Krankenhaus vs. Praxis: Welcher Arzt verdient mehr?

Krankenhaus vs. Praxis: Welcher Arzt verdient mehr?

, aktualisiert 25. Januar 2016, 13:49 Uhr
Bild vergrößern

Immer mehr Mediziner scheuen das Risiko, eine eigene Praxis zu eröffnen.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Wer verdient eigentlich mehr – der angestellte Krankenhausarzt oder der niedergelassene Mediziner in der eigenen Praxis? Zwei aktuelle Studien liefern widersprüchliche Erkenntnisse.

FrankfurtKnapp ein Viertel der niedergelassen Ärzte geht bis 2020 in den Ruhestand. Jede Menge Nachwuchs wird also gebraucht, gemessen an der Zahl der knapp 100.000 Arztpraxen in Deutschland. Viele Mediziner finden es aber nicht mehr attraktiv, eine eigene Praxis zu gründen. Immer mehr von ihnen entscheiden sich für eine Anstellung und gegen die Niederlassung, wie die Erhebungen der Bundesärztekammer zeigen. Die Mediziner suchen ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf, Familie und Freizeit und scheuen das Risiko der Selbstständigkeit.

Rein finanziell betrachtet allerdings würden sich Ärzte mit einer eigenen Praxis besser stellen. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Apotheker-und Ärztebank. Das Institut hat für die Analyse Jahresabschlüsse von mehr als 1400 Allgemeinmedizinischen Praxen aus seiner Kundendatenbank ausgewertet.

Anzeige

Danach erzielte die Einzelpraxis eines Allgemeinmediziners im Jahr 2014 rund 167.100 Euro Praxisüberschussnach 155.600 Euro im Jahr zuvor. Der Praxisüberschuss (Honorareinnahmen minus Personal-, Raum-, Materialkosten sowie Zinsen) ist dabei laut Georg Heßbrügge, Bereichsleiter Gesundheitsmärkte und -politik bei der Apobank, in etwa mit dem Bruttoeinkommen eines Oberarztes zu vergleichen: Das lag laut dem letztem Vergütungsreport der Beratungsgesellschaft Kienbaum bei 126.000 Euro im Jahr 2014.

Das Zentralinstitut für die Kassenärztliche Versorgung (ZI) wiederum hat genau das Gegenteil ermittelt. Danach liegt der durchschnittliche Praxisüberschuss mit 117.100 Euro deutlich unter dem Bruttogehalt eines Klinikoberarztes, der laut Institut 135.000 Euro pro Jahr verdient.

Die Daten des Zentralinstituts aus dem Jahre 2013 basieren auf dem Praxispanel des Instituts, das regelmäßig 5500 Praxen quer durch alle Fachrichtungen zu Einnahmen, Kosten und Überschüssen befragt. „Während die Klinikärzte von Tariferhöhungen profitieren, verringert sich das Einkommen der Vertragsärzte durch stetig steigende Betriebskosten“, sagte Dominik von Stillfried, Geschäftsführer des Instituts im vergangenen November bei der Präsentation der Daten.


Ab dem ersten Jahr in die Gewinnzone

Das ZI sieht die Daten aus seinem Panel als Beweis dafür, dass die von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung geforderte Angleichung der Vergütung von Vertragsärzten und Klinikärzten längst überfällig sei. Die ambulante Behandlung von gesetzlich Versicherten werde nach wie vor schlechter vergütet als eine vergleichbar qualifizierte Tätigkeit im Krankenhaus, so von Stillfried.

Dass die Zahlen von ZI und Apobank so weit auseinanderliegen, hat verschiedene Gründe. Zum einen berechnet das ZI aus Gründen der Vergleichbarkeit alle Leistungen der Praxis zum Erstattungssatz der Behandlung von gesetzlich Krankenversicherten. Tatsächlich aber machen die Ärzte im ZI-Panel im Durchschnitt mehr als 20 Prozent ihrer Einnahmen mit Privatpatienten. Hinzu kommt, dass das Institut die Einnahmen auf eine normale Wochenarbeitszeit herunterbricht: Laut ZI arbeitet ein selbständig tätiger Arzt mit rund 49 Wochenstunden deutlich mehr als ein angestellter Mediziner.

So gegensätzlich die Schlussfolgerungen aus den Statistiken sind: De facto liegt die Zahlenbasis von ZI und der Apobank gar nicht so weit auseinander. Denn inklusive Privatpatienten ermittelt das ZI für die Praxis eines Allgemeinmediziners 2013 einen Jahresüberschuss von rund 145.400 Euro, die Apobank kommt im selben Jahr auf einen Wert von knapp 155.600. Dabei haben die Kunden der Bank einen leicht höheren Anteil an Einnahmen von Privatpatienten.

Ob die Verdienstmöglichkeiten nun mehr Ärzte zu dem Schritt in die Selbständigkeit bewegen, ist nicht absehbar. Die Apobank wertet die Ergebnisse ihrer Analyse naturgemäß als Argument dafür. „Die Entscheidung, ob sich ein Arzt selbständig macht, hängt natürlich von vielen Faktoren ab“, sagt Georg Heßbrügge von der Apobank. „Und geht es darum, deutlich zu machen, dass das wirtschaftliche Risiko kalkulierbar ist und nicht gegen eine Existenzgründung spricht.“

Denn nach den Daten der Bank waren die Allgemeinmediziner, die den Sprung in die Selbständigkeit gewagt haben, ab dem ersten Jahr in der Gewinnzone. Der Praxisüberschuss lag bereits im ersten Jahr nach Kauf oder Neugründung bei 134.000 Euro. Für diese Auswertung hat die Bank 250 Existenzgründungen von Hausärzten herangezogen, die durch sie 2014 finanziert wurden. Das entspricht mehr als 40 Prozent der Existenzgründungen von Allgemeinmedizinen 2014 überhaupt.

Quellle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%