Kommentar Deutsche Bank: Allenfalls eine Atempause

Kommentar Deutsche Bank: Allenfalls eine Atempause

, aktualisiert 27. Oktober 2016, 09:49 Uhr
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Der Chef der Deutschen Bank überrascht mit einem Gewinn im dritten Quartal, hat aber noch eine Menge Arbeit vor sich.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Überraschend, aber wahr: Die Deutsche Bank kann positiv überraschen. Ein genauerer Blick zeigt: Die Bank macht Gewinne in Bereichen, in der Kürzungen geprüft werden, und verdient in stabileren Geschäftsfeldern weniger.

FrankfurtNach einer ganzen Serie negativer Meldungen hat das größte Kreditinstitut im dritten Quartal mit einem Gewinn aufgetrumpft. Damit hatten die wenigsten Finanzprofis gerechnet, Analysten hatten im Durchschnitt mit 600 Millionen Euro Verlust gerechnet. Auch die dünne Kapitaldecke konnte die Bank ein wenig aufpäppeln. Das dürfte Balsam für die gebeutelten Aktionäre und die tief verunsicherten Mitarbeiter des Instituts sein.

Mehr als eine willkommene Atempause ist der dritte Quartalsbericht jedoch nicht. Ein genauerer Blick in das Zahlenwerk zeigt: Die Bank verdankte es in erster Linie einem guten Ergebnis im Anleihehandel, also genau dem Bereich, der durch strengere regulatorische Vorschriften für Banken eher unattraktiver wird und in dem die Deutsche Bank weitere Kürzungen prüft. Dagegen hat die Bank mit stabileren Geschäftsfeldern wie dem Transaction Banking und dem Asset Management – rechnet man den Beitrag des verkauften Versicherers Abbey Life heraus - weniger verdient.

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Wie ein nachhaltiges Geschäftsmodell für die Deutsche Bank aussehen könnte, ist mit Vorlage der Quartalszahlen jedenfalls nicht beantwortet. Die Frage nach der künftigen Strategie bleibt damit die Gretchenfrage für das Geldhaus. Nur lässt sich diese Frage bis auf weiteres kaum beantworten: Bevor die Deutsche Bank nicht ihre wichtigsten Rechtsrisiken mit den Behörden beigelegt hat, wird die Bank sich kaum dazu äußern.

Doch bis das geschieht, könnte es noch dauern. Es gilt als zunehmend unwahrscheinlich, dass die Bank den Streit mit den US-Behörden um fragwürdige Hypothekengeschäfte noch vor der Präsidentschaftswahl am 8. November beenden kann. Und das ist eine extrem schlechte Nachricht. Denn seit im September die Anfangsforderung des Justizministeriums von 14 Milliarden Dollar durchgestochen wurde, schlägt der Deutschen Bank unverhohlenes Misstrauen seitens ihrer Aktionäre, ihrer Kreditgeber und sogar ihrer Kunden entgegen.

Zwar dürfte die endgültige Strafsumme deutlich unter diesem Anfangsbetrag liegen, doch bis dahin steht diese Zahl erst einmal im Raum. Und da die Bank eine Summe in dieser Höhe nicht zahlen könnte, jedenfalls nicht ohne eine kräftige Kapitalspritze, musste sich die Bank sogar gegen Gerüchte wehren, der Staat müsse sie demnächst retten. Was das bedeutet, hat die Bank in ungewohnter Deutlichkeit in ihrem Quartalsbericht geschildert: Spät im dritten und auch noch zu Beginn des vierten Quartals litt das Institut danach unter einem Rückgang im Geschäftsvolumens und dem Abfluss von Vermögenswerten, sowohl was die Kapitalmarktsparte anbelangt als auch das Wealth Management.

Zwar hat sich dieser Trend mittlerweile nachgelassen und sich teilweise sogar wieder umgedreht. Doch bis zu einer Einigung mit dem US-Justizministerium bleiben hohe Geldbußen das Damoklesschwert, das über der Bank schwebt. Wie leicht Misstrauen wieder aufleben kann, zeigte gerade erst ein Bericht in der „Financial Times“: Danach hat die Bank of England große britische Banken dazu aufgefordert, ihr Engagement bei der Deutschen Bank und bei den größten italienischen Instituten einschließlich der Krisenbank Monte Paschi detailliert offenzulegen.

Damit haben die englischen Bankenaufseher die Deutsche Bank quasi als tendenziell riskantes Engagement abgestempelt. Kein Wunder, dass Vorstandschef John Cryan die Beilegung von Rechtsstreitigkeiten gegenüber Analysten erneut als „Top-Priorität“ bezeichnete. Bevor das nicht erledigt ist, bleibt die Zukunft der Deutschen Bank eine Black Box.

Quelle:  Handelsblatt Online
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