Kreditkarten für Vielflieger: Wo sich das Meilensammeln auszahlt

Kreditkarten für Vielflieger: Wo sich das Meilensammeln auszahlt

, aktualisiert 28. April 2017, 10:17 Uhr
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Privilegien wie Lounge-Zugänge sind für die meisten Vielflieger ein wichtiger Grund für die Wahl der Meilenkarte.

von Christoph SchlautmannQuelle:Handelsblatt Online

Bei Lufthansa, Eurowings oder Air Berlin können Vielflieger Flugmeilen sammeln. Aber welche Meilenkreditkarte bringt das Meiste? Reicht Sparsamen auch die Payback-Karte? Das Handelsblatt hat elf Meilen-Programme getestet.

DüsseldorfFlugmeilen sammeln mit der Kreditkarte – was Lufthansa seit Jahren mit „Miles & More“ vormacht und Air Berlin per „Topbonus“-Programm kopierte, ist längst auch bei Eurowings („Boomerang Club“) oder American Express zu haben: Wer über das Plastikgeld der Anbieter bucht oder einkauft, erhält als Belohnung Bonuspunkte und Privilegien. Vor neun Monaten legte die Einkaufs-Rabattkarte Payback nach und ermöglicht nun auch American-Express-Kunden Gratis-Flüge.

Das Kleingedruckte ist üppig, der Zusatzgewinn ernüchternd. Zumindest auf den ersten Blick. Wer sich bei Lufthansa einen freien Business-Class-Flug von Frankfurt nach Chicago (2.840 Euro vor noch zu zahlenden Steuern und Gebühren) erfliegen will, hat dazu exakt 55.000 Meilen zu sammeln. Weil die erst bei einem Umsatz von 110.000 Euro gutgeschrieben werden, beträgt der effektive Preisnachlass gerade einmal 2,6 Prozent.

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Lohnt sich das Meilensammeln trotzdem? Und welches Programm bietet am meisten? Der frühere McKinsey-Berater Alexander Koenig, Inhaber der Vielfliegerberatung First Class & More, hat dazu für das Handelsblatt die führenden Anbieter unter die Lupe genommen.

Seine Erkenntnis aus 800 Kundenbefragungen: Zwar sind die Meilengutschriften pro Euro Umsatz das wichtigste Wettbewerbskriterium – hier gab es eine Zustimmung von 100 Prozent. Gleichzeitig aber spielen die unbegrenzte Gültigkeit der gesammelten Meilen (96,3 Prozent), das Sammeln von Statusmeilen (93,8 Prozent) und Annehmlichkeiten wie Lounge-Zugang und Versicherungen (jeweils 58 Prozent) eine wichtige Rolle. Mehr als ein Drittel der Befragten honoriert nicht nur Rabatte bei Mietwagen-Anbietern, Hotels und anderen Partnerfirmen, sondern auch den Verzicht auf Auslandsgebühren für Kreditkartenzahlungen.

Individuell mögen die Präferenzen unterschiedlich ausfallen, für den durchschnittlichen Meilensammler ergibt sich daraus jedoch ein klarer Sieger unter den elf wichtigsten Bonusprogrammen: Mit Abstand die meisten Leistungen bietet die „American Express Platinum Card“. Die Vorzugsbehandlung an Flughäfen („Priority Pass“) ist dort inbegriffen und ebenfalls für den mitreisenden Partner enthalten – und das in der höchsten Kategorie „Prestige“ mit unbeschränktem Lounge-Zugang, die üblicherweise 399 Euro kostet. Hinzu kommen zahlreiche Versicherungen, darunter Vollkasko für bestimmte Mietwagen.

Vom Handelsblatt bekommt die „American Express Platinum Card“ die Spitzenbewertung, vom Ranking der Meilenkreditkarten hat sie Koenig aber ausgeschlossen. Aus gutem Grund. Das viereckige Plastik kostet 600 Euro im Jahr – zu viel, um die Karten mit den deutlich günstigeren Wettbewerbern zu vergleichen.


Wie die einzelnen Karten abschneiden

Doch auch unter den restlichen zehn Rivalen hat sich American Express den Spitzenplatz gesichert, wie folgende Übersicht zeigt:

Auch wenn sie im Ranking an der Spitze steht: Die Karte von American Express leidet unter ihrer geringen Akzeptanz. Diese verbessert sich zwar zunehmend, viele Händler aber scheuen American Express wegen der höheren Gebühren im Vergleich zu Mastercard oder Visa. Die höchste Akzeptanz hat deshalb das Eurowings-Programm mit seinem Kreditkartendoppel vorzuweisen. Lufthansa und Air Berlin bieten mit Master Card oder Visa ebenfalls eine gute Akzeptanz

Dagegen schneidet American Express am besten ab, wenn es um das Willkommenspaket geht. Für die „Gold Card“ gibt es standardmäßig 15.000 Membership Rewards (MR), das sind 12.000 Meilen bei den meisten Meilenprogrammen. Die Standardprämien bei „Miles & More“ sind dagegen relativ niedrig und reichen von 500 bis 4.000 Meilen, wofür ein 50 Euro Fluggutschein zu haben ist – oder eine Avis-Wochenendmiete.

Bei „Air Berlin Topbonus“ erhalten Neukunden zwischen 3.000 und 10.000 Prämienmeilen, bei den Eurowings-Kreditkarten sind es 2.500 „Boomerang“-Meilen. Mit Abstand am besten ist die Prämie für die „American Express Platinum Card“. Man erhält 30.000 Membership Rewards, also 24.000 Prämienmeilen, zahlt aber auch einen jährlichen Beitrag von 600 Euro. Fast alle Anbieter locken allerdings in regelmäßigen Werbeaktionen mit deutlich höheren Meilenprämien.

Aufgrund einer EU-Richtlinie dürfen Kreditkartengesellschaften Händlern seit 2016 nur noch einen Bruchteil der bisherigen Gebühren auferlegen. In der Folge schränkten viele Kreditkarten ihre Leistungen ein. Lufthansa und Air Berlin halbierten ihre Meilengutschriften für Privatkunden.

„Air Berlin Topbonus“ machte aus der Not ein Tugend und führte die „Air Berlin Visa Card plus“ ein, bei der man weiterhin eine Prämien- und Statusmeile je Euro Umsatz erhält. Dafür zahlen Kartenhalter nun eine höhere Jahresgebühr, die aber unter der für die „Lufthansa Miles & More Gold“-Karten liegt. Lufthansa testet seit Januar Ähnliches mit ausgewählten Kunden.

Bei den Karten für Geschäftskunden ist alles beim Alten geblieben. Dort kann man immer noch eine Prämienmeile je einem Euro Ausgaben bei der „Lufthansa Miles & More Credit Card“ sammeln. Auch die Eurowings-Kreditkarten bieten nach wie vor eine „Boomerang“-Meile je einem Euro Umsatz, allerdings haben diese einen deutlich geringeren Gegenwert als Lufthansa-Meilen.


Jahresgebühren unterscheiden sich deutlich

Wer verhindern will, dass Meilen verfallen, muss meist draufsatteln. So schützen etwa die „Gold“-Varianten der „Miles & More Credit Card“ vor einem solchen Punkteverfall. Auch die „Blue“-Varianten sind dazu geeignet, jedoch erst ab 3.000 Euro Umsatz im Jahr. Eurowings „Boomerang“- Meilen bleiben erhalten, solange Reisende eine Eurowings-Kreditkarte besitzen.

Air Berlin hebt den Meilenverfall ab der „Plus“-Variante auf, bei der „Basic“-Variante ab dem „Silver“-Statuslevel. American Express Membership Rewards verfallen nicht, Payback-Punkte hingegen bei ausbleibender Tätigkeit nach drei Jahren.

Mit den weitaus meisten Versicherungen glänzt American Express. Bei der „Gold Card“ sind es Reiserücktrittsversicherung, Auslandsreise-Krankenversicherung sowie Flug- und Gepäckverspätungsversicherung. Zudem gibt es eine Versicherung zur Absicherung von Einkäufen – sogar bei der sonst versicherungslosen „American Express Payback Karte“.

Die Jahresgebühren der Kartenprogramme variieren deutlich. Kostenlos ist allein die „American Express Payback Karte“, obwohl sie dieselben Lufthansa-Meilengutschriften bietet wie Lufthansas „Miles & More Credit Cards“. Zumindest im ersten Jahr kostenlos sind die Eurowings-Kreditkarten, danach kosten sie 19,99 Euro (Classic) oder 69,99 Euro (Gold) pro Jahr. In den ersten zwölf Monaten kostenfrei ist ebenso die „American Express Gold Card“. Ab dem zweiten Jahr kostet sie jedoch 140 Euro.

Alle anderen Karten haben feste Jahresgebühren, die bei Lufthansa zwischen 55 und 110 Euro liegen und bei Air Berlin zwischen 49,90 und 89,90 Euro. Einsamer Spitzenreiter ist die American Express Platinum Card. Sie kostet pro Jahr 600 Euro – und eine einmalige Aufnahmegebühr von 300 Euro.

Quelle:  Handelsblatt Online
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