Kurzeisen an Brückentagen: Die Angst vor dem Abschalten

Kurzeisen an Brückentagen: Die Angst vor dem Abschalten

, aktualisiert 25. Mai 2017, 11:36 Uhr
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Wer über ein verlängertes Wochenende in den Urlaub fährt, kann sich laut einer Studie nicht richtig erholen.

von Miriam SchröderQuelle:Handelsblatt Online

Lange Wochenenden laden zu einem Kurzurlaub an die See oder in die Berge ein. Doch eine Studie zeigt: Diese Reisen werden völlig überschätzt – wir können doch ohnehin nicht abschalten.

DüsseldorfFeiertag, Brückentag – wieso sind Sie eigentlich nicht im Kurzurlaub wie alle anderen? Vier Tage auf Mallorca, mit dem Rad an die Ostsee oder im Nachtzug nach Paris – vielleicht waren Sie der Depp, der sich im Januar nicht schnell genug in den Urlaubskalender eingetragen hat. Vielleicht haben Sie aber auch gedacht, das lohnt sich doch gar nicht. Recht haben Sie!

Wir Deutschen tun uns schwer damit, uns zu entspannen, das führt uns die Google-Tochter Nest passend zu Himmelfahrt in einer Studie vor Augen. Der Umfrage zufolge brauchen Reisende durchschnittlich 2,3 Tage, bis sie alles hinter sich gelassen haben. 1,5 Tage vor Ferienende fangen die Gedanken wieder an, um den Alltag zu kreisen. Von vier freien Tagen blieben demnach gerade mal 0,2 zum Genießen übrig.

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Warum ist das so? Natürlich weil wir nicht abschalten können. Obwohl 44 Prozent der Befragten angaben, im Urlaub der Arbeit entfliehen zu wollen, schaut über ein Drittel auch auf Reisen täglich ins E-Mail-Postfach. In der Gruppe der 18- bis 24-Jährigen checken sogar 46 Prozent mindestens einmal pro Tag ihre Arbeits-Mails. 62 Prozent der jungen Leute kommunizieren sogar mindestens einmal während ihrer Ferien mit Kollegen.

Dazu kommt der Sozialstress. Fast die Hälfte der Befragten gab zu, sich mindestens einmal am Tag bei einem sozialen Netzwerk anzumelden, acht Prozent sogar mindestens fünf Mal täglich. Unter den 18- bis 24-Jährigen schaut mehr als die Hälfte zwei bis drei Mal pro Tag in die Accounts. Und 55 Prozent der Teilnehmer sind mindestens einmal die Woche in Kontakt mit Freunden zu Hause, um sicherzugehen, dass sie während ihrer Abwesenheit bei der Planung von Aktivitäten nicht vergessen werden. Durchs Marais-Viertel flanieren, aber an den nächsten Kirchenflohmarkt in Wanne-Eickel denken – schön blöd!

Nun wäre Google nicht Google, wenn das Unternehmen eine Umfrage machen würde, die unseren Internet-Konsum in Frage stellt. Darum haben die Kollegen von Nest – einem Smart-Home-Anbieter – als Stimmungskiller Nummer eins im Urlaub einen ganz anderen ausgemacht: die Sorge um das eigene Zuhause. So gab ein Viertel der Befragten an, Angst davor zu haben, dass während des Urlaubs das Haus ausgeraubt wird. Weitere 25 Prozent befürchten höhere Gewalt in Form von Wasser- oder Feuerschäden. Noch mehr Sorgen bereiten die trivialen Dinge wie eingeschaltete elektronische Geräte (34 Prozent) sowie offene Fenster (27 Prozent) oder Türen (28 Prozent).

Nest liefert auch gleich die passende Lösung dazu: Eine Sicherheitskamera, die das Smartphone alarmiert, wenn sich Unbefugte ins Haus schleichen. Die App soll sogar so intelligent sein, dass sie einen echten Einbrecher von einer Katze und die eigene Alarmanlage von der des Nachbarn unterscheiden kann.

Super. Man sieht sie schon vor sich, die deutschen Hausbesitzer, die, am Pool liegend mal eben schnell einen Blick in die heimische Küche werfen. Man weiß ja nie!

Die einfachste Lösung ist natürlich die, die Sie gewählt haben: Zuhause bleiben! Die Steuererklärung fertig und danach ein Bier aufmachen, Grill putzen, Freunde einladen. Und wenn die Kollegen all die tollen Bilder aus dem Kurzurlaub posten, gelassen bleiben und denken: Spaß hatten die vor lauter Angst sowieso nicht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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