Kreditplattformen: Schwarmfinanzierer wittern das große Geschäft

Kreditplattformen: Schwarmfinanzierer wittern das große Geschäft

, aktualisiert 28. September 2016, 18:44 Uhr
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Die Wachstumsraten der Kreditplattformen sind kräftig.

von Frank Matthias DrostQuelle:Handelsblatt Online

Kreditmarktplätze könnten die Nutznießer von risikoscheuen Banken sein. Dank ihrer digitalen Datenanalyse können sie die Bonität von privaten Kunden besser einschätzen, glaubt PWC. Ein milliardenschwerer Markt lockt.

BerlinBei der Kreditversorgung der deutschen Volkswirtschaft fallen Schwarmfinanzierer noch kaum ins Gewicht. Doch die Wachstumsraten der Kreditplattformen, die auf digitaler Basis Kreditgeber und –nehmer zusammenführen, sind kräftig. Und die weiteren Aussichten sind offensichtlich gut.

Das belegt eine Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft PWC, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Danach könnten Kreditmarktplätze wie Auxmoney dafür sorgen, dass bis zu 4,3 Millionen Menschen mehr Zugang zu Krediten erhalten. Damit würde sich das Potenzial für private Kredite in Deutschland um 19 bis 22 Milliarden Euro vergrößern, heißt es in der PWC-Studie. Derzeit stagniert das Privatkredit-Volumen in Deutschland bei 225 Milliarden Euro.

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In ihrer Untersuchung hat PWC die Bonitätseinschätzung des Platzhirsches unter den Kreditplattformen, Auxmoney, unter die Lupe genommen und sie mit der Risikoeinschätzung der Banken verglichen. Jährlich werden in Deutschland Kreditanfragen in einem Volumen von bis zu 66 Milliarden Euro nicht von Banken nicht bedient, weil Kreditinstituten das Risiko zu hoch ist.
Doch der Bonitätseinschätzung der Banken kann Auxmoney nicht in jedem Fall folgen. 30 bis 35 Prozent würden zu Unrecht keinen Kredit erhalten, urteilt Auxmoney-Markenchef Andreas Barthelmess. Häufig urteilen Banken auf der Basis von Schufa-Eintragungen. Die Auskunftei Schufa bewertet die Fähigkeit der Schuldner, eingegangene Verpflichtungen zu bedienen.

Bei Banken haben Studenten, Selbstständige, Existenzgründer oder Arbeitnehmer in Probezeit in der Regel von vornherein schlechte Karten, so Auxmoney. Selbst setzt man dagegen auf spezielle Scoring-Methoden, um die Bonität der Kreditnehmer treffend einzuschätzen. Felix Hasse von PWC spricht von einer „intelligenten, digitalen Datennutzung“.


Zu hohes Risiko für Kreditmarktplätze?

Gehen Kreditmarktplätze damit unangemessen hohe Risiken ein? Mit diesem Phänomen hat sich auch eine Untersuchung der Bundesbank beschäftigt. Sie belegt, dass über Plattformen vergebene Kredite riskanter sind als die, die von Banken zur Verfügung gestellt werden. Das höhere Risiko schlage sich aber auch in höheren Zinsen nieder.

Die von Auxmoney verlangten Zinsen belaufen sich zwischen 4,2 Prozent und 17 Prozent. Auf rund drei Prozent wird die durchschnittliche Kreditausfallrate beziffert. Die 2007 gegründet Plattform hat schon mehrere Kreditzyklen durchgestanden. Im Durchschnitt beläuft sich die Kredithöhe auf 7700 Euro, die durchschnittliche Kreditlaufzeit beträgt 2,5 Jahre. In diesem Jahr rechnet Auxmoney mit einem Kreditvolumen von mehr als 200 Millionen Euro, was einer Verdoppelung entsprechen würde.

Friederike Stradtmann, Expertin für digitale Geschäftsmodelle im Bankensektor bei Accenture Strategy, teilt die positiven Aussichten für Kreditmarktplätze. Insbesondere die Schnelligkeit der Mittelbereitstellung sei ein wesentlicher Treiber für das Wachstum.

Auch kann Stradtmann nachvollziehen, warum die Kreditplattformen Segmente abdecken, vor denen Banken eher zurückschrecken. Da Finanzinstitute das Ausfallrisiko übernehmen und höhere Risiken eine höhere Eigenkapitalunterlegung erfordern, agieren Banken vorsichtig. Dagegen verlagern Kreditmarktplätze dieses Risiko auf die Investoren, die dafür einen höheren Zins als Risikoprämie erhalten. Private und institutionelle Investoren halten sich bei Auxmoney derzeit die Waage.

Technologisch sieht Stradtmann die Kreditmarktplätze im Vergleich zu den Banken vorn. „Vom technischen Ansatz her kann man durchaus von einem Vorsprung der Marktplätze ausgehen. Die erweiterte Datenbasis ist allerdings auch notwendig, da Informationen aus bestehenden Kundenbeziehungen nicht in dem Maße vorhanden sind, wie auf Bankenseite“, so die Accenture-Expertin.

Quelle:  Handelsblatt Online
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