Kreditdatenbank Anacredit: Eine Datenkrake macht Diät

Kreditdatenbank Anacredit: Eine Datenkrake macht Diät

, aktualisiert 18. Juli 2016, 19:40 Uhr
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Nach heftiger Kritik von Datenschützern müssen der zentrale Kreditdatenbank der EU weniger Informationen gemeldet werden.

von Michael BrächerQuelle:Handelsblatt Online

Ab September 2018 sollen Banken viele Kreditdaten an ein zentrales Register melden. Die Pläne für die „Datenkrake“ namens AnaCredit sorgten für Kritik. Jetzt hat die Bundesbank die Anforderungen entschärft.

FrankfurtKraken sind was für Feinschmecker. Auf den ersten Blick gilt das auch für die „Datenkrake“ AnaCredit. Hinter dem Namen verbirgt sich eine zentrale Kreditdatenbank, mit der die Europäischen Zentralbank (EZB) Informationen über die Darlehensvergabe von Banken sammeln will. Ein Thema für Statistiker, könnte man meinen – wenn AnaCredit nicht auch pikante Daten erfassen würde, die weit über andere Statistiken hinausgehen.

Die EZB-Regeln sehen etwa vor, dass Banken auch Daten über Kreditnehmer melden sollen, also etwa die Namen von Unternehmen, die Schulden bei der Bank machen. Angesichts des Datenumfangs hatten Politiker, Banker und Verbraucherschützer die Datensammelwut der Notenbanker in seltener Einigkeit kritisiert. Schnell war von der „Datenkrake“ die Rede – ein Label, mit dem die Notenbanker nicht sonderlich glücklich sind. Schließlich sollen die AnaCredit-Daten in Zukunft helfen, Finanzkrisen zu verhindern.

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Dazu sollen die Banken aber umfangreiche Datensätze an die Notenbanken melden, was Zeit und Geld kostet. Nun kommt die Deutsche Bundesbank den Kritikern ein Stück entgegen. Die Bundesbanker haben die EZB-Regeln für Institute in Deutschland konkretisiert und dabei etwas abgespeckt. Für rund 750 kleinere Banken soll es Erleichterungen geben, viele Daten müssen sie nicht melden. Statt 89 einzelner Merkmale sind nur 25 gefragt. Die übrigen Banken sollen aber ab September 2018 sämtliche geforderten Daten melden. Die Notenbanker lassen aber Gnade walten: Verpassen Banken die Frist, drohen ihnen zunächst keine Strafen.

Damit fällt der Datenhunger von AnaCredit geringer aus als zunächst befürchtet – zumal die Notenbanker den Umfang des Registers schon im Vorfeld beschnitten hatten. Anders als zunächst geplant werden Kredite an Privatleute etwa nicht erfasst. Betroffen sind nur Firmenkredite, deren Volumen über 25.000 Euro liegt. Diese Meldeschwelle soll auch für notleidende Kredite gelten. Ursprünglich wollte sich die EZB faule Kredite sehr viel kleinteiliger melden lassen: Die Untergrenze sollte bei nur 100 Euro liegen.

Die Banken meckern trotzdem über die neuen Meldepflichten. Dem Bundesverband der Volks- und Raiffeisenbanken (BVR) gehen die Ausnahmen nicht weit genug. „Angesichts der ohnehin sehr hohen bürokratischen Belastungen kleiner und mittlerer Institute durch die Regulierung hätten wir uns noch deutlichere Erleichterungen gewünscht“, sagt BVR-Vorstand Gerhard Hofmann.

Auch der Dachverband der deutschen Bankenverbände forderte, Doppelbelastungen zu vermeiden. „Die Bundesbank sollte deshalb prüfen, inwieweit bestehende Meldeanforderungen mit AnaCredit entfallen können“, teilten die Lobbyisten der Deutschen Kreditwirtschaft (DK) mit. Das will die Bundesbank zwar prüfen – bis dahin gelten die bestehenden Melderegeln aber weiter.

Die Notenbanker wollen mit den AnaCredit-Daten künftig besser beurteilen können, welche Folgen ihre Geldpolitik für die Wirtschaft hat. Auch unentdeckten Risiken wollen sie mit den Kreditdaten auf die Spur kommen. Doch das System hat wegen der Ausnahmen auch blinde Flecken. So werden etwa Darlehen an Häuslebauer nicht erfasst – dabei könnten solche Daten helfen, eine Krise auf dem Immobilienmarkt rechtzeitig zu erkennen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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