Kostenloses Upgrade: So gelingt der Umstieg aufs neue Windows 10

Kostenloses Upgrade: So gelingt der Umstieg aufs neue Windows 10

, aktualisiert 19. April 2016, 11:59 Uhr
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Mit dem neuen Betriebssystem bügelt Microsoft alte Fehler aus – so gibt es wieder ein Startmenü.

von Christof KerkmannQuelle:Handelsblatt Online

Alles auf die 10? Microsoft will die Nutzer vom Upgrade auf Windows 10 überzeugen. Doch nicht immer klappt die Installation, nicht immer ist sie sinnvoll. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen der Handelsblatt-Leser.

Düsseldorf„Lassen Sie sich dieses befristete Angebot nicht entgehen“: Microsoft wirbt massiv für sein Betriebssystem Windows 10. Noch knapp 100 Tage, also bis zum 29. Juli bekommen Nutzer ein kostenloses Update, wenn sie einen Rechner mit Windows 7, 8 oder 8.1 haben. Der Softwarekonzern will so eine möglichst große Basis schaffen – um Cloud-Dienste wie Office 365 zu vermarkten und Entwickler zur Programmierung von Apps zu motivieren. Dafür übt Microsoft inzwischen sogar sanften Zwang aus: Seit einigen Wochen wird Windows 10 als „empfohlenes Update“ angezeigt, die Dateien lädt das System im Hintergrund bereits auf den Rechner.

Angesichts dieser massiven Werbung stellt sich für viele Nutzer die Frage: Lohnt sich das Upgrade? Wo gibt es Probleme? Wie lässt es sich verhindern? Und welche Alternativen bieten sich eigentlich an? Die wichtigsten Antworten.

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Erst gucken, dann klicken

Es ist an sich eine sinnvolle Funktion: Wenn Windows-Nutzer automatisch Updates einspielen, ist ihr Rechner stets auf dem aktuellen Stand und damit auch besser vor Pannen und Hackerangriffen geschützt. Wenn die optionalen Updates eingeschlossen sind, wird allerdings auch das mehrere Gigabyte große Windows-10-Paket heruntergeladen – misslich für alle, die wenig Platz auf der Festplatte oder ein begrenztes Datenvolumen haben.

Ein Handelsblatt-Leser schreibt etwa, dass ihm monatlich nur fünf Gigabyte zur Verfügung stehen: Weil es in der Ortschaft kein schnelles Internet gibt, nutzt er Surfsticks verschiedener Anbieter. „Nachdem sich der Download ohne mein Einverständnis vorbereitete, habe ich alle Versuche seitens Microsoft abgebrochen.“ Auf seinem Rechner mit Windows 8.1 lädt er die Updates nun nur noch manuell.

Auch den Zeitpunkt zum Upgrade sollte man klug wählen. Es installiert sich zwar nicht selbst, Anwender müssen zunächst den Lizenzbedingungen zustimmen. Aber nach einem Klick auf „OK“ geht es los, wie ein PC-Nutzer mit Windows 7 feststellen musste – „im irrigen Glauben, für die definitive Installation ein weiteres OK geben zu können“. Dabei benötigte er das Gerät kurzfristig. „Das hat mir ein paar Stunden Schlaf geraubt“, berichtet er. Glücklicherweise lief im Nachhinein alles. Sein Fazit: „Zur Installation einen verregneten Sonntag abwarten.“

Tipps:

• Wer ein begrenztes Datenvolumen hat, sollte die optionalen Updates zumindest zwischenzeitlich ausschalten und die Dateien beispielsweise bei einem Freund im WLAN herunterladen. Oder dort einen USB-Stick mit einem installierbaren Windows einrichten.

• Das Upgrade lässt sich vollständig verhindern, etwa indem man das Update-Programm von Microsoft deinstalliert. Eine Anleitung finden Sie beispielsweise hier.

• Das Upgrade dauert rund eine Stunde, mit allem drum und dran auch mehr. Daher sollte man ausreichend Zeit einplanen – am besten auch für die Datensicherung, die nicht nur vor so einer Installation, sondern generell empfehlenswert ist.


Die Installation hakt auf manchen Rechnern

Im besten Fall stoßen Nutzer die Installation über das kleine Windows-10-Logo an, das unten rechts erscheint, klicken „OK“ und haben einige Zeit später das neue Betriebssystem auf ihrem Rechner.

So läuft es allerdings nicht immer. So erscheint das Symbol manchmal nicht. Und auch bei der Installation selbst kann etwas schiefgehen. Ein Nutzer hat beispielsweise regelmäßig das Update-Paket auf seinen HP-Rechner mit Windows 7 heruntergeladen und installiert – „im letzten Schritt wird aber die Windows-7-Version wiederhergestellt“, berichtet er. Selbst ein befreundeter Systemadministrator konnte nicht helfen. „Nach vier vergeblichen Versuchen habe ich aufgegeben.“

Das ist kein Einzelfall. „Windows muss auf tausenden unterschiedlichen Konfigurationen laufen – da kann es schon mal zu Problemen kommen“, sagt Daniel Erler, Redakteur bei der Firma Omcon 24, die ein großes Windows-10-Forum betreibt. Für manche Hardwarekomponenten seien die Treiber noch nicht angepasst worden – gerade bei älteren Bauteilen sei es möglich, dass keine Aktualisierung mehr erfolge.


Tipps:

• Wenn die App zur Windows-10-Installation nicht angezeigt wird, kann es daran liegen, dass bestimmte Updates noch fehlen. Der Hersteller rät in diesem Fall dazu, alle verfügbaren Aktualisierungen zu installieren.

• Damit alles reibungslos läuft, muss der Computer die Systemanforderungen erfüllen, die Microsoft hier auflistet. Das Installationsprogramm, das sich auf dem Desktop unten rechts mit einem Windows-Logo zu Wort meldet, kann die Kompatibilität ebenfalls überprüfen.

• Bestimmte Faktoren können die Installation behindern, etwa fehlende Treiber, Virenscanner und Tuningprogramme oder eine volle Festplatte. „Es gibt leider kein Patent-Rezept für eine gelingende Installation“, sagt Windows-Experte Erler. Er empfiehlt, eine Checkliste zu beachten, die Nutzer im Win-10-Forum finden – damit könne man 99 Prozent aller Probleme beheben.


Einige liebgewonnene Funktionen verschwinden

Viele Nutzer machen positive Erfahrungen mit Windows 10. Ein Handelsblatt-Leser rüstet gleich drei Laptops ohne Probleme um, davon zwei, die bereits rund fünf Jahre alt waren. „Es war eine gute Entscheidung“, berichtet er: „Windows 10 gefällt mir besser, weil es schneller hochfährt als Windows 7 und übersichtlicher ist als Windows 8.1.

Es sind Erfahrungen, die auch viele andere machen – aber nicht alle. Etliche Nutzer berichten, dass nach dem Upgrade die Internetverbindung nicht mehr funktionierte. Das gilt teilweise auch für aktuelle Modelle: Ein Leser aktualisierte sein brandneues Dell-Notebook, auf dem Windows 8.1 vorinstalliert war, auf Windows 10. „Leider funktionierte danach mein WLAN-Empfang nur mehr phasenweise und spärlich.“ Zudem sei das System instabil gewesen. Auch der Kundenservice wusste keine Abhilfe – und empfahl, zur alten Version zurückzukehren.

Probleme kann es auch mit Programmen geben, die nicht für Windows 10 angepasst wurden. Ein Handelsblatt-Leser konnte zwar mit Office und Browser arbeiten. Wenn er aber mehrere exotische Anwendungen wie Flight Simulator und Squawk Box gleichzeitig nutzte, kam es häufiger zu Abstürzen. „Deswegen habe ich wieder Windows 7 installiert – jetzt ist alles OK.“

Nachtrauern dürfte mancher auch liebgewonnenen Funktionen. Ein Handelsblatt-Leser vermisst etwa die Möglichkeit aus Windows 7, mit ein paar Klicks ein Dokument zu scannen und als PDF zu speichern. Auch dass das System Musikdateien ungefragt mit der Microsoft-App Groove öffnet und dabei gleich Informationen im Internet sucht, nervt ihn. Außerdem verschwindet beim Upgrade der DVD-Player, Nutzer können ihn aber kostenlos aus dem App Store kostenlos herunterladen, wenn sie zuvor Windows 7, 8 oder 8.1 genutzt haben.

Tipps:

• Am besten sollten Nutzer schon vor der Einrichtung überprüfen, ob alle wichtigen Programme laufen. Dafür die Get-Windows-10-App mit dem eckigen Logo starten und auf „PC überprüfen“ oder „Ihr PC ist geeignet“ klicken. Mögliche Probleme werden dann genauso angezeigt wie Lösungsvorschläge.

• Falls es nach der Installation zu unerwarteten Problemen kommt, sollten Nutzer sich schnell überlegen, ob sie lieber weiter die alte Version verwenden wollen. Für einen Zeitraum von 31 Tagen lässt sich das Upgrade mit wenigen Klicks wieder rückgängig machen (Einstellungen > Update und Sicherheit > Wiederherstellung) – danach müsste das alte Betriebssystem umständlich neu installiert werden.

Wenn bestimmte Treiber nicht laufen – etwa für die WLAN-Verbindung –, sollten Nutzer zunächst auf der Support-Seite des Herstellers nachschauen. „Möglicherweise gibt es dort für die Hardware schon entsprechend für Windows 10 angepasste Treiber oder eben neue Software-Version“, sagt Windows-Experte Erler. Wenn das nichts bringt, hilft möglicherweise ein Forum im Internet weiter.

Wenn bestimmte Programme nicht auf Windows 10 laufen, bieten sich häufig Alternativen an. Statt des hauseigenen DVD-Abspielprogramms gebe es beispielsweise den kostenlosen VLC-Player, „der auf keinem Windows-PC fehlen darf“, sagt Erler.


MacOS und Linux sind Alternativen

Auch wenn es Millionen Menschen nutzen: Nicht jeder ist begeistert von Windows. Hersteller Microsoft wird von einigen Kritikern als Monopolist wahrgenommen, das neue Betriebssystem überträgt zudem etliche Nutzerdaten an den Hersteller – da ist schon der Vorwurf der Schnüffelei laut geworden.

Wer sich ohnehin einen neuen Rechner zulegen will, bekommt mit den Mac-Computern von Apple eine benutzerfreundliche, allerdings auch vergleichsweise teure Alternative. Kostenlos erhältlich sind dagegen diverse Linux-Varianten, die Fachleute als Distributionen bezeichnen. Sie lassen sich auch auf alten Windows-Rechnern installieren.

Handelsblatt-Leser Wolf Seiboth ist überzeugter Nutzer des offenen Betriebssystems. Für Umsteiger empfiehlt er beispielsweise Linux Mint, das eine Arbeitsumgebung biete und sich einfach bedienen lasse. „Die Arbeitsumgebung ist für Umsteiger ohne große Schwierigkeiten zu meistern, da Desktop und Startmenü als zentrale Elemente wie gewohnt zur Verfügung stehen.“ Ubuntu sei eine Wahl für Mutigere, die sich nicht vor einer optischen Umgewöhnung scheuen. Beide „bringen eine hervorragende Hardwareunterstützung mit, die – außer bei exotischer Hardware – kein Nachinstallationen verlangt.“ Eine Anleitung, welche Distribution die richtige ist, bekommen Nutzer auf der Website Distrochooser.

Allerdings hat auch Windows seine Vorteile. „Für absolut unerfahrene Nutzer empfehle ich Apple, weil alles zusammenpasst“, sagt zwar auch Technikexperte Erler. „Aber bei Microsoft gibt es deutlich mehr Möglichkeiten und Konfigurationen – das ist das Betriebssystem für die große Masse.“

Tipps:

• Die Mac-Rechner von Apple sind relativ einfach zu bedienen. Wer im Alltag mit dem PC arbeitet, muss sich allerdings umgewöhnen (einige Tipps finden Sie beispielsweise hier). Zudem laufen nicht alle Anwendungsprogramm auf dem Mac. Nutzer sollten also überprüfen, welche Software sie installieren wollen.

• Wer Linux ausprobieren will, kann die offene Software parallel zu Windows auf seinem Rechner installieren und beim Starten entscheiden, welches Betriebssystem er nutzen will. Das geht entweder auf einer separaten Partition der Festplatte oder in einer virtuellen Maschine.

• Bei Linux gilt noch mehr: Nicht jedes Programm ist für das offene Betriebssystem angepasst. Das sollten Nutzer vor einer Umstellung bedenken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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