Krisenexperte Roubini zum Brexit: „Dr. Doom“ warnt vor dem Ende der EU

Krisenexperte Roubini zum Brexit: „Dr. Doom“ warnt vor dem Ende der EU

, aktualisiert 26. Juni 2016, 12:08 Uhr
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Die britische Entscheidung gegen die EU könne eine Kettenreaktion auslösen, warnt der Untergangsprophet.

von Stephan ScheuerQuelle:Handelsblatt Online

Nach dem Brexit-Referendum sieht Krisenexperte Nouriel Roubini die gesamte Europäische Union in Gefahr. Sein Wort hat Gewicht: Der Untergangsprophet im Kreis der internationalen Wirtschaftsgurus hatte als einer der ersten die Finanzkrise 2008 vorhergesagt.

TianjinWenn Nouriel Roubini vor Krisen warnt, zuckt die Finanzwelt zusammen. Sie nennen ihn „Dr. Doom“. Im Detail sagte er den Kollaps des US-Immobilienmarktes und die weltweite Finanzkrise voraus. Nun warnt der New Yorker Ökonom vor Europa als neuem Krisenherd. Mit dem Brexit fühlt er sich bestätigt.

Das britische Referendum könne eine Kettenreaktion auslösen, das die Europäische Union (EU) gefährdet. „Die Schotten könnten für die Unabhängigkeit stimmen, um in der EU zu bleiben“, sagte Roubini am Sonntag auf dem Sommer-Davos genannten Weltwirtschaftsforum in der chinesischen Hafenmetropole Tianjin. Das würde das Vereinigte Königreich aufbrechen. Als nächstes könnte Spanien folgen, falls die Katalanen ihren langegehegten Unabhängigkeitswunsch durchsetzen könnten.

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Zudem könnten die Finnen, die Niederländer oder auch die Ungarn dem britischen Modell folgen und selbst über ihren Verbleib in der EU abstimmen zu lassen. „Der Ausgang ist völlig offen, selbst in einst pro-europäischen Staaten wie den Niederlanden“, sagte der Profi-Schwarzmaler. Schließlich hätten die Niederländer kürzlich mit einem Referendum das EU-Abkommen mit der Ukraine gestoppt.

Eigentlich müssten die Schulden- und Bankenprobleme vieler EU-Staaten dringend angegangen werden. Aber in vielen Ländern seien nicht durchgreifende Reformer an der Macht, sondern Regierungen paralysiert. Frust und Reformmüdigkeit mache sich breit.

Populisten nutzen die Lage aus. Die Flüchtlingskrise habe das politische Gefüge verändert: „Etwa in Deutschland und in Österreich gibt es offen anti-muslimische Parteien“, sagte Roubini.

Die Märkte hatten bereits am Freitag heftig reagiert. Aber die Schockwellen seien noch nicht abgeklungen. „Es ist nicht so schlimm wie 2007 oder 2008, aber es gibt sehr viel wirtschaftliche und politische Verunsicherung“, sagte Roubini.

Als Totengräber der EU wolle er sich jedoch nicht verstanden wissen. „Ich sage nicht, dass es so kommen muss“, hob der Ökonom hervor. Nach den Wahlen in Frankreich und in Deutschland gebe es sogar die Chance, dass sich eine überarbeitete Union auf Grundlage des Euro-Raumes forme.

„Nach dem Austritt der Briten überlappen sich die Europäische Union und die Euro-Zone wesentlich stärker“, sagte Roubini. Für eine weitergehende Integration müssten die Staaten jedoch auch ihre Finanzpolitik stärker abstimmen – und dagegen gebe es derzeit noch viele Widerstände.

Quelle:  Handelsblatt Online
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