09:02 Uhr
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Digitale Helfer im Krankenhaus wünschen sich auch immer mehr Patienten, zeigt eine Studie.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

In Krankenhäusern gibt es zahlreiche Digitalisierungstrends. Telemedizin und Vernetzung sind Beispiele dafür. Immer mehr Patienten wünschen sich mehr Einsatz von High-Tech bei ihrer Behandlung, zeigt eine Exklusivstudie.

FrankfurtPatienten sind mündig und wählerisch zugleich. Daher wollen sie ihre Behandlung auch immer öfter mitgestalten. Außerdem erwarten sie von der Klinik, in die sie sich einweisen lassen, den Einsatz digitaler Technologien. Diese soll die Diagnostik fachlich unterstützen und die Qualität der Behandlung steigern.

Das sind zentrale Ergebnisse einer Untersuchung der Unternehmensberatung Bearing Point. Die Firma hat im März mehr als 1000 Personen im Alter zwischen 18 und 69 Jahren zu ihrem Patientenverhalten interviewt. Zudem haben sie die Teilnehmer nach ihren Erwartungen in Bezug auf Digitalisierungstrends im Krankenhaus gefragt.

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„Wir wollten mit der Studie herausfinden, welche Zielsetzungen digitale Innovationen aus Patientensicht erfüllen sollen”, sagt Ralf Dillmann, Partner bei der Unternehmensberatung. Er ist für den Bereich Life Science verantwortlich.

Dabei sei man von zwei Annahmen ausgegangen: Zum einen, dass der Patient bereit ist, mehr Gesundheitsdaten von sich preiszugeben, wenn er einen persönlichen Nutzen darin sieht. Und zweitens, dass der Patient in Zukunft immer mehr bei seiner Behandlung mitsprechen wolle, so Dillmann.

Dass der Patient den Einschätzungen der Götter in Weiß längst nicht mehr ohne Widerrede folgt, spiegeln die Umfrageergebnisse klar wider: 81 Prozent der Befragten geben an, die Entscheidungen ihrer Ärzten zu hinterfragen. 72 Prozent sagen, dass sie ihre Behandlung aktiv mitgestalten. Die Mehrheit holt zudem Zweitmeinungen bei anderen Ärzten ein. 57 Prozent der Befragten geben hier ihre Zustimmung.

Digitale Innovationen spielen für Patienten nur dann eine wichtige Rolle, wenn sie auch die Behandlungsqualität verbessern. So geben 80 Prozent der Befragten an, dass Kliniken sich künftig beispielsweise digitale Unterstützung bei der Diagnose holen sollten, um ihre Leistung zu verbessern.

Der Arzt am Krankenbett, der via Tablet die elektronische Patientenakte mit ähnlich gelagerten Fällen oder einer wissenschaftlichen Datenbank abgleicht – solche Szenarien, wie sie etwa IBM mit dem Supercomputer Watson anbietet, können sich die Patienten sehr wohl vorstellen. Vor allem wenn es darum geht, Fehler vermeiden zu können, erwartet die Mehrheit der Befragten den Einsatz von digitalen Technologien im Krankenhaus. Ebenso bei der Optimierung interner Abläufe. Mehr als zwei Drittel der Befragten würden es auch begrüßen, wenn die Überwachung der Vitalwerte von Patienten daheim möglich gemacht würde.


Bessere betreut vom Haus- als vom Klinikarzt

Für Bearing-Point-Berater Ralf Dillmann sind diese Ergebnisse ein klares Signal, wie sich Krankenhäuser im Wettbewerb künftig aufstellen müssen: „Krankenhäuser, die mit digitalen Technologien erfolgreich sein wollen, sollten sie am Nutzen des Patienten ausrichten. Wenn er von den Angeboten profitiert, steigt auch die Chance, dass er für weitergehende Angebote der Klinik wie etwa Gesundheitsapps auch bereit ist zu zahlen.
Solche Ansätze könnten der Klinik letztlich auch helfen, ihre Investitionen in digitale Technologien zu refinanzieren, so Dillmann: „Denn allein durch Effizienzsteigerungen wird das nicht gelingen”. Der Berater erwartet, dass künftig immer mehr Kliniken mit Partnern kooperieren werden, um solche Serviceangebote für Patienten aufbauen zu können.

Übrigens haben die Krankenhäuser noch eine große Chance nicht ausreichend genutzt, um sich beim Patienten zu empfehlen. Wie die Befragung von Bearing Point zeigt, fühlen sich Patienten von ihren Fach- und Hausärzten weit besser informiert, als von den Krankenhäusern. Während Fach- und Hausärzte mit 64 bis 69 Prozent Zustimmung vergleichsweise positiv abschneiden, fühlen sich beim Krankenhaus nur 36 Prozent der Befragten gut oder sehr gut informiert.

„Krankenhäuser müssen ihr Informationsangebot für Patienten verbessern”, meint Bearing-Point-Partner Dillmann. „Die Spezialisierung im Krankenhaussektor wird zunehmen. Hier liegt eine große Chance für die Kliniken als relevante Anlaufstelle für Informationen von den Patienten wahrgenommen zu werden.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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