Lexus RX 450h im Test: Sumo mit Turbo

Lexus RX 450h im Test: Sumo mit Turbo

, aktualisiert 29. Juni 2017, 12:43 Uhr
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Der Lexus RX 450h F-Sport im Handelsblatt-Test.

von Lukas BayQuelle:Handelsblatt Online

Der Lexus RX Hybrid sieht ziemlich gefährlich aus, ist aber meistens ganz brav. Wie es der exotische Japaner schafft, trotz seiner immensen Größe nicht zu durstig zu sein.

DüsseldorfIrgendwann sind es auch die Japaner leid gewesen, dass jeder Autotest mit der Feststellung begann, wie langweilig ihre Autos aussehen. Mit großer Leidenschaft arbeitete sich die Fachwelt am biederen Design und lahmen Antrieb ab, bis auch Gründerenkel Akio Toyoda genug hatte. „Keine langweiligen Toyotas mehr“, versprach der begeisterte Rennfahrer und ließ seine Designer beim Lexus RX einfach mal richtig dick auftragen.

Nicht umsonst fällt das Riesen-SUV  auf deutschen Straßen auf wie ein Sumoringer auf dem Laufsteg. Alleine der Kühlergrill mit X-Optik ist so wuchtig, dass jeder andere Autofahrer, der den RX im Rückspiegel erblickt, vor Ehrfurcht auf eine andere Spur wechselt. Dazu kommen zackige LED-Lichter, die Erinnerungen an ein Raumschiff wecken und ihr Fernlicht automatisch abblenden können. Über Geschmack kann man streiten, aber übersehen lässt sich dieses SUV nicht. Alleine auf den 20-Zoll-Felgen könnte man eine Sushi-Platte für ein ganzes Beraterbüro servieren.

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Im Heimatland von Audi Q7, BMW X6 und anderen deutschen Schwergewichten, ist der gewagte Japaner ein Exot. Etwa 500 Mal wurde der RX im vergangenen Jahr hierzulande verkauft.  Dass die Weltmarke Toyota ihn weiterhin selbstbewusst ab rund 80000 Euro verkauft, zeigt, dass man sich mit diesem Auto keinesfalls verstecken will.

Während die Konkurrenz in der Oberklasse stärker auf einen halbelektrischen Plugin-Hybrid-Antrieb setzen, bleibt Toyota dem klassischen Hybrid, der sich während der Fahrt lädt, treu. Damit – so verspricht es der Hersteller - soll der Luxus-SUV trotz seines Gewichts von 2175 Kilogramm schlanke 5,2 Liter auf 100 Kilometer verbrauchen.

Ein gutes Argument, mit dem RX einen Kurztrip an die holländische Nordsee zu unternehmen. Das Land, das sich mehr und mehr vom Diesel verabschiedet, ist ohnehin eine ideale Umgebung für den Lexus. Auf der Autobahn darf man selten schneller fahren als 120 Stundenkilometer.

Im Stadtverkehr lassen wir den Lexus rollen und sehen begeistert zu, wie er immer wieder rein elektrisch unterwegs ist, obwohl wir nie zur Ladestation müssen. Allein die engen Straßen und viele Radfahrer sind für den Riesen hin und wieder eine Herausforderung.

Denn auf Nähe regiert der RX sehr sensibel. Er fiept und piepst, wenn ihm Radfahrer oder Fußgänger zu Nahe kommen. Das eingebaute Sensorenpaket (Aufpreis: 3.300 Euro) leistet ganze Arbeit und bremst im Zweifel auch selbst, bevor es zu einer Kollision kommt. Immerhin fällt Einparken nur auf den ersten Blick schwer. Dank einer hochauflösenden 360-Grad-Kamera lässt sich der große SUV sehr präzise in die Parklücken und auch wieder heraus manövrieren.


Endlich Stau

Leider sind wir nicht die einzigen Deutschen, die das lange Wochenende für einen Kurztrip nach Holland genutzt haben. An vielbefahrenen Autobahnkreuzen stehen wir immer wieder im Stau. Und genau dafür ist der Lexus das ideale Auto. Denn bei Stop-and-Go schaltet der RX automatisch auf den elektrischen Antrieb – und man verbraucht nahezu nichts. Die ausgewiesenen 5,2 Liter Normverbrauch kann man zwar getrost ins Reich der Fabeln verweisen. Doch trotz einer langen Autobahnfahrt landen wir am Ende bei sparsamen 7,4 Litern.

Auch der Innenraum macht das Warten im Stau angenehm. Auch wenn es nur langsam voran geht, genießen wir die handgenähten, sehr bequemen Ledersitze, die sich sogar kühl belüften lassen, und lauschen der Musik aus der eingebauten Anlage von Mark Levinson, die gegen einen Aufpreis von 1.100 Euro mit 15 Lautsprechern den Innenraum beschallt.

Dagegen nervt der Touchknüppel, mit dem das Infotainment-System gesteuert wird. Er ist leider so sensibel, dass man permanent an den gewünschten Auswahlelementen vorbeisteuert. Ohnehin ist das System wieder einmal so unübersichtlich, dass man es gleich auf Japanisch hätte ausliefern können. Praktisch ist dagegen das eingebaute Head-up-Display.

Im Innenraum ist der RX keinesfalls so extravagant wie man es erwartet hätte – sondern sogar eher konservativ. Hier regieren viel Aluminium und schwarzes Leder. Und auch die obligatorische Analoguhr darf in einem Auto der Oberklasse natürlich nicht fehlen. Das Einsteigen in den Riesen fällt leicht, da Fahrersitz sich beim Ein- und Aussteigen leicht nach hinten schiebt und nur bei der Fahrt in die Lenkradnähe zurückkehrt.

Es gibt ausreichend Stauraum für alle Kleinigkeiten. Die Multimedia-Anschlüsse sind leicht erreichbar. Durch den verbauten Hybrid-Akku ist das Auto zwar sehr leise, dafür ist im Kofferraum leider deutlich weniger Platz als bei der Konkurrenz, da unter der Ladefläche die Batterie verbaut wurde. Die ausgewiesenen 539 Liter reichen für zwei Personen trotzdem locker. Bei umgeklappter Rückbank sind sogar bis zu bis 1612 Liter drin. Die Heckklappe lässt sich praktischerweise elektronisch öffnen. Etwas störend ist allerdings die gemächliche Ruhe, mit der das geschieht.

Apropos Ruhe. Obwohl Lexus dem getesteten RX 450h auch die Bezeichnung „F Sport“ angehängt hat, bewegt sich das japanische SUV mitunter etwas schwerfällig. Die beiden Elektromotoren an Hinterachse (123 kW) und Vorderachse (50 kW) entlasten dann den V6-Benziner, statt ihn anzutreiben. Auf den ersten Metern ächzt der Sumo trotz seiner ausgeschriebenen Maximalleistung von 313 PS vor sich hin. Doch schnell merke ich, dass man ihn nicht unterschätzen sollte.


Zeit für eine Machtdemonstration

Trotz seiner Ruhe schlummert im SUV-Sumo eine unbändige Kraft. Als uns ein hochgerüsteter Mercedes auf der Landstraße bedrängt, entscheiden wir uns – entgegen aller Vernunft und Verbrauchswerte – für eine Machtdemonstration.

Als wir gemeinsam auf den Beschleunigungsstreifen der Autobahn auffahren und der Benz zum Überholmanöver ansetzt, schalte ich in den Sport+-Modus.  Dann geht es ganz schnell bis der Lexus auf 220 Stundenkilometer hochbeschleunigt hat und der Mercedes meine futuristischen Rücklichter nur noch von weit hinten sieht. Dass der kleine Sprint meinen Durchschnittsverbrauch um ein paar Nachkommastellen angehoben hatte, kann ich getrost ignorieren. Beachtlich ist aber, wie ruhig der Lexus bei der Beschleunigung geblieben ist - auch wenn das für Sportwagenfreunde alles andere als ein Kaufargument ist.

Insgesamt ist der Verbrauch für einen solchen Riesen wirklich bemerkenswert niedrig. Obwohl wir in unserem Test überwiegend auf der Autobahn unterwegs waren, wo der Hybrid seine Stärke nur bedingt ausspielen kann, kamen wir bei unserer defensiven Fahrweise auf einen Verbrauch von 7,4 Litern. Bei sportlicherer Fahrweise waren es immer noch 8,4 Liter. Da kann kaum einer mithalten.

Fazit: Der Lexus RX 450h hat sein Ziel erfüllt: er ist wirklich nicht langweilig. Trotz vieler guter Ideen stellt sich allerdings die Frage, wem der Sumo mit Turbo gefallen könnte. Denn sparsame SUV-Fahrer sind derzeit immer noch so eine seltene Spezies wie ausgefallene Toyotas.

Technische Daten

Lexus RX 450h F-Sport

Motor:V6-Benzinmotor und zwei Elektromotoren an den Achsen
Hubraum:3456 ccm
Max. Leistung (Verbrennungsmotor):193 kW / 263 PS bei 6000 U/Min
Max. Drehmoment (Verbrennungsmotor):335 Newtonmeter bei 4600 U/Min
Max. Leistung (Elektromotor):50 kW (vorne) / 123 kW (hinten)
Max. Drehmoment (Elektromotor):139 Nm (vorne) / 335 Nm (Hinten)
Max. Systemleistung:230 kW / 313 PS
Getriebe:stufenlose Automatik

Maße und Gewichte

Länge:4.890 mm
Breite:1.895 mm
Höhe:1.685 mm
Radstand:2.790 mm
Leergewicht:2.155 kg
Zul. Ges.gewicht:2.715 kg
Tankinhalt:65 l
Kofferraumvolumen:539 Liter

Fahrdaten

Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Beschleunigung 0 - 100 km/h:7,7 Sek.
Durchschnittsverbrauch kombiniert:5,2 Liter / 100 km
CO2-Emission:120 g/km
Kraftstoff:Super Plus
Abgasnorm / CO2-Effizienzklasse:Euro 6 / A+
Preis:ab 58.900 Euro
Quelle:  Handelsblatt Online
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