Lachgas aus dem Ozean: Wirbel im Atlantik produzieren Treibhausgas

Lachgas aus dem Ozean: Wirbel im Atlantik produzieren Treibhausgas

, aktualisiert 11. Juli 2017, 14:21 Uhr
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Mit dem Forschungsschiff konnten Wissenschaftler erstmals Proben eines sauerstoffarmen Atlantik-Wirbel nehmen. (Bild: B. Fiedler/Geomar)

Quelle:Handelsblatt Online

Sie sind klein und wurden deshalb lange übersehen: extrem sauerstoffarme Wirbel, die durch den Atlantik wandern. Jetzt haben Forscher entdeckt, dass die Wirbel ein hoch wirksames Treibhausgas freisetzen.

KielExtrem sauerstoffarme Wirbel im Atlantik produzieren ein starkes Treibhausgas. In Regionen mit sehr wenig Sauerstoff entstehen große Mengen des Treibhausgases Distickstoffmonoxid, auch bekannt als Lachgas. Das berichtet ein internationales Forscherteam unter Leitung des Geomar Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel.

Wie die Forscher im Fachjournal „Scientific Reports“ schreiben, entsteht extreme Sauerstoffarmut in großen Ozeanwirbeln von bis zu 100 Kilometern Durchmesser, die von der westafrikanischen Küste westwärts durch den Antlantik wandern. Diese extrem sauerstoffarmen Wirbel im Atlantik seien der Forschung bislang entgangen, da sie nur sehr kleinräumig und zusätzlich räumlich sehr variabel sind, so der Erstautor der Studie, Damian Grundle vom Bermuda Institute of Ocean Sciences.

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„Solche Wirbel sind mit konventionellen Beobachtungsmethoden nur schwer zu erkennen, geschweige denn detailliert zu untersuchen“, so Grundle weiter. Im Jahr 2010 habe jedoch ein Wirbel eine vor der kapverdischen Insel São Vicente fest im Meer verankerte Beobachtungsstation gestreift und einen ersten Hinweis auf die Existenz dieses speziellen Phänomens gegeben.

2014 sei dann mit Hilfe eines Satelliten vor der Küste Mauretaniens ein potenzieller Ozeanwirbel entdeckt worden, der Richtung Kapverden wanderte. Kurz vor den Inseln konnten die Forscher an Bord des kapverdischen Forschungsschiffes „Islandia“ Proben aus seinem Zentrum entnehmen. Auch das zufällig vor den Inseln anwesende deutsche Forschungsschiff „Meteor“ wurde dabei eingesetzt.

Die so gewonnenen Daten und Wasserproben wurden anschließend ausgewertet. Demnach gab es in 100 Metern Wassertiefe die höchsten Lachgaswerte, die jemals im offenen Atlantik gemessen worden waren.


Rolle des Klimawandels noch unklar

„Dies ist auf Prozesse zurückzuführen, die dem Ozean den Pflanzennährstoff Stickstoff entziehen können und dabei unter anderem Lachgas in großen Mengen produzieren“, erläutert Grundle, der bis vor kurzem noch als Wissenschaftler am Geomar arbeitete.

Die sauerstoffarmen Wirbel entstehen nach Angaben von Geomar-Sprecher Jan Steffen auf natürliche Weise, wenn nährstoffreiches Tiefenwasser durch Meeresströmungen an der Küste Westafrikas in obere Wasserschichten gespült wird. Im Inneren der Wirbel sind viele Nährstoffe, so dass sich dort zahlreiche Lebewesen bilden.

Sterben diese ab, wird viel Sauerstoff verbraucht. Da der Stoffaustausch zwischen dem Wirbelinneren und dem Umgebungswasser niedrig ist, kommt es zu nahezu sauerstofffreien Zonen im Wirbel.

Dieses Phänomen gebe es natürlicherweise an den Osträndern der Ozeane, etwa auch vor Chile und Peru, sagte Steffen. „Ob der Klimawandel einen Einfluss darauf hat, ist völlig unklar.“ Die sich in den Meeren ausbreitenden großen, stationären Sauerstoff-Minimumzonen werden dagegen durchaus mit dem Klimawandel in Zusammenhang gebracht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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