Landtagswahl im Detail: Die erfolgloseste Partei in NRW – und die teuersten Stimmen

Landtagswahl im Detail: Die erfolgloseste Partei in NRW – und die teuersten Stimmen

, aktualisiert 15. Mai 2017, 12:27 Uhr
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Die großen Wahlgewinner und -verlierer sind schnell ausgemacht – doch abseits davon gibt es viele interessante Details.

von Tobias DöringQuelle:Handelsblatt Online

Armin Laschets CDU hat gewonnen, Rot-Grün wurde abgewählt. Doch welche Details stecken im NRW-Wahlergebnis? Der beste Direktkandidat und der knappste Wahlausgang – ein Blick in das vorläufige amtliche Endergebnis.

Wegen mehrerer politischer Fehltritte gilt Innenminister Ralf Jäger vielen als gewichtiger Grund für das schlechte Abschneiden der SPD in NRW, doch seinen Wahlkreis Duisburg III hat Jäger mit gut 40 Prozent der Stimmen locker gewonnen. Dabei sticht Duisburg III nicht nur mit dem prominenten Direktkandidaten hervor. Es ist auch der Wahlkreis mit der niedrigsten Wahlbeteiligung. Lediglich 53,1 Prozent der Wahlberechtigten machten ihr Kreuzchen.

Das Hochsauerland wählt traditionell konservativ. Kein Wunder also, dass der erfolgreichste Direktkandidat Nordrhein-Westfalens aus dem Wahlkreis Hochsauerland II kommt. CDU-Mann Matthias Kerkhoff wurde mit 56,5 Prozent der Erststimmen in den Düsseldorfer Landtag gewählt. Das starke Abschneiden lässt sich auch damit erklären, dass ein AfD-Kandidat im Wahlkreis fehlte.

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Den knappsten Wahlausgang gab es im Wahlkreis Köln IV. SPD-Kandidat Andreas Kossiski kam auf 19.472, CDU-Politiker Christian Möbius auf 19.410 Stimmen – macht 62 Stimmen mehr für Kossiski. Bei der letzten Landtagswahl 2012 hatte der noch mit mehr als 7000 Stimmen vorne gelegen.

Der Essener AfD-Kandidat Guido Reil wurde durch die mediale Berichterstattung bundesweit bekannt. Der „Übertritt“ des ehemaligen SPD-Ratsherren machte Schlagzeilen, ebenso wie Reils medienwirksame Präsentation der Schmuddelecken des Essener Nordens. Doch der erfolgreichste Direktkandidat der AfD ist nicht Reil, der im Wahlkreis Essen I/Mülheim II 13,4 Prozent der Stimmen erhielt, sondern Hans-Werner Schwarz. Der erreichte im Duisburger Norden (Wahlkreis Duisburg IV/Wesel V) 14,1 Prozent.

Die erfolgloseste Partei der NRW-Landtagswahl ist „PAN – die Parteilosen“. Gerade einmal 1.347 Zweitstimmen erhielt die Partei nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis. Besonders kurios: PAN will eigentlich keine Partei sein, sondern macht sich mit unabhängigen Kandidaten für ein neues Demokratiesystem stark. Auf der Landesliste von PAN standen demzufolge nur Kandidaten, die nicht Parteimitglieder – also unabhängig – sind.

Die Partei kommt derzeit auf gerade einmal fünf Mitglieder. Mehr sollen es auch nicht unbedingt werden. PAN ist der Partei zufolge dem griechischen Wort „ganz“ entlehnt, der Vorsitzende ist Yogalehrer und der ethische Kodex orientiert sich an der Yogaphilosophie. Lässt sich damit Politik machen? Ja, dachte sich genau ein Wähler im Wahlkreis Münster I und machte das Kreuzchen bei PAN. Damit ist PAN die einzige Partei in einem Wahlkreis mit nur einer Zweitstimme. Gültige Stimmen im Wahlkreis Münster I gab es übrigens 85.405.

Im Wahlkampf war die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD) gefühlt ein Riese. In vielen Großstädten plakatierte die MLPD an den Laternenmasten wie eine Volkspartei. Das dürfte für die Kommunisten kostspielig gewesen sein. Die Ausbeute ist dagegen bescheiden: Lediglich 7.712 Menschen wählten dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zufolge die MLPD – das waren wohl die teuersten Stimmen der NRW-Wahl.

Quelle:  Handelsblatt Online
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