Hermès-Vorstand de Seynes: "Die verrückten Zeiten der Luxusbranche sind vorbei"

InterviewHermès: "Die verrückten Zeiten der Luxusbranche sind vorbei"

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Luxushersteller Hermès bietet hochwertigste Produkte zu einem angemessenen Preis an.

von Thorsten Firlus

Vom Sattlerbetrieb zum Luxus-Konzern mit guten Zahlen für 2017: Hermès-Vorstand Guillaume de Seynes über Erfolg mit mechanischen Uhren, die Apple Watch und Maßanfertigung für Aufzüge.

Den Umsatz um neun Prozent auf 5,5 Milliarden Euro gesteigert und Wachstum in allen Märkten von Japan bis Europa - das Jahr 2017 war für das französische Luxusunternehmen Hermès erfolgreich. Alle Abteilungen von Leder über Mode bis Parfüm konnten ihre Umsätze steigern. Auch das Geschäft mit Uhren konnte leicht wachsen - in einem weiterhin schwierigen Markt für Luxusuhren. Der zuständige Vorstand Guillaume de Seynes war auf der Genfer Uhrenmesse Salon International Horlogerie (SIHH) Mitte Januar dennoch optimistisch für das Geschäft mit Uhren.

WirtschaftsWoche: Herr de Seynes, Hermès hat sich in den vergangenen Jahren entgegen der allgemeinen Stagnation der Luxus-Marken gut behauptet. Wie wird sich der Markt weiterentwickeln?
Guillaume de Seynes: Es gab diese Verrücktheiten unserer Branche – besonders wegen des chinesischen Marktes – in den Jahren 2010 und folgende. Dann kam die Anti-Korruptions-Politik der chinesischen Regierung und das hat sicher alle Luxusartikel und besonders die Uhren betroffen. 2017 gab es eine leichte Erholung, vor allem in der zweiten Hälfte.

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Wird die sich fortsetzen?
Ja, aber ich denke nicht, dass die Branche wieder zurückkehrt zu diesen verrückten Zeiten. Vielleicht waren diese Jahre für die Industrie gefährlich. Jeder dachte, alles sei möglich. Noch eine limitierte Edition, noch eine kompliziertere Uhr, noch ein höherer Preis. Ich denke, Luxus ist, die hochwertigsten Produkte mit der besten Qualität für einen angemessenen Preis herzustellen. Produkte, die bleiben. Das ist unsere Philosophie.

Hermès

  • Vita Guillaume de Seynes

    Guillaume de Seynes ist in sechster Generation Mitglied der Familie, die Hermès gegründet hat. Er gehört zum Vorstand des achtköpfigen Comité exécutif und ist dort unter anderem für das Uhrengeschäft und Finanzbeteiligungen verantwortlich.

  • Das Unternehmen

    Der gebürtige Krefelder Thierry Hermès gründete 1837 in Paris das Unternehmen, das bis heute in Familienbesitz ist. Das typische Orange in den Lederwaren entstand in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts. Seidenschals, Krawatten, Handtaschen trugen zum Image des Unternehmens, das 1993 an die Börse ging. 80 Prozent der Aktien behielt die Familie. Zum Unternehmen gehören auch der britische Schuhmacher John Lobb, die Goldschmiede Puiforcat und anteilig Manufakturen für Uhrwerke und Uhrengehäuse.

    Im Oktober 2010 gab der Luxuskonzern LVMH bekannt, einen Anteil von 14,2 Prozent an Hermès zu halten. Ende Dezember waren es bereits mehr als 20 Prozent, was die Mehrheitseigner als feindliche Übernahme auffassten. Im Januar 2011 konnte die rund 50köpfige Erbenfamilie ihre 73 Prozent in eine Familien-Holding überführen. Im Herbst 2014 verkaufte LVMH seine Anteile für 2,4 Milliarden Euro an die eigenen Aktionäre. Einen Teil von, 8,5 Prozent sicherte sich Bernard Arnault, LVMH-Chef, für seine Privatholding.

Ihr Unternehmen hat sich entschlossen, 22 Jahre nach der ersten Teilnahme an der größten Luxusuhrenmesse der Welt, der Baselworld, dort nicht mehr auszustellen. Stattdessen haben sie erstmals als einer von 35 Ausstellern auf dem Salon de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf ihre Produkte präsentiert. Warum?
Wir waren in Basel nun über 20 Jahre lang präsent. Der wichtigste Grund ist, dass sich unser Geschäft bei den Uhren seit 1995 drastisch verändert hat. Damals haben wir ausschließlich Uhren mit Quarzwerken verkauft. Es waren zu mehr als 90 Prozent Damen-Uhren, die wir im Programm hatten. Seitdem haben wir es geschafft, auch bei mechanischen Uhren ein echtes Portfolio aufzubauen. Der SIHH steht für die höchste Qualität im Bereich der Haute Horlogerie. Es war nur ein konsequenter und logischer Schritt für uns, neue Wege zu gehen. Somit konnten wir ein neues Kapitel der Uhrengeschichte für uns schreiben, welches unsere Werte und die Stellung von La Montre Hermès unterstreicht.

Was zeichnet das aus?
Wir haben einige Uhren mit ungewöhnlichen Komplikationen entwickelt, neue Familien und den Anteil der Modelle für Männer deutlich erhöht. Seit 1996 sind wir auch Mitglied im Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie – auch das als Zeichens unseres Willens, unser Uhren-Geschäft Stück für Stück weiter zu entwickeln. Irgendwann gab es den Zeitpunkt, an dem wir dachten, es sei angemessen dem Rechnung zu tragen.

Der SIHH ist im Gegensatz zur Baselworld eine Fachbesuchermesse mit nur einem Tag für die Öffentlichkeit. Was ist nun besser?
Wir haben einen sehr guten Standort bekommen – niemand, der die Messe besucht hat, konnte uns übersehen – auch wenn wir uns von der Fläche ein wenig verkleinert haben. Und wir konnten hier unsere Leidenschaft für Schaufenster-Dekoration pflegen. Wir konnten zeigen, wie spielerisch und lebendig wir mit dem Thema Zeit umgehen und dabei einfach anders sind – dafür sind wir bekannt.

Hermès steht daneben vor allem für Leder und Seide und Wohnaccessoires. Warum wollten Sie in das Segment mit mechanischen Uhren einsteigen?
Wir sind auch echte Schweizer Uhrmacher. Mein Onkel hat vor 40 Jahren damit begonnen, wir haben das Know-How in unserem Unternehmen aufgebaut. Wir fertigen unsere eigenen Gehäuse, wir fertigen unsere eigenen Zifferblätter. Es arbeiten allein 300 Mitarbeiter in der Schweiz in unserer Uhrenabteilung. Und da sind noch nicht die einberechnet, die in dem Joint-Venture Vaucher Manufacture in Fleurier fertigen, das als Teilhaber mit 25 Prozent Anteil zusammen mit der Manufaktur Parmigiani betreiben.

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