Liveblog zum Brexit: Osborne: Wir haben die Lage im Griff

Liveblog zum Brexit: Osborne: Wir haben die Lage im Griff

, aktualisiert 27. Juni 2016, 08:50 Uhr
Bild vergrößern

In der EU und in Großbritannien kämpfen Politiker mit den Folgen des Brexit-Referendums.

Quelle:Handelsblatt Online

Tag vier nach der Brexit-Entscheidung: Die Märkte sind weiter unter Druck, Schatzkanzler Osborne will ein Signal der Ruhe senden. EU-Politiker drängen London auf eine schnelle Scheidung. Die Ereignisse im Liveblog.

+++ Osborne: Britische Wirtschaft ist vorbereitet +++

Schatzkanzler George Osborne sagte, dass es ein Zusatzbudget zuerst geben werde, wenn ein neuer Premierminister im Amt sei. Eine Entscheidung über seine eigene politische Zukunft verschob er ebenfalls, um die Finanzmärkte zu beruhigen. „Ich beabsichtige, meine Pflicht zu erfüllen“, sagte Osborne, der neben Premierminister David Cameron für einen Verbleib in der EU gekämpft hatte, in den ersten öffentlichen Worten nach der Austrittsentscheidung der Briten.

Er sprach davon, sich „in den nächsten Tagen“ mit seiner politischen Zukunft zu beschäftigten. „Natürlich wird sich die Wirtschaft anpassen und es wird Auswirkungen auf den Haushalt geben“. Aber die britische Wirtschaft sei vorbereitet, Notfallpläne mit den Banken vor der Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, seien durchgesprochen. Nachdem Osborne vor einer Rezession gewarnt hatte, bemühte er sich in seiner kurzen Ansprache mit wenigen Fragemöglichkeiten vor allem, den Aktienmarkt vor der Markteröffnung zu beruhigen.

Anzeige

+++ Schottland prüft Verbleib in Großbritannien und der EU +++

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon hat weitere Details zu ihrem Programm genannt, Schottland in der EU zu halten - möglicherweise ohne ein neues Unabhängigkeits-Referendum. Sie wolle zunächst in Verhandlungen mit der EU und deren Mitgliedsstaaten erreichen, dass Schottland als Landesteil Großbritanniens seinen Status in der EU halten könnte. Nach diesem Szenario würden quasi nur England, Wales und Nordirland aus der EU austreten, Schottland aber Mitglied bleiben - und zugleich Teil Großbritanniens. Bei den Vorarbeiten an diesen Verhandlungen soll ein neues Beratungsgremium für die schottische Regierung helfen, das Sturgeon diese Woche aus verschiedenen Interessengruppen zusammenstellen will und das rechtliche und diplomatische Kompetenzen mitbringen soll.

+++ Märkte weiter unter Druck +++

Am zweiten Handelstag nach dem Brexit-Votum der Briten dürfte es an den Aktienmärkten erneut nach unten gehen. Börsianer rechnen am Montag mit schwächeren Kursen zur Eröffnung. Am Freitag hatte der Dax 6,8 Prozent tiefer bei 9557,16 Punkten geschlossen. Zeitweise war er um zehn Prozent abgestürzt - so stark wie seit der Pleite der US-Bank Lehman 2008 nicht mehr. Großbritanniens Schatzkanzler George Osborne will noch vor Eröffnung der Börsen in Europa eine Rede halten, um die Märkte zu beruhigen.

+++ Soros hat nicht gegen das Pfund gewettet +++

Der durch seine Wetten gegen das Pfund im Jahr 1992 berühmt gewordene Investor George Soros hat vor dem Brexit-Entscheid in Großbritannien nicht gegen die Währung gewettet. Das erklärt sein Sprecher. Er habe vor dem Referendum sogar auf das Pfund gesetzt. Die Währung hat durch das Brexit-Votum massiv an Wert verloren.

+++ Bankenaufsicht EBA angeblich vor Abzug aus London +++

Die EU bereitet nach Informationen von Insidern den Abzug ihrer Behörde für die Bankenregulierung EBA aus London vor., berichtet Reuters Die EBA, deren 159 Mitarbeiter die Bankenregeln für die EU festlegen und überwachen, werde schon bald an einen neuen Standort in der EU ziehen. Alle EU-Behörden befinden sich in der Europäischen Union. EBA-Chef Andrea Enria hatte bereits vor dem Referendum erklärt, im Falle eines Brexits werde die Behörde Großbritannien verlassen müssen.

+++ Frankreich drängt auf raschen Brexit +++

Auch Frankreich will eine schnelle Scheidung. Finanzminister Michel Sapin erklärt, Großbritannien solle den EU-Austrittsprozess rasch einleiten.

+++ Oettinger: London muss Unklarheiten beseitigen +++

EU-Digitalkommissar Günther Oettinger fordert Großbritannien auf, die Scheidung von der EU rasch in die Wege zu leiten. „Der nächste Schritt muss von London aus kommen“, sagt er im Deutschlandfunk. Jeder Tag Unklarheit schrecke Investoren in aller Welt ab, in Großbritannien, aber auch Europa ihr Geld einzusetzen.

+++ Japan: Brexit-Unruhe könnte Abe zugute kommen +++

Die Unruhe nach der Brexit-Abstimmung dürfte in Japan Experten zufolge der Partei von Ministerpräsident Shinzo Abe bei den Oberhauswahlen am 10. Juli zugutekommen. "In unruhigen Zeiten setzt der japanische Wähler auf Stabilität", sagt Gerry Curtis von der Columbia University. Am Wochenende hatte Abe vor politischen Abenteuern mit anderen Parteien gewarnt.


Lagarde: Situation „unter Kontrolle“

+++ Chinas Premier Li: Unsicherheit größer geworden +++

Die Unsicherheiten in der Weltwirtschaft sind nach Einschätzung des chinesischen Ministerpräsidenten Li Keqiang durch den Brexit größer geworden. China wünsche sich eine vereinte und stabile Europäische Union und ein florierendes Großbritannien, sagt Li in einer Rede auf dem Weltwirtschaftsforum in Tianjin.

+++ Goldman Sachs: „leichte Rezession“ +++

Volkswirte von Goldman Sachs gehen davon aus, dass Großbritannien wegen des Ausgangs der Brexit-Abstimmung bis Anfang 2017 eine „leichte Rezession“ durchmachen wird. Auch in den EU-Staaten und den USA werde das Wirtschaftswachstum nicht so hoch ausfallen wie bislang erwartet, heißt es in einem Brief der US-Großbank an ihre Kunden.

+++ Pfund bleibt unter Druck +++

Das britische Pfund bleibt im Devisenhandel in Fernost unter Druck. Das Pfund gibt gegenüber dem Dollar um 1,8 Prozent nach und wird mit 1,3456 Dollar gehandelt.

+++ Lagarde: Marktsituation „unter Kontrolle“ +++

Die Finanzmärkte haben IWF-Chefin Christine Lagarde zufolge das Ergebnis des Brexit-Referendums weitgehend verkannt. „Es gab aber keine Panik“, sagt Lagarde in Aspen im US-Bundesstaat Colorado. Die Notenbanken hätten ihren Job gemacht, die Marktsituation sei „unter Kontrolle“ gewesen.

+++ Deutsche Wirtschaft: Handelsbeziehungen zu London aufrechterhalten +++

Die deutsche Wirtschaft dringt darauf, die engen Wirtschaftsbeziehungen zu Großbritannien auch nach einem Brexit aufrechtzuerhalten. Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Martin Wansleben, fordert in der „Bild“-Zeitung von EU und britischer Regierung rasch Klarheit. „Die deutschen Unternehmen müssen so schnell wie möglich wissen, wo es lang geht.“

+++ Corbyn will bleiben +++

Der Vorsitzende der oppositionellen Labour-Partei, Jeremy Corbyn, will trotz wachsender innerparteilicher Kritik nicht zurücktreten. Er bedauere, dass mehrere führende Labour-Abgeordnete sein Schattenkabinett verlassen hätten, erklärt Corbyn. Wer einen Wechsel an der Labour-Spitze wolle, müsse in einer demokratischen Wahl antreten, bei der er selbst kandidieren werde.

+++ Europa uneins im Umgang mit London +++

Nach dem Brexit-Votum der Briten streitet Europa über den Zeitpunkt des Ausscheidens des Königreiches aus der EU. Die Außenminister der Gründungsstaaten machten sich am Wochenende ebenso wie EU-Parlamentspräsident Schulz für ein schnelles Verfahren stark, um einen Neuanfang in der Gemeinschaft zu erleichtern. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will London dagegen Zeit lassen.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%