Faltbar Klapprad für Städter

Das Unternehmen Riese und Müller hat mit dem neu gestalteten Birdy das Klapprad weiterentwickelt. Das Ergebnis überzeugte Tester Michael Freitag – nach einer Gewöhnungszeit.

Der erste Gedanke: Nach Alpe d’Huez auf gut 1860 Meter möchte ich mich damit nicht hochquälen. Wahrscheinlich noch nicht einmal von Königstein im Taunus auf den Großen Feldberg mit seinen schlappen 890 Metern. Aber dafür ist es ja auch nicht gedacht, obwohl Markus Riese, der Konstrukteur des Birdy, sich den Kopf kratzt: Warum sollte man eigentlich damit nicht den Feldberg hochkraxeln? Zumal das Testexemplar vom Typ Birdy City über eine Nabenschaltung mit acht Gängen verfügt. Die Antwort: Weil ein solch schniekes Faltrad andere Qualitäten hat, die sämtliche Bergziegen kalt lassen, pendelnde Stadtmenschen jedoch beglücken dürften. Hersteller Riese und Müller bringt Birdy nach zehnjähriger Bauzeit jetzt mit einer völlig neuen Rahmengeometrie auf den Markt zu Preisen ab 1399 Euro.

Für Berufspendler, die für die letzte Teilstrecke zum Arbeitsplatz konventionelle Fahrräder mit sich führen, gibt es in der S-Bahn nur wenige Sitzplätze. Anspruchsvolle Pendler wollen in der 1. Klasse Platz nehmen – und das geht nur, wenn das Fahrrad sich im Handumdrehen in ein handliches Paket verwandeln und auf der Gepäckablage verstauen lässt. Bei einem Gewicht von 11,3 Kilo kann man das mit Birdy gerade noch riskieren.

Also ran ans Falten. Zuerst muss ich mir einprägen, das rechte Pedal parallel zum Sitzrohr schräg nach oben zu stellen. Dann den Hinterbau durch simples Wegziehen eines Clips auslösen und unter das Längsrohr klappen. Das geht fast von allein. Dann wird das Sattelrohr eingeschoben und damit der Hinterbau blockiert. Anschließend das Vorderrad eingeklappt, es blockiert sich von selbst. Zum Schluss noch das Lenkerrohr durch Lösen eines Schnellspanners abklappen. Fertig.

Das Birdy hat jetzt die Maße eines großen Koffers. In den ICE darf ich es so dennoch nicht mitnehmen. Zuvor muss ich die Plastikschutzhülle (42,90 Euro) drüberstülpen oder es in den passenden Rucksack (99,90 Euro) packen. Der sieht später auch neben dem Schreibtisch unaufdringlich aus. Das ist auch nötig. Denn das Birdy in einen öffentlich einsehbaren Fahrradständer zu stellen, ist nicht zu empfehlen: Zu begehrlich sind die Blicke der Passanten.

Für mehr Lebensqualität: Dieser Test hilft Ihnen, gesund, aktiv, bewusst und glücklich zu leben.

Der erste Versuch, das Fahrrad zu falten, dauert handgestoppte 15,6 Sekunden. Nicht schlecht, aber auch noch nicht gut. Das Entfalten geht auf Anhieb deutlich schneller. Nach einer Woche ständiger Benutzung mit dreimal täglich Falten und Entfalten bin ich bei sieben Sekunden angelangt. In der Zeit schaffe ich es schließlich sogar mit verbundenen Augen. Wichtiger für Anzugträger ist, dass er sich beim Hantieren mit Birdy nicht dreckig macht. Bei trockenem Wetter klappt das mit etwas Übung gut – und bei Regen ist Fahrradfahren ohnehin nur eine große Sauerei. Die Fahreigenschaften des vollgefederten Zwergs sind besser, als die Optik vermuten lässt. Der Geradeauslauf ist gut, bei Abfahrten verwindet sich der Rahmen nicht. Beim Herunterschauen vom Sattel auf die Straße fühlt man sich anfangs ein wenig lächerlich, als säße man auf einem Kinderroller. Ein Schwachpunkt: Das Querrohr sitzt recht hoch. Birdy-Fahrerinnen sollten deshalb auf enge Röcke verzichten, sonst wird’s schwierig mit dem Aufsteigen.

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