Weinbau: Promi-Winzer zieht es nach Südafrika

Südafrika: Wo Beckenbauer, Schörghuber und Dornier Winzer sind

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Teurer Spaß: Das Weingut Buitenverwachting gehört dem deutschen Unternehmer Richard Müller.

Früher kauften sich Prominente und Unternehmer gerne Weingüter in Frankreich und Italien. Heute ist Südafrika angesagt – aus guten Gründen.

Der Kaiser ist nicht leicht zu finden. Auf der Straße, die sich wie eine schwarze Schlange ins Landesinnere zieht, fordert das Navigationssystem plötzlich, den Wagen abzustellen. Es war auf das „Weingut Lammershoek“ programmiert, von einem Anwesen ist allerdings nichts zu sehen. Anruf beim Farmmanager Schalk Opperman: Alles richtig gemacht, gleich zweige ein Sandweg ab, der führe zum Weingut. Einige Kilometer später hinterlassen die Reifen Staubwolken auf der trockenen Piste. Dann tauchen plötzlich Weinberge auf – und ein Stausee, in dessen Mitte Rinder aus der letzten noch übrig gebliebenen Pfütze trinken.

Armer Kaiser. Ist die Fußballlegende bei der Jagd auf Südafrikas beste Weinlagen etwa zu spät gekommen? „Keineswegs“, sagt Opperman. Franz Beckenbauer habe Lammershoek unter mehr als 40 Angeboten gut ausgewählt. Auch wenn derzeit eine Dürre im trockenen Swartland in der Provinz Westkap wüte, sei dieser Teil des Weinlands spitzenmäßig, sagt der Winzer. In unmittelbarer Nachbarschaft befänden sich mehrere Güter, die einige der besten Tropfen des Landes produzierten.

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Mein Haus, mein Auto, mein Wein: Schon lange kaufen sich Menschen ohne materielle Sorgen ein Weingut. Der britische Sänger Sting hat eines in der Nähe von Florenz in der Toskana, der französische Schauspieler Gérard Depardieu züchtet Reben an der Loire, US-Regisseur Francis Ford Coppola besitzt gleich zwei Güter in Kalifornien.

Winzer Günther Jauch "Wir müssen überlegen, welche Weine wir zurückhalten"

Showmaster Günther Jauch ist auch Winzer an de r Saar in Rheinland-Pfalz. Auf der renommierten Weinauktion "Grosser Ring" bietet er zwei seiner Weißweine an. Warum er sich alten Traditionen verpflichtet fühlt.

Günther Jauch auf seinem Weingut "Von Othegraven" (2011). Quelle: dpa

In den vergangenen Jahren ist das Interesse an einem Investment in Südafrika gestiegen. Die Zeitzone ist dieselbe wie in Deutschland, das politische Klima relativ stabil, das meteorologische sowieso. Die Reben profitieren von Böden aus Granit oder Schiefer, selbst im heißen Sommer schickt der Ozean kühle Winde übers Land.

Schon seit 350 Jahren wird am Kap der Guten Hoffnung Wein angebaut. Eines der ältesten Gebiete befindet sich rund um den Ort Franschhoek, etwa 60 Kilometer östlich von Kapstadt. Zu den ersten Winzern gehörten 200 Hugenotten-Familien im 17. Jahrhundert, die ihre Reben aus der alten Heimat mitgebracht hatten.

Seit dem Ende des Apartheid-Regimes sind südafrikanische Weine weltweit erfolgreich. Im Hemel-en-Aarde-Tal in der Nähe des Städtchens Hermanus findet Peter-Allan Finlayson vom Weingut Crystallum beste Voraussetzungen für Sauvignon Blanc, Chardonnay und Syrah. Ein paar Kilometer weiter konzentrieren sich Suzaan und Chris Alheit auf Chenin Blanc. Der Superstar unter den südafrikanischen Winzern ist derzeit Eben Sadie, der in der Nähe von Beckenbauer anbaut. „Seine seltenen Weine sind gesuchte Trophäen für jeden Weinkeller“, sagt zum Beispiel der deutsche Master-Sommelier Hendrik Thoma.

Weinauktion Vergesst den Preis, folgt euren Bedürfnissen!

Zum 129. Mal wurden in Trier die besten Weine von Mosel-Saar-Ruwer versteigert. Dort, wo vergangenes Jahr der Weltrekord mit 12.000 Euro für eine Flasche erzielt wurde. Redakteur Thorsten Firlus bot dieses Jahr mit.

Quelle: PR VDP

Bis zu solchen Trophäen ist es für die deutschen Promi-Winzer noch ein weiter Weg. Camps Bay, ein nobler Stadtteil von Kapstadt, oder das 50 Kilometer weiter östlich gelegene Somerset West sind in den vergangenen Jahren zu bevorzugten Zielen wohlhabender deutscher Emigranten geworden. Auch entlang der Weinroute weht an den Einfahrten zu den opulenten Gutshäusern neben der südafrikanischen immer häufiger die schwarz-rot-goldene Flagge.

Die Münchner Unternehmerfamilie Schörghuber war Vorreiter des Südafrika-Trends. Die heutige Chefin Alexandra Schörghuber hatte sich ins Kapland verliebt und die Weinfarm Blaauwklippen erworben – was sich eher als teures Hobby entpuppte. Das Weingut könne man jedenfalls kaum als „Geldmaschine“ bezeichnen, sagt selbst der Kellermeister Rolf Zeitvogel.

Der 48-Jährige stammt aus einer badischen Winzerfamilie. Zwischen Südafrika und der deutschen Weinregion herrscht schon seit Jahrzehnten ein reger Austausch, viele südafrikanische Winzer haben ihre Meisterprüfung im baden-württembergischen Weinsberg abgelegt oder an der hessischen Hochschule Geisenheim Weinbau und Oenologie studiert. Von dieser länderübergreifenden Zusammenarbeit profitierte vor allem der südafrikanische Rebensaft, sagt Zeitvogel: In den vergangenen 20 Jahren seien die Kapweine noch deutlich besser geworden.

Trotzdem muss er kreativ sein, um seinen Wein an den Kunden zu bringen. Der Kellermeister baut derzeit noch eine Brennerei mit Grappa und Gin und hat das inzwischen oft kopierte Konzept des sonntäglichen Wochenmarkts entwickelt – mit Weinproben, Schnitzelständen und Country-Musik. Mehr als ein Drittel seiner Weinproduktion verkauft Zeitvogel sonntags.

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