Luxusuhren: Wenn die alten Kunden wieder attraktiv werden

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Luxusuhren: Zeit für Bescheidenheit bei den verwöhnten Uhrenherstellern

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Nicht um jeden Preis auffallen im Büro. Dezente Werte soll diese Uhr aus der Manufaktur Nomos Glashütte vermitteln.

von Thorsten Firlus

Fehlende Online-Strategie für den Vertrieb, florierender Graumarkt, Smartwatches - die Probleme der Uhrenbranche sind drängend. Sie reagiert - auch mit mehr Angeboten für eine lange vernachlässigte Klientel.

Die Nerven liegen blank bei den Herstellern mechanischer Uhren. "Wenn wir einen erwischen, dann beliefern wir ihn nicht mehr", sagt ein Manager einer bekannten Uhrenmarke. Er meint nicht einen Ladendieb, sondern einen Händler. Einer, der die in den Regalen verstaubende Ware über das Internet verkauft. Nicht selbst, sondern über Onlineplattformen, die Kunden mit satten Rabatten locken.

Graumarkt ist das hässliche Wort, das die Branche selten nutzt. Es passt nicht zu Lederschatullen, Konzessionären, Boutiquen, Jahrhunderte alter Tradition und feinem Handwerk. Es passt ebenso wenig wie Antikorruptionsgesetze in China und - vielleicht am allerschlimmsten - die Smartwatch.

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Die Sorgen der meist Schweizer Hersteller mechanischer und damit in aller Regel Luxusuhren sind noch nicht vorbei. Nach Jahren der Umsatzrückgänge schöpft die Industrie zwar langsam wieder Hoffnung. Denn im vierten Monat in Folge, so die Statistik des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie (FHS), stiegen die exportierten Stückzahlen. Vor allem mit Uhren aus Gold und Stahl erzielten die Hersteller bessere Umsätze. Aber von den Höchstständen ist man immer noch entfernt.

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Die Top-Uhren für Ihren beruflichen Aufstieg. Quelle: Presse

Sie setzen in der Konsolidierung dabei wie die Mitbewerber aus Deutschland auch auf eine Klientel, für die sich die Branche über viele Jahre kaum zu interessieren schien: Die Abiturienten, Studenten, Berufseinsteiger oder schlicht Uhrenfans mit begrenztem Budget. Preisschilder mit sechsstelligen Summen waren keine Ausnahme mehr, selbst mehr als eine Million Euro wurden für Uhren aufgerufen. Aber ein breites Angebot unter der immer noch stattlichen Summe von 5000 Euro? Fehlanzeige.

Bereits im Januar 2017 zeichnete sich ab, dass die Uhrenbranche zwar gerne weiter mit Preziosen Geld verdienen will, aber sich einer Klientel erinnert, aus der die künftigen Sammler und Freaks heranwachsen, die auch in zehn oder 20 Jahren einer tickenden Uhr am Arm den Vorzug vor einer intelligenten Smartwatch geben werden – das Gerät, dem die Industrie, die gut davon lebt, dem Menschen ein an und für sich überflüssiges mechanisches Messinstrument schmackhaft zu machen – nichts entgegenzusetzen hat.

Auf dem Salon de la Haute Horlogerie (SIHH) in Genf zeigten die Aussteller, die mehrheitlich zum Konzern Richemont gehören, mehr alltagstaugliche Modelle. Und erschwinglich, wie beispielsweise eine Reihe einfacher Drei-Zeiger-Uhren aus der Manufaktur Jaeger-LeCoultre. Auf der größten Messe für Luxusuhren, der Baselworld, bestätigte sich im März die neue Bescheidenheit.

Das ist auch nötig, denn im mittleren Segment bricht der Industrie der Umsatz ein. "Es tut sich eine Schere auf", sagt Frank-Michael Müller von der Beratung Responsio. Das Unternehmen hat bereits zum dritten Mal den Uhren-Monitor erstellt, eine repräsentative Markterhebung unter Uhrenkäufern.

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