Foodtrends: Insekten sind in, Nespresso ist out

kolumneWerner knallhart: Foodtrends: Insekten sind in, Nespresso ist out

Kolumne von Marcus Werner

So schnell kann das gehen: Gerade war man als Veganer noch hip, nun ist man schon langweilig. Wer was auf sich hält, der isst jetzt Insekten und Quallen. Und verschmäht Nespresso.

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Insekten sind der neue Food-Trend.

Tja, Herrschaften, da haben sich mittlerweile selbst die Leute in mittelgroßen deutschen Städten eine Laktose-Intoleranz zugelegt und einen auf vegan gemacht, da stellt sich raus: Damit schmiert man in der Hipster-Rangliste der besten Ernährungsticks aber mal so richtig ab.

Nein, wenn Sie wieder an der Spitze mitessen und trinken wollen, dann lesen Sie weiter und misten danach Ihren Kühlschrank aus.

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Fangen wir beim Thema Veganismus an. Laut Konsumexperten ebbt der ganze Hype langsam wieder ab und war ohnehin immer nur Nische. Die Leute haben eben gemerkt: Sich rein vegan zu ernähren, steht mittlerweile nicht mehr im Verhältnis zum Image-Output. Jetzt, wo alle wissen, wie anstrengend es ist, ohne Fleisch, Milch, Butter, Ei und Honig zu kochen und zu backen, werden Veganer eher bemitleidet als bewundert. Lohnt sich nicht mehr.

Ganz schlimm abgestützt ist das Image von Nespresso-Kapsel-Trinkern. Zu denen gehöre ich auch – ich bekenne mich. Anfangs, so vor zehn Jahren oder so, da gab es beim Essen mit Nachbarn und Freunden ja noch einen Oho-Effekt, wenn man parallel zum Nachtisch die Übersichts-Tabelle mit den Geschmacksrichtungen je nach Kapsel-Farbe herumreichte („Dieser Voluto oder wie der heißt, dieser milde, ist das der goldene?“). Und dann dieses wichtigtuerische Gequatsche in den Nespresso-Boutiquen. Als wolle man eine Rolex kaufen. Die Shops gibt es natürlich nur in gehobener Innenstadtlage und kommen daher wie die First-Class-Lounges asiatischer Fluggesellschaften.

Die Nespresso-Faszination ist flöten gegangen

Mittlerweile gibt es die Kapseln aber auch von Dallmayr und Starbucks oder sogar als No-Name-Produkte bei Aldi und Lidl. Mitunter mit viel weniger Aluminium-Verbrauch als bei denen von Nestlé. Heute frage ich meine Gäste nur noch: mit oder ohne Koffein. Das Nespresso-System ist nur noch teuer, praktisch und ganz lecker. Die Faszination aber ist flöten gegangen.

Wer wieder Trendsetter sein will, muss leider wieder selber aufbrühen. Der Filterkaffee ist zurück. Aber diesmal ist es richtig kompliziert. Die klassische Filtermaschine mit hängendem Filter und Tropfverschluss ist nur eine Notlösung. Weil ab jetzt müssen wir aus dem Kaffee Säuren und Früchte rausschmecken.

Jaha, wie beim Wein! Da sitzen dann die Experten mit ihren Laptops und ihren schwarzen Kaffees, schmecken säuselnd feine Säure, kaum wahrnehmbare Fruchtaromen und Bitterstoffe raus, und betäuben sich parallel die Zunge mit pappsüßen Muffins, Cheesecakes und Brownies.

Wider den Ekel Warum Insekten auf unseren Teller gehören

Haben Burger mit Mehlwürmern oder Pasta mit Heuschrecken eine Zukunft in Deutschland? Bevor Insekten regelmäßig auf den Tisch kommen, gibt es zwei Probleme: Ekel und Lebensmittelsicherheit.

Ungewöhnliche Kombination: Käferlarven im Brötchen. Quelle: dpa

Manchmal muss man für dieses neue Geschmacks-Universum den Kaffee aber ganz crazy kalt aufbrühen oder in speziell im Internet erhältliche Plexiglas-Kolben ziehen lassen, um zu punkten. Die Leute hinter der Theke in Cafés nehmen das sehr wichtig und gucken beim Schwenken der Kolben und Kannen und Spezialaufsätze immer sehr fokussiert. Dann sieht der Kaffee am Ende aus wie Pfefferminztee. Wer dann sagt: „Der ist ja dünn“, der outet sich in den Augen der neuen Kaffee-Experten als hinterwäldlerisch.

Und Gäste, die dann Milch oder – Gott möge es verhüten – Kaffeesahne rein kippen, die können auch gleich noch von ihrer Briefmarkensammlung erzählen. Sie sind erledigt. Milch im Kaffee? Sorry. Nein. Der Trend ohne Milch kommt aus den USA und Berlin. Bäng! Sticht doppelt. Latte Macchiato kannst du in Bad Münstereifel trinken.

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