Leasing in der Krise : Die fetten Jahre sind vorbei

Leasing in der Krise : Die fetten Jahre sind vorbei

, aktualisiert 19. Mai 2016, 20:28 Uhr
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Der Fahrzeugabsatz schwächelt. Das bekommen auch die Leasinganbieter zu spüren.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Leasingbranche steht unter Druck: Die Unternehmen schwimmen teils im Geld, andere Firmen investieren zu wenig – und die Margen sinken. Rechtliche Vorgaben und Steuergesetze erschweren zusätzlich das Geschäft.

FrankfurtNicht nur Banken ringen mit den niedrigen Zinsen. Auch für Leasinggesellschaften wird das Geschäft dadurch schwieriger. Dabei hat die Branche zudem noch an anderer Stelle zu kämpfen. Viele Unternehmen zögern derzeit mit Investitionen und finanzieren diese dann oft aus eigenen Mitteln. Das Umfeld sei von Wettbewerbs- und Margendruck geprägt, sagte kürzlich Kai Ostermann, Chef der Deutschen Leasing, dem Marktführer in Deutschland.

Das gilt stärker denn je: „Der Druck auf die Margen sowohl im Inland als auch im Ausland 2015 hat nochmals zugenommen“, so Ostermann. Er verweist auf die hohe Liquidität im Markt und auf die niedrigen, teils negativen Zinsen. Die Leasingfirmen konkurrieren nicht nur untereinander, sondern auch mit den Banken, die den Mittelstand ebenfalls umgarnen.

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Leasing ist für Unternehmen eine Alternative zum Kredit. Dabei erwerben Leasingfirmen Investitionsgüter wie Autos oder Maschinen und vermieten sie quasi an ihre Kunden. Der Kunde zahlt ein Entgelt und nutzt das Objekt. Oft kommen für Firmen beide Finanzierungswege, Leasing oder Kredite, infrage.

In einigen Fällen haben die negativen Zinsen, die Geldhäuser auf kurzfristige Einlagen bei der Europäischen Zentralbank (EZB) berappen müssen, skurrile Folgen: So manche Autofinanzierung per Leasing gibt es zum negativen Effektivzins. Das allerdings dürften Sonderfälle bleiben.

Mehr Wachstum für die Leasingbranche wird nicht nur durch den starken Wettbewerb gehemmt. Gebremst werden sie auch, weil die Investitionen in Deutschland hinter den Erwartungen zurückbleiben. Denn ihr Geschäft ist unmittelbar an die Investitionen der Unternehmen gekoppelt.

„Deutschland leidet unter einer signifikanten Investitionsschwäche“, kritisiert Horst Fittler, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL). Er fordert, dass sowohl private Unternehmen als auch die öffentliche Hand mehr investieren.

Der BDL plädiert dafür, zur degressiven Abschreibung für Investitionen zurückzukehren. Solche steuerlichen Anreize könnten einen starken Impuls geben, meint Fittler. Der Gedanke dahinter: Bei einer degressiven Abschreibung verfügen Unternehmen rascher über Liquidität für neue Investitionen, als wenn sie beispielsweise eine Maschine linear abschreiben.

Die Leasinginvestitionen sind zuletzt zumindest etwas gestiegen. 2015 betrugen sie gut 52 Milliarden Euro, vom Stand im Rekordjahr 2007 – damals waren es 55 Milliarden Euro – sind sie damit aber noch ein Stück entfernt.

Das liegt auch daran, dass viele Unternehmen im Geld schwimmen. Sie nehmen daher für Investitionen häufig eigene Mittel in die Hand. Zumal es sich derzeit für sie kaum lohnt, hohe Summen zu parken. Immer mehr Banken verlangen Strafzinsen für Guthaben, weil sie ihrerseits für Kurzfristeinlagen bei der EZB eine Negativzins akzeptieren müssen. „Negative Zinsen verstärken den Abbau notwendiger Liquidität bei den Unternehmen, weil diese ihre wenigen Investitionen teilweise cash bezahlen“, sagt Fittler. Er spricht von einem „extremen Margendruck“.


Experten sehen Gegenbewegung

Daneben müssen Leasingfirmen wie Banken zusehends mehr Vorgaben erfüllen. Eine Folge für die Leasingbranche: Die Zahl der Anbieter schrumpft. Gab es Ende 2011 noch gut 440 reine Leasingfinanzierer, waren es zuletzt etwa 250. Gerade kleine und mittelständische Leasinggesellschaften könnten die Aufgaben und Kosten durch die Regulierung teils nicht mehr tragen, so Fittler.

Die Konsolidierung ist nach BDL-Einschätzung zwar noch nicht abgeschlossen, aber sie verlangsame sich deutlich. Arno Städtler, Leasing-Experte vom Münchener Ifo-Institut, erwartet keine große Bewegung mehr: „Die Zahl der Gesellschaften wird daher auch nicht mehr nennenswert sinken.“

Städtler erkennt sogar eine Gegenbewegung. Der Maschinenbauer Trumpf sei „sicherlich nicht das letzte Unternehmen, das eine eigene Leasinggesellschaft oder sogar eine Bank gründet“, meint er. Denn immer mehr Firmen sehen eigene Leasingangebote als Möglichkeit, ihren Absatz zu forcieren. Städtler registriert auch, dass ausländische Anbieter aktiver auf dem deutschen Markt geworden seien. Daneben, stellt der BDL fest, gibt es auch wieder Neugründungen.

Trotz der mageren Investitionen erwartet die Branche, dass das Neugeschäft dieses Jahr um vier bis fünf Prozent wächst. Bei seiner Prognose setzt der Lobbyverband darauf, dass Firmen die Finanzierung über Leasing schätzen, weil die Kosten über mehrere Jahre gleichmäßig und gut kalkulierbar seien. Zudem würden Kunden verstärkt die Dienstleistungen nachfragen, die Leasinggesellschaften parallel zur Finanzierung bieten, zum Beispiel die Wartung von Maschinen. Das bleibt, bei aller Konkurrenz, ein Unterschied zu Bankkrediten. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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