Libor-Skandal: Ex-Starhändler muss gut eine Million Euro zahlen

Libor-Skandal: Ex-Starhändler muss gut eine Million Euro zahlen

, aktualisiert 23. März 2016, 22:17 Uhr
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Der ehemalige Banker Tom Hayes muss fast eine Million Pfund zurückzahlen, hat ein Londoner Gericht entschieden.

von Katharina SlodczykQuelle:Handelsblatt Online

Zu elf Jahren Haft wurde Tom Hayes infolge des Libor-Betrugs verurteilt. Nun hat ein Gericht zudem entschieden, dass der Ex-Banker einen Teil seines Vermögens unrechtmäßig erworben hat - und deshalb zurückzahlen muss.

LondonEigentlich waren noch deutlich höhere Summen im Spiel: Mindestens 2,4 Millionen Pfund (umgerechnet drei Millionen Euro) hat die britische Behörde für schwere Wirtschaftsverbrechen (SFO) von dem verurteilten Ex-Banker Tom Hayes zunächst zurückgefordert.

Der 36-Jährige, der für UBS und Citigroup gearbeitet hatte und wegen Manipulation des Referenzzinssatzes Libor zu elf Jahren Gefängnis verurteilt wurde, sei im Zuge seiner Tricksereien und damit auf illegalem Weg zu diesem Geld gekommen und müsse es daher zurückzuzahlen, so die Argumentation der Behörde.

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Etwa ein Drittel dieser Summe ist es jetzt geworden: Genau 878.806 Pfund (1,1 Millionen Euro) soll Hayes zahlen, wie ein Londoner Gericht am Mittwoch entschied. Seine Arbeitgeber hätten ihn nicht so hoch geschätzt, wenn er den Referenzzins nicht manipuliert hätte, so der Richter. Er habe sich daher einen Teil seiner Boni auf unrechtmäßige Art und Weise verschafft. Falls Hayes diese Summe nicht an die Behörden überweist, verlängert sich seine Gefängnisstrafe um drei Jahre.

Der einstige UBS- und Citigrouphändler war der erste, der von einer Jury in Großbritannien im Libor-Skandal schuldig gesprochen wurde. Sechs ehemalige Mitarbeiter von Brokerhäusern, die laut SFO mit Hayes zusammengearbeitet haben sollen, sind Anfang des Jahres mit einem Freispruch davongekommen.

Im April beginnt in London der nächste Prozess im Libor-Skandal. Dann müssen sich sechs ehemalige Barclays-Beschäftigte vor Gericht verantworten. Im September nächsten Jahres soll ein weiterer Prozess beginnen, bei dem einige Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank angeklagt sind – darunter Christian Bittar, der im Zuge der Finanzkrise den höchsten Bonus in der Geschichte des Geldhauses zugesprochen bekam.

Am Libor und verwandten Richtgrößen wie dem Euribor hängen weltweit Finanzprodukte im Wert von Hunderten Billionen Dollar. Lange Zeit hat der britische Bankenlobbyverband BBA den Libor ermittelt. Grundlage dafür war eine Umfrage unter Geldhäusern.

2014 hat der Börsenbetreiber ICE das Verfahren übernommen und arbeitet an einer Reform des gesamten Prozesses. Der Richtwert soll soweit wie möglich auf tatsächlichen Transaktionen und nicht mehr auf Schätzungen von Banken beruhen. Nur wenn es nicht genug Transaktionen gebe, dürften die Libor-Angaben der Institute auf einer begründeten Vermutung basieren. Damit soll der Referenzzinssatz weniger manipulationsanfällig werden.
Die Libor-Tricksereien haben globalen Großbanken Bußgelder von insgesamt etwa neun Milliarden Dollar eingebracht.

Quelle:  Handelsblatt Online
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